Die Scotch Bonnet ist die karibische Schwester der Habanero: dieselbe Art, dieselbe Schärfe, aber gedrungener, süßlicher und rund drei Wochen später dran. Sie liegt bei 100.000 bis 350.000 Scoville und ist die Chili hinter jamaikanischem Jerk.
Für den Anbau in Deutschland heißt das: Aussaat Mitte Januar, nicht später. Sie braucht 110 bis 130 Tage ab dem Auspflanzen, und wer im Februar anfängt, erntet in einem normalen Sommer nur die ersten Schoten. Bei mir steht sie im Folientunnel. Im offenen Freiland wird sie in kühlen Jahren nicht fertig.

Alle Informationen auf einen Blick
CHILI-LEXIKON
56 Sorten nach Schärfegrad – Sorte antippen für den Steckbrief.
Mild (0 – 999 SHU)
- Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
- Habanada (0–100 SHU, Capsicum chinense)
- Shishito (50–200 SHU, Capsicum annuum)
- Fushimi (0–500 SHU, Capsicum annuum)
- Banana Pepper (0–500 SHU, Capsicum annuum)
- Friggitello (100–500 SHU, Capsicum annuum)
Pikant (1.000 – 9.999 SHU)
- Padrón (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Anaheim (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Poblano (1.000–2.000 SHU, Capsicum annuum)
- Cascabel (1.000–3.000 SHU, Capsicum annuum)
- Piment d’Espelette (3.000–4.000 SHU, Capsicum annuum)
- Mirasol (Guajillo) (2.500–5.000 SHU, Capsicum annuum)
- Jalapeño (2.500–8.000 SHU, Capsicum annuum)
- Fresno (2.500–10.000 SHU, Capsicum annuum)
- Ají Fantasy (5.000–10.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ungarische Wachspaprika (5.000–10.000 SHU, Capsicum annuum)
Mittelscharf (10.000 – 99.999 SHU)
- Serrano (10.000–23.000 SHU, Capsicum annuum)
- Peter Pepper (5.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bishop’s Crown (5.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Peperoncino Calabrese (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Chile de Árbol (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Lemon Drop (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ají Cristal (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Cayenne (30.000–50.000 SHU, Capsicum annuum)
- Tabasco (30.000–50.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Ají Charapita (30.000–50.000 SHU, Capsicum chinense)
- Ají Amarillo (30.000–50.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Pequin (30.000–60.000 SHU, Capsicum annuum)
- Rocoto (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Manzano (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Chiltepin (Tepin) (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bird’s Eye (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Kanthari (50.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Sugar Rush Peach (50.000–100.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Malagueta (60.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
Sehr scharf (100.000 – 999.999 SHU)
- Piri Piri (50.000–175.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Datil (100.000–300.000 SHU, Capsicum chinense)
- Devil’s Tongue (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Scotch Bonnet (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Orange Habanero (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Madame Jeanette (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Fatalii (125.000–400.000 SHU, Capsicum chinense)
- White Habanero (200.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Chocolate Habanero (200.000–450.000 SHU, Capsicum chinense)
- Red Savina Habanero (248.556–577.000 SHU, Capsicum chinense)
- Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000–1.001.304 SHU, Capsicum chinense)
Extrem (ab 1 Mio. SHU)
- Naga Morich (900.000–1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
- Dorset Naga (900.000–1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000–1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Douglah (900.000–1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
- Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764–2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Primo (1.469.000–1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
- Komodo Dragon (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Carolina Reaper (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)
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Steckbrief
| Art | Capsicum chinense |
| Schärfe | 100.000–350.000 SHU |
| Andere Namen | Bonney Pepper, Jamaican Hot, Boabs Bonnet |
| Herkunft | Karibik, vor allem Jamaika |
| Fruchtgröße | 2,5–4 cm, gedrungen und gefaltet |
| Farbe reif | Gelb, orange oder rot je nach Linie |
| Keimdauer | 14–28 Tage bei 26–28 °C |
| Aussaat | Mitte Januar |
| Reifezeit | 110–130 Tage ab Auspflanzen |
| Wuchshöhe | 60–100 cm im Topf |
| Topfvolumen | 15–20 l |
| Standort | Folientunnel, Gewächshaus, warme Hauswand |
Herkunft und Name
Die Scotch Bonnet ist die Chili der Karibik, allen voran Jamaikas. Ihr Name kommt von der Form: Die gedrungene, gefaltete Schote erinnert an eine schottische Schirmmütze, den Tam o’ Shanter. Botanisch ist sie eine Capsicum chinense und damit eng mit der Habanero verwandt.
In der jamaikanischen Küche ist sie gesetzt. Jerk-Marinade besteht im Kern aus Scotch Bonnet, Piment und Frühlingszwiebeln, und keine dieser drei Zutaten lässt sich sinnvoll ersetzen. Auch Pepper Sauce und Escovitch kommen ohne sie nicht aus. Wer eine Habanero einsetzt, kommt nah heran, verliert aber den süßlichen Ton, der die Sorte ausmacht.
Der Unterschied zur Habanero
Beide gehören zu Capsicum chinense und liegen im selben Schärfebereich. Wer eine Schärfedifferenz schmeckt, schmeckt meist den Unterschied zwischen zwei Pflanzen, nicht zwischen zwei Sorten.
Der Unterschied liegt woanders. Die Scotch Bonnet ist gedrungen und gefaltet, breiter als hoch, mit der charakteristischen Form, die dem schottischen Tam o‘ Shanter ähnelt, daher der Name. Die Habanero ist länger, glatter, laternenförmig.
Geschmacklich ist die Scotch Bonnet süßlicher. Wo die Habanero blumig-fruchtig schmeckt, geht die Scotch Bonnet in Richtung Aprikose und reife Tropenfrucht. Das macht sie in Saucen angenehmer, weil die Süße die Schärfe trägt statt sie nur zu begleiten.
Und dann sind da die drei Wochen. Die Scotch Bonnet braucht bis zur ersten reifen Schote deutlich länger. Das ist in Deutschland der Punkt, an dem der Anbau kippt oder gelingt.
Scotch Bonnet anbauen
Aussaat: Mitte Januar
Das ist bei dieser Sorte schlicht Rechnung. Mitte Januar gesät, keimt sie bis Anfang Februar, steht Mitte Mai als kräftige Jungpflanze draußen und hat dann bis Ende September Zeit. Wer im März anfängt, kommt rechnerisch erst im November an, und da ist die Saison vorbei.
Die Keimung braucht 26 bis 28 °C und Geduld: 14 bis 28 Tage sind normal. Auf einer Fensterbank ohne Wärmequelle keimt sie im Januar schlecht bis gar nicht. Details zum Ablauf stehen unter Chili aussäen.
Weil im Januar das Tageslicht nicht reicht, gehört eine Pflanzenlampe dazu. Sonst vergeilen die Sämlinge, werden lang und dünn und kippen um. Zwölf bis vierzehn Stunden unter einer einfachen LED-Pflanzenlampe reichen (Affiliate-Link, für dich ändert sich nichts am Preis). Wie viel Licht nötig ist, steht unter Lichtbedarf von Chilipflanzen.
Topf und Standort
15 bis 20 Liter je Pflanze. Weniger geht, kostet aber Ertrag, und bei einer Sorte, die ohnehin spät dran ist, will man keine zusätzliche Bremse. Die passende Mischung steht unter Chili-Erde selbst mischen.
Beim Standort ist die Scotch Bonnet anspruchsvoller als eine Jalapeño. Sie will Wärme, und zwar auch nachts. Unter 12 °C in der Nacht stellt sie das Wachstum ein, und im September entscheidet genau das darüber, ob die letzten Schoten noch durchfärben. Deshalb steht sie bei mir im Folientunnel und nicht im offenen Beet.
Wer keinen Tunnel hat: Südwand, Topf auf eine Steinplatte, windgeschützt. Die gespeicherte Wärme der Mauer bringt nachts ein paar Grad, und die zählen im September mehr als alles andere.
Gießen und Düngen
Als chinense mit langer Saison ist die Scotch Bonnet ein Dauerzehrer. Ab dem Fruchtansatz wöchentlich mit einem kaliumbetonten Dünger, Tomatendünger passt. Details unter Chilipflanzen düngen.
Beim Gießen gilt für sie dasselbe wie für alle chinense: gleichmäßig, nicht im Wechsel zwischen trocken und nass. Der Wechsel ist die häufigste Ursache für Blütenabwurf, und bei einer Sorte mit knappem Zeitfenster kostet jede verlorene Blüte eine Schote, die man nicht nachholen kann.
Was realistisch dabei herauskommt
Zwei Punkte, die man vorher wissen sollte.
Erstens die Schärfe. Die 350.000 SHU aus den Sortenbeschreibungen erreicht eine in Deutschland gezogene Scotch Bonnet praktisch nie. Capsaicin bildet sich unter Hitze und langer Sonneneinstrahlung. Beides ist hier begrenzt. Realistisch liegt eine eigene Schote im unteren Drittel der Spanne. Sie ist damit immer noch sehr scharf, aber nicht das, was die Zahl verspricht. Warum die Werte so streuen, steht unter Scoville-Skala.
Zweitens der Ertrag. Im Folientunnel sind 30 bis 60 Schoten je Pflanze machbar. Im Freiland, in einem kühlen Sommer, kann es die Hälfte sein, und ein Teil davon bleibt grün. Das ist kein Fehler, den man abstellen kann; es ist der Preis für eine Sorte, die für die Karibik gezüchtet wurde.
Sorten
Unter „Scotch Bonnet“ werden im Saatguthandel mehrere Linien verkauft. Sie unterscheiden sich in Farbe und Reifezeit, im Anbau verhalten sie sich gleich.
| Linie | Farbe reif | Merkmal |
|---|---|---|
| Scotch Bonnet MOA | Gelb bis orange | Auslese des jamaikanischen Landwirtschaftsministeriums, fruchtig und süß |
| Scotch Bonnet Yellow | Gelb | Die verbreitete Standardlinie |
| Scotch Bonnet Red | Rot | Etwas später reif, kräftiger im Aroma |
| Scotch Bonnet Chocolate | Braun | Reift spät ab, in Deutschland heikel |
Das Kürzel MOA steht für Ministry of Agriculture. Diese Linie gilt als die sortentypischste und ist ein guter Ausgangspunkt, wenn es um das jamaikanische Aroma geht. Die braune Variante würde ich hier nur unter Folie versuchen, weil sie zu den spätesten der Gruppe gehört.
Verwenden
Die Scotch Bonnet ist die Chili der jamaikanischen Küche. Sie steckt in Jerk-Marinaden, in Pepper Sauce und in fast jedem karibischen Eintopf. Ihre Süße macht sie dafür geeigneter als eine Habanero.
- Hot Sauce: Als Anteil von 20 bis 50 % in einer Mischung. Pur wird die Sauce zu scharf zum Verwenden.
- Jerk-Marinade: Mit Piment, Thymian, Frühlingszwiebel und braunem Zucker. Zwei Schoten reichen für ein Kilo Fleisch.
- Einlegen: Ganz, in Essig mit Zwiebel und Piment.
- Trocknen: Geht, dauert wegen des dicken Fruchtfleischs aber lang. Halbieren hilft.
Handschuhe sind hier keine Übervorsicht. Bei 200.000 SHU bleibt Capsaicin stundenlang an den Fingern, und was danach passiert, steht unter Schärfe von den Händen entfernen.
Was bei Scotch Bonnet schiefgeht
| Beobachtung | Ursache | Was hilft |
|---|---|---|
| Samen keimen nach drei Wochen nicht | Zu kalt. Unter 24 °C keimt chinense kaum | Heizmatte, konstant 26–28 °C, bis zu vier Wochen Geduld |
| Schoten bleiben im Oktober grün | Zu spät gesät oder zu kühl gestanden | Im Januar aussäen, Folientunnel oder Südwand nutzen |
| Blüten fallen ab | Über 32 °C wird der Pollen unfruchtbar, dazu Trockenstress | Im Tunnel lüften, gleichmäßig gießen. Siehe Blüten fallen ab |
| Deutlich milder als erwartet | Kühler Sommer, oder es ist gar keine Scotch Bonnet | Sonniger stellen, Saatgut mit Linienangabe kaufen |
| Sämlinge lang und dünn | Lichtmangel bei Januaraussaat | Pflanzenlampe ab dem Keimen. Siehe Licht für Chilipflanzen |
Lohnt sich die Sorte?
Wenn du karibisch kochst: ja, ohne Einschränkung. Der süßliche Ton lässt sich mit keiner anderen Sorte ersetzen, und gekaufte Schoten bekommt man in Deutschland kaum frisch.
Wenn du eine scharfe Allzwecksorte suchst: eher nicht. Eine Orange Habanero ist drei Wochen früher fertig, verzeiht einen späteren Aussaattermin und ist im Ertrag verlässlicher. Für den ersten Versuch mit sehr scharfen Sorten ist sie die bessere Wahl.
Häufige Fragen
Wie scharf ist die Scotch Bonnet?
100.000 bis 350.000 Scoville, derselbe Bereich wie die Habanero. Eine in Deutschland gezogene Schote liegt in der Regel im unteren Drittel dieser Spanne, weil Capsaicin Hitze und Sonnenstunden braucht.
Was ist der Unterschied zwischen Scotch Bonnet und Habanero?
Botanisch nichts. Beide sind Capsicum chinense und gleich scharf. Die Scotch Bonnet ist gedrungen und gefaltet, die Habanero länglich und glatt. Geschmacklich ist die Scotch Bonnet süßlicher, Richtung Aprikose. Für den Anbau zählt vor allem, dass sie rund drei Wochen später reif wird.
Wann muss ich Scotch Bonnet aussäen?
Mitte Januar. Bei 110 bis 130 Tagen Reifezeit ab dem Auspflanzen reicht eine Aussaat im März in Deutschland nicht mehr für eine volle Ernte. Der Aussaatkalender steht unter Chili anbauen.
Wächst Scotch Bonnet auch im Freiland?
Ja, aber mit Abstrichen. In einem warmen Sommer an einer Südwand funktioniert es; in einem kühlen Jahr bleibt ein Teil der Schoten grün. Im Folientunnel oder Gewächshaus ist das Ergebnis deutlich verlässlicher.
Warum bleiben meine Scotch Bonnets grün?
Meist fehlt Zeit oder Wärme. Unter etwa 15 °C stellt die Pflanze die Farbentwicklung ein, und im Oktober wird nichts mehr fertig, was noch dunkelgrün ist. Schoten mit ersten Farbstellen reifen abgepflückt nach.
Wie viele Schoten trägt eine Pflanze?
Im Folientunnel 30 bis 60 je Pflanze, im Freiland oft deutlich weniger. Der Ertrag hängt bei dieser Sorte stärker vom Standort ab als von Dünger oder Topfgröße.
Ist die Scotch Bonnet mehrjährig?
Botanisch ja, wie alle Capsicum-Arten. Frost übersteht sie nicht, überwintern lässt sie sich hell und kühl bei 10 bis 15 °C. Ich ziehe trotzdem jedes Jahr neu, weil mir der Platz im Winterquartier fehlt. Mehr dazu unter Chilis überwintern.
Kann ich Samen aus eigenen Schoten nehmen?
Ja, wenn die Schote vollreif war. Sortenrein bleibt das Ergebnis nur, wenn keine andere Chilisorte in Insektenreichweite stand. Capsicum wird von Bienen und Hummeln bestäubt. Wer sichergehen will, tütet einzelne Blüten ein.
Weiterlesen: Chilisorten im Überblick · Chili anbauen
