Scoville-Skala: Schärfe-Tabelle aller Chilisorten

Die Scoville-Skala misst, wie scharf eine Chili ist. Sie geht von 0 (Paprika) bis über 2,6 Millionen (Pepper X). Unten findest du eine Tabelle mit allen gängigen Sorten und den Vergleichswerten, nach denen am häufigsten gefragt wird — von Wasabi über Tabasco-Sauce bis Sambal Oelek.

Was die Scoville-Skala misst

Der Pharmakologe Wilbur Scoville entwickelte 1912 einen Test, bei dem Chiliextrakt so lange mit Zuckerwasser verdünnt wurde, bis eine Testgruppe keine Schärfe mehr schmeckte. Der Verdünnungsfaktor ergab den Wert in Scoville Heat Units (SHU). Musste man 1.000-fach verdünnen, waren es 1.000 SHU.

Das Verfahren war subjektiv — heute wird der Capsaicin-Gehalt per Flüssigchromatographie (HPLC) gemessen und in SHU umgerechnet. Die Einheit ist geblieben, die Zungen sind raus.

Wichtig zu wissen: Die Werte schwanken stark. Dieselbe Sorte kann je nach Sonneneinstrahlung, Wasserversorgung und Reifegrad um den Faktor zwei bis zehn variieren. Beim Carolina Reaper ist das gut dokumentiert: 1.641.183 SHU bei der Rekordmessung, rund 1.340.000 im Feldversuch und 518.299 SHU bei Pflanzen aus einem normalen Hausgarten.

Lange habe ich geglaubt, Trockenstress mache Chilis grundsätzlich schärfer — die Schoten in dem vertrockneten Garten in Alabama, die mich überhaupt erst zum Anbauen gebracht haben, waren schließlich heftig. So einfach ist es aber nicht. Eine Untersuchung an vier Capsicum-chinense-Sorten (Jeeatid et al., Food Chemistry 2018) fand ausgerechnet bei Bhut Jolokia und Orange Habanero unter Wasserstress einen geringeren Capsaicinoid-Ertrag. Moderate Trockenheit kann die Konzentration erhöhen, starker Stress senkt sie — und weniger, aber schärfere Schoten sind unterm Strich nicht automatisch mehr Schärfe. Ich gieße meine Pflanzen deshalb normal.

Scoville-Tabelle: Chilisorten

SorteScoville (SHU)Art
Pepper X2.693.000 Ø (Guinness, kein Spitzenwert veröffentlicht)chinense
Carolina Reaper1.641.183 Ø (Guinness; Einzelfrucht bis 2.200.000)chinense
Trinidad Moruga Scorpion1.207.764 Ø (NMSU; Einzelpflanzen über 2 Mio.)chinense
Naga Viper1.382.118 (eine Labormessung 2010)chinense
7 Pot Primoca. 1.470.000 (Züchterangabe, nie gemessen)chinense
Komodo Dragon1.400.000 – 2.200.000 (Händlerangabe, keine Messung)chinense
Ghost Pepper (Bhut Jolokia)1.001.304 Ø (Bosland & Baral 2007)chinense
Red Savina Habanero577.000 / 248.556 / 500.000 (drei widersprüchliche Angaben)chinense
Chocolate Habanero250.000 – 700.000 (Quellen weichen um Faktor 2,8 ab)chinense
Devil’s Tongue125.000 – 325.000 (Schätzung, nie gemessen)chinense
Scotch Bonnet100.000 – 350.000chinense
Habanero100.000 – 350.000chinense
Bird’s Eye / Thai Chili50.000 – 100.000frutescens
Chiltepin50.000 – 100.000annuum
Kanthari50.000 – 100.000frutescens
Tabasco (Schote)30.000 – 50.000frutescens
Cayenne30.000 – 50.000annuum
Ají Amarillo30.000 – 50.000baccatum
Serrano10.000 – 25.000annuum
Guajillo2.500 – 5.000annuum
Jalapeño2.500 – 8.000annuum
Chipotle (geräucherte Jalapeño)2.500 – 8.000annuum
Ancho / Poblano1.000 – 2.000annuum
Anaheim500 – 2.500annuum
Banana Pepper0 – 500annuum
Paprika (Gemüsepaprika)0annuum

Vergleichswerte: Saucen, Gewürze und andere Schärfe

ProduktScoville (SHU)
Reines Capsaicin16.000.000
Pfefferspray (Polizei)2.000.000 – 5.300.000
Sambal Oelekca. 10.000 – 15.000
Harissaca. 3.000 – 10.000
Tabasco-Sauce (rot, Original)2.500 – 5.000
Sriracha1.000 – 2.500
Schwarzer Pfefferca. 100 – 500 (Piperin, nicht Capsaicin)
Wasabi0 SHU — siehe unten
Meerrettich0 SHU
Senf0 SHU

Warum Wasabi 0 Scoville hat

Das ist die am häufigsten gestellte Frage zum Thema — und die Antwort überrascht viele: Wasabi, Meerrettich und Senf enthalten kein Capsaicin. Ihre Schärfe stammt von Senfölglykosiden (Isothiocyanaten). Die Scoville-Skala misst ausschließlich Capsaicinoide, also ergibt sie für Wasabi den Wert 0.

Das erklärt auch den Unterschied im Empfinden: Wasabi-Schärfe steigt in die Nase und verfliegt nach Sekunden. Capsaicin bindet an Rezeptoren im Mund und bleibt minutenlang. Zwei völlig verschiedene Mechanismen, die sich schlicht nicht vergleichen lassen.

Was Schärfe im Körper macht

Capsaicin bindet an den TRPV1-Rezeptor — denselben, der auf Hitze über 43 °C reagiert. Dein Körper meldet also eine Verbrennung, obwohl nichts heiß ist und kein Gewebe geschädigt wird. Mehr dazu unter Capsaicin.

Weil Capsaicin fettlöslich ist und nicht wasserlöslich, hilft Wasser nicht gegen Schärfe — es verteilt sie nur. Milch, Joghurt oder Öl wirken dagegen tatsächlich.

Ob und wie sich Schärfe auf die Gesundheit auswirkt, ordne ich unter Ist Chili gesund? ein.

Praktische Hilfe: Schärfe mildern · Schärfe von den Händen entfernen

Häufige Fragen

Welche ist die schärfste Chili der Welt?

Pepper X mit durchschnittlich 2.693.000 SHU, seit Oktober 2023 offizielle Guinness-Rekordhalterin. Davor hielt die Carolina Reaper den Titel. Beide wurden von Ed Currie gezüchtet. Details: Die schärfste Chili der Welt.

Verliert Chili beim Kochen die Schärfe?

Nein. Capsaicin ist hitzestabil bis über 200 °C. Beim Kochen verteilt es sich nur gleichmäßiger im Gericht, wodurch es milder wirkt. Der Gesamtgehalt bleibt gleich.

Sitzt die Schärfe in den Kernen?

Nein — ein hartnäckiger Irrtum. Das Capsaicin sitzt in der weißen Scheidewand (Plazenta), an der die Kerne hängen. Die Kerne selbst sind nur durch Kontakt scharf. Wer die Schärfe reduzieren will, entfernt die Scheidewand, nicht die Kerne.

Kann ich meine Chilis schärfer ziehen?

Ja, in Grenzen. Trockenstress in den letzten Wochen vor der Ernte und viel Sonne erhöhen den Capsaicin-Gehalt messbar. Die genetische Obergrenze der Sorte kannst du damit aber nicht überschreiten.

Nach oben scrollen