Wenn du Chilis anbaust, ist die Art wichtiger als die Sorte. Sie entscheidet, wie lange die Samen zum Keimen brauchen, wie viel Wärme die Pflanze verlangt und ob du in Deutschland überhaupt zur Reife kommst. Fünf Arten werden weltweit kultiviert — alle anderen der rund 30 Capsicum-Arten sind Wildformen.
Die fünf kultivierten Arten im Überblick
| Art | Schärfe (SHU) | Keimdauer | Reifezeit | Für Deutschland |
|---|---|---|---|---|
| C. annuum | 0 – 100.000 | 7–14 Tage | ca. 90 Tage | sehr gut |
| C. chinense | 100.000 – 2.700.000 | 14–35 Tage | 100–120 Tage | mit Vorkultur |
| C. frutescens | 30.000 – 100.000 | 14–25 Tage | ca. 100 Tage | gut |
| C. baccatum | 30.000 – 50.000 | 10–20 Tage | ca. 100 Tage | gut |
| C. pubescens | 30.000 – 100.000 | 20–40 Tage | bis 180 Tage | schwierig |
Capsicum annuum — die Einsteigerart
Die mit Abstand verbreitetste Art. Dazu gehören Paprika, Jalapeño, Cayenne, Serrano, Poblano und die meisten Sorten aus dem Supermarkt. Annuum heißt „einjährig“ — botanisch ist das falsch, auch diese Pflanzen sind mehrjährig.
Erkennungsmerkmale: weiße Blüten, einzeln stehend, ein Blütenstiel pro Blattachsel. Wenn du zum ersten Mal Chilis anbaust, nimm eine Sorte aus dieser Art.
Sorten: Jalapeño · Cayenne · Serrano · Poblano · Anaheim · Paprika
Capsicum chinense — die scharfen
Alle Rekordhalter gehören hierher: Carolina Reaper, Pepper X, Ghost Pepper, Habanero, Scotch Bonnet, Trinidad Scorpion. Trotz des Namens stammt die Art nicht aus China, sondern aus dem Amazonasbecken — ein Benennungsfehler aus dem 18. Jahrhundert.
Charakteristisch ist der fruchtige, fast blumige Geschmack hinter der Schärfe. Im Anbau ist diese Art die anspruchsvollste: Die Samen keimen langsam und unregelmäßig, brauchen konstant 28 °C und die Pflanzen reagieren empfindlich auf Kälte. Wer C. chinense anbauen will, muss im Januar aussäen.
Sorten: Habanero · Carolina Reaper · Ghost Pepper · Scotch Bonnet · Trinidad Moruga Scorpion · Pepper X
Capsicum frutescens — Tabasco und Verwandte
Kleine, aufrecht stehende Schoten an buschigen Pflanzen. Bekanntester Vertreter ist die Tabasco-Chili, aus der die gleichnamige Sauce hergestellt wird. Auch die südostasiatischen Bird’s Eye Chilis gehören hierher.
Die Schoten zeigen nach oben statt nach unten — ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Im Anbau unkompliziert, die Pflanzen werden aber recht groß.
Sorten: Tabasco · Bird’s Eye · Kanthari
Capsicum baccatum — die Ají-Gruppe
In Südamerika die wichtigste Art, in Europa kaum bekannt. Die Blüten haben gelbgrüne Flecken auf den weißen Blütenblättern — daran erkennst du baccatum sofort.
Geschmacklich die interessanteste Gruppe: deutlich fruchtig, oft mit Zitrus- oder Aprikosennote. Die Pflanzen werden groß und tragen sehr reichlich. Für deutsche Bedingungen gut geeignet.
Sorten: Ají Amarillo · Ají Fantasy
Capsicum pubescens — Rocoto
Die ungewöhnlichste Art. Violette Blüten, behaarte Blätter und — einzigartig — schwarze Samen. Rocotos stammen aus den Anden und vertragen als einzige Capsicum-Art Kälte gut. Frost überstehen sie trotzdem nicht.
Für deutsche Verhältnisse schwierig, weil die Reifezeit bis zu 180 Tage beträgt. Wer es versuchen will, muss im Dezember aussäen und die Pflanze überwintern — im zweiten Jahr klappt es meist. Die dickfleischigen Früchte schmecken frisch und saftig, fast wie eine scharfe Paprika.
Warum die Art beim Anbau entscheidend ist
Wenn du eine Aussaat als gescheitert abschreibst, weil nach zwei Wochen nichts gekeimt ist, hast du wahrscheinlich C. chinense gesät und mit C. annuum-Erwartungen gerechnet. Ein Habanero-Samen darf sich vier Wochen Zeit lassen. Das ist normal, kein Fehler.
Umgekehrt: Wer im April noch eine chinense aussät, wird in Deutschland keine reifen Schoten mehr ernten. Dann lieber auf eine annuum-Sorte ausweichen.
Mehr dazu: Chili anbauen — der komplette Leitfaden · Alle Sorten im Überblick · Scoville-Skala
