Anzuchtset für Chilis: was hineingehört

Ein brauchbares Anzuchtset für Chilis besteht aus vier Teilen: Schale mit Abzugslöchern, durchsichtige Haube, Anzuchterde oder Quelltöpfe und eine Wärmequelle für konstante 25 bis 28 °C. Alles andere ist Komfort. Die Wärmequelle ist der Teil, den fertige Sets am häufigsten weglassen, und genau daran scheitert die Anzucht.

Was hineingehört

TeilWofürNotwendig?
Anzuchtschale mit Löchernhält das Substrat, lässt Wasser abja
UntersetzerGießen von unten, kein Wasser auf der Fensterbankja
Durchsichtige Haubehält die Feuchtigkeit bis zur Keimungja
Anzuchterde oder Quelltöpfenährstoffarmes Substratja
Heizmattekonstante 25 bis 28 °Cfaktisch ja, besonders für chinense
Pflanzenlampeab dem Öffnen der Keimblätterja, von Januar bis März
EtikettenSorten auseinanderhaltenja. Nach drei Wochen sehen alle gleich aus
Sprühflaschegießen, ohne Samen freizuspülenhilfreich
PikierstabSämlinge vereinzelnein Bleistift tut es auch
ThermometerSubstrattemperatur prüfenhilfreich beim ersten Mal

Warum die Wärme entscheidet

Chilisamen keimen bei 25 bis 28 °C. Unter 22 °C wird es zäh, unter 18 °C passiert praktisch nichts. Eine Fensterbank über der Heizung schwankt zwischen 30 °C am Nachmittag und 16 °C nachts. Der Durchschnitt sieht brauchbar aus, die Keimrate nicht.

Deshalb ist eine Heizmatte das Teil mit dem größten Effekt pro Euro. Bei Capsicum chinense, also Habanero, Ghost Pepper oder Carolina Reaper, ist sie der Unterschied zwischen zwei und fünf Wochen Keimdauer, und manchmal zwischen Keimung und keiner. Für annuum-Sorten wie Jalapeño geht es auch ohne, dauert aber länger.

Die Matte gehört unter die Schale, nicht daneben, und sollte eine Abschaltung oder einen Thermostat haben. Ohne Regelung wird das Substrat an warmen Tagen über 30 °C heiß, und dann sinkt die Keimrate wieder.

Quelltöpfe oder lose Erde

QuelltöpfeAnzuchterde
Handhabungsauber, schnellmehr Aufwand
Feuchtigkeitgleichmäßig, aber schlecht sichtbargut kontrollierbar
Pikierenkomplett mitpflanzenWurzeln müssen gelöst werden
Kostenpro Pflanze höhergünstiger
Schimmelrisikohöher bei zu nasser Haltunggeringer

Ich nutze beides, je nach Menge. Für ein paar Sorten sind Quelltöpfe bequemer, weil der Umgang mit losem Substrat entfällt und die Sämlinge später mitsamt Topf umziehen. Für dreißig Pflanzen ist Anzuchterde günstiger, und man sieht besser, wie feucht es ist. Was in die Erde gehört und was nicht, steht unter Chili-Erde.

Wenn du selbst zusammenstellst

Ein Set aus dem Handel kostet mehr als die Summe seiner Teile, und der Inhalt passt selten genau. Was bei mir zusammen funktioniert:

  • Eine flache Kunststoffschale mit Deckel, oder eine Obstschale aus dem Supermarkt mit gebohrten Löchern und einem Gefrierbeutel als Haube.
  • Anzuchterde, ein Sack reicht für mehrere Jahre.
  • Eine Heizmatte, das einzige Teil, an dem ich nicht sparen würde.
  • Eine LED-Pflanzenlampe mit Zeitschaltuhr.
  • Holzstäbchen und ein wasserfester Stift als Etiketten.

Was in fertigen Sets oft dabei ist und wenig bringt: mitgelieferte Samentütchen unbekannter Herkunft und Alters, Töpfe aus Presspappe, die von außen schimmeln, und Mini-Gewächshäuser ohne Lüftungsöffnung.

Der Ablauf mit dem Set

  1. Substrat anfeuchten, nicht nass machen. Es soll beim Zusammendrücken zusammenhalten, aber nicht tropfen.
  2. Samen etwa 5 mm tief setzen, ein Samen pro Zelle, beschriften.
  3. Haube drauf, Heizmatte an, Zieltemperatur 25 bis 28 °C.
  4. Einmal täglich lüften, damit sich kein Kondenswasser sammelt und Schimmel entsteht.
  5. Sobald die ersten Keimblätter offen sind: Haube ab, Lampe an, 14 bis 16 Stunden täglich.
  6. Nach zwei bis vier echten Blättern pikieren und die Heizmatte abschalten.

Punkt fünf wird am häufigsten verpasst. Bleibt die Haube nach der Keimung drauf, wird es zu feucht, und die Sämlinge werden anfällig für die Umfallkrankheit. Und ohne Licht strecken sie sich innerhalb von drei, vier Tagen so, dass sie nie wieder stabil werden.

Was das Ganze kostet

Eine ehrliche Rechnung, weil die Frage oft kommt. Für eine Anzucht mit zwanzig bis dreißig Pflanzen fallen einmalig etwa 60 bis 100 Euro an: Heizmatte, Pflanzenlampe mit Zeitschaltuhr, Schalen und Hauben. Verbrauchsmaterial sind Anzuchterde und Saatgut, zusammen unter zehn Euro pro Saison.

Lampe und Heizmatte halten viele Jahre, die Schalen ebenfalls. Ab dem zweiten Jahr kostet eine komplette Anzucht also weniger als eine gekaufte Jungpflanze im Baumarkt, und man bekommt Sorten, die es dort nicht gibt.

Wer nur zwei, drei Pflanzen will, sollte allerdings ehrlich rechnen: Dafür lohnt der Aufbau nicht. Dann sind gekaufte Jungpflanzen im Mai die vernünftigere Wahl, und das Anbaujahr beginnt einfach später.

Platz und Aufstellung

Eine Anzucht für zwanzig bis dreißig Pflanzen braucht etwa einen halben Quadratmeter Fläche. Eine Fensterbank reicht selten, ein Regal oder ein Klapptisch schon.

Wichtig ist die Höhe über der Schale: Die Lampe muss sich verstellen lassen, weil der Abstand mit dem Wachstum mitwandern soll. Ein einfaches Regalbrett mit einer an Ketten aufgehängten Lampe erfüllt das besser als jede feste Installation.

Der Standort selbst darf ruhig ein kühler Raum sein, sobald die Sämlinge stehen. 18 bis 20 °C sind für Jungpflanzen besser als 24. Wärme fördert das Längenwachstum, und kompakt gewachsene Pflanzen kommen später mit Wind und Sonne draußen deutlich besser zurecht.

Was ich vermeide: die Anzucht ins Wohnzimmer zu stellen. Der Grund sind die Trauermücken, die früher oder später auftauchen, nicht die Pflanzen selbst. Die sind im Arbeitszimmer weniger störend als über dem Esstisch.

Weiter geht es unter Aussaat und Anzucht, Samen keimen lassen und Wann Chilis anpflanzen. Was in der Anzucht schiefgehen kann, steht unter Schimmel in der Chili-Anzucht.

Häufige Fragen

Was gehört in ein Anzuchtset für Chilis?

Eine Schale mit Abzugslöchern, ein Untersetzer, eine durchsichtige Haube, Anzuchterde oder Quelltöpfe, eine Heizmatte und eine Pflanzenlampe. Dazu Etiketten. Nach drei Wochen sehen alle Sämlinge gleich aus.

Brauche ich eine Heizmatte für Chilis?

Für Capsicum chinense praktisch ja. Sie entscheidet dort zwischen zwei und fünf Wochen Keimdauer. Für annuum-Sorten wie Jalapeño geht es auch ohne, dauert aber länger und fällt ungleichmäßiger aus.

Sind Quelltöpfe oder Anzuchterde besser?

Quelltöpfe sind bequemer und lassen sich beim Pikieren mitpflanzen, Anzuchterde ist günstiger und man sieht die Feuchtigkeit besser. Für wenige Pflanzen Quelltöpfe, für größere Mengen Erde.

Wann kommt die Haube vom Anzuchtset ab?

Sobald die ersten Keimblätter offen sind. Bleibt sie länger drauf, wird es zu feucht und die Sämlinge werden anfällig für die Umfallkrankheit.

Lohnt sich ein fertiges Anzuchtset?

Meist nicht. Es kostet mehr als die Summe der Teile, und die mitgelieferten Samen sind von unbekannter Herkunft und Alter. Selbst zusammengestellt bekommst du genau das, was du brauchst.

Wie viele Samen pro Zelle säen?

Einen. Zwei Sämlinge in einer Zelle konkurrieren, und beim Vereinzeln geht meist einer kaputt. Wer der Keimrate nicht traut, macht vorher einen Keimtest.

Wann kann die Heizmatte weg?

Nach dem Pikieren. Ab dann ist Licht entscheidend, nicht mehr Wärme, und zu warme Jungpflanzen strecken sich unnötig.

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