Capsicum-Arten: die 5 kultivierten Chili-Arten im Vergleich

Es gibt fünf kultivierte Capsicum-Arten: annuum, chinense, frutescens, baccatum und pubescens. Bestimmen lassen sie sich an der Blüte und an den Samen — nicht an der Schote. Wer die Art seiner Pflanze kennt, weiß, wie lange sie zum Keimen braucht, wann sie gesät werden muss und ob sie in einer deutschen Saison überhaupt fertig wird.

Bestimmungsschlüssel der fünf kultivierten Capsicum-Arten anhand von Blütenfarbe, Staubbeutelfarbe, Blütenzahl je Knoten und Samenfarbe
Die Blüte entscheidet, nicht die Schote. Violette Blüten und schwarze Samen sind das eindeutigste Merkmal überhaupt — dann ist es pubescens.

Die fünf Arten im Überblick

ArtTypische SortenSchärfe (SHU)KeimdauerAussaatDeutschland
C. annuumJalapeño, Cayenne, Paprika, Serrano0 – 100.0007–14 TageMitte Februarunproblematisch
C. chinenseHabanero, Ghost Pepper, Carolina Reaper100.000 – 2.700.00014–35 TageMitte Januarnur mit Vorkultur
C. frutescensTabasco, Bird’s Eye, Kanthari30.000 – 100.00010–21 TageAnfang Februarmachbar, lange Saison
C. baccatumAjí Amarillo, Lemon Drop, Bishop’s Crown15.000 – 50.00010–21 TageAnfang Februarmachbar, wird groß
C. pubescensRocoto, Manzano30.000 – 100.00014–30 TageAnfang Januarschwierig, sehr lange Saison

Wie du die Art erkennst

Die Schote hilft kaum. Es gibt in fast jeder Art lange, runde, spitze und dickfleischige Formen, und Züchtungen haben die Grenzen weiter verwischt. Zuverlässig sind vier Merkmale, alle an der Blüte oder am Samen:

Merkmalannuumchinensefrutescensbaccatumpubescens
Blütenfarbeweißgrünlich­weißgrünlich­weißweiß mit gelb­grünen Fleckenviolett
Staubbeutelblau bis violettviolettblau bis violettgelbviolett
Blüten je Knotenmeist 12–5meist 2meist 1meist 1
Samenhellbeigehellbeigehellbeigehellbeigeschwarz

Die beiden praktikabelsten Kurzwege: Gelbgrüne Flecken auf weißen Blütenblättern heißen baccatum — das hat keine andere Art. Und violette Blüte plus schwarze Samen plus behaarte Blätter heißt pubescens, da gibt es keine Verwechslung.

Schwieriger wird es zwischen chinense und frutescens. Ein brauchbares Zusatzmerkmal ist der Kelch: Bei chinense sitzt zwischen Stiel und Kelch häufig eine ringförmige Einschnürung, die wie ein kleiner Kragen aussieht. Bei frutescens fehlt sie. Botanisch stehen die beiden Arten sich ohnehin so nahe, dass die Abgrenzung selbst in der Fachliteratur diskutiert wird.

Chili-Lexikon

Sorten von A bis Z

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Mild (0 – 999 SHU)

  • Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
  • Habanada (0–100 SHU, Capsicum chinense)
  • Shishito (50–200 SHU, Capsicum annuum)
  • Fushimi (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Banana Pepper (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Friggitello (100–500 SHU, Capsicum annuum)

Pikant (1.000 – 9.999 SHU)

  • Padrón (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Anaheim (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Poblano (1.000–2.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Cascabel (1.000–3.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Piment d’Espelette (3.000–4.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Mirasol (Guajillo) (2.500–5.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Jalapeño (2.500–8.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Fresno (2.500–10.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Ají Fantasy (5.000–10.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ungarische Wachspaprika (5.000–10.000 SHU, Capsicum annuum)

Mittelscharf (10.000 – 99.999 SHU)

  • Serrano (10.000–23.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Peter Pepper (5.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bishop’s Crown (5.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Peperoncino Calabrese (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Chile de Árbol (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Lemon Drop (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ají Cristal (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Cayenne (30.000–50.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Tabasco (30.000–50.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Ají Charapita (30.000–50.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Ají Amarillo (30.000–50.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Pequin (30.000–60.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Rocoto (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Manzano (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Chiltepin (Tepin) (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bird’s Eye (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Kanthari (50.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Sugar Rush Peach (50.000–100.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Malagueta (60.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)

Sehr scharf (100.000 – 999.999 SHU)

  • Piri Piri (50.000–175.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Datil (100.000–300.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Devil’s Tongue (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Scotch Bonnet (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Orange Habanero (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Madame Jeanette (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Fatalii (125.000–400.000 SHU, Capsicum chinense)
  • White Habanero (200.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Chocolate Habanero (200.000–450.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Red Savina Habanero (248.556–577.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000–1.001.304 SHU, Capsicum chinense)

Extrem (ab 1 Mio. SHU)

  • Naga Morich (900.000–1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Dorset Naga (900.000–1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000–1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Douglah (900.000–1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764–2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Primo (1.469.000–1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Komodo Dragon (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Carolina Reaper (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)

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Capsicum annuum

Die mit Abstand größte Gruppe und die, mit der fast jeder anfängt. Dazu gehören Jalapeño, Cayenne, Serrano, Poblano, Anaheim, Chiltepin — und die gesamte Gemüsepaprika, die botanisch nichts anderes ist als eine schärfefreie annuum.

Für den Anbau bei uns ist das die dankbarste Art: Sie keimt in sieben bis vierzehn Tagen, verträgt kühlere Nächte und ist ab Ende Juli erntereif. Der Name führt allerdings in die Irre — „annuum“ heißt einjährig, botanisch sind auch diese Pflanzen mehrjährig. Sie sterben bei uns nur, weil der Winter sie umbringt.

Ursprungsgebiet ist Mexiko. Fundstücke aus Höhlen in Tehuacán belegen die Nutzung seit mehreren tausend Jahren, und annuum war die Art, die Kolumbus‘ Leute in der Karibik antrafen und nach Europa brachten.

Capsicum chinense

Die Art der superscharfen Sorten. Habanero, Scotch Bonnet, Ghost Pepper, Carolina Reaper und Pepper X gehören alle hierher. Neben der Schärfe teilen sie ein fruchtiges, blumiges Aroma, das den annuum-Sorten fehlt.

Der Artname ist ein Irrtum: Nikolaus Joseph von Jacquin beschrieb die Art 1776 und nahm an, sie stamme aus China. Tatsächlich kommt sie aus dem Amazonasbecken. Der Name blieb trotzdem, weil botanische Erstbeschreibungen Vorrang haben.

Beim Anbau ist diese Art die anspruchsvollste. Die Samen keimen langsam — zwei bis fünf Wochen sind normal, bei manchen Sorten länger — und sie wollen konstant 25 bis 28 °C. Von der Aussaat bis zur ersten reifen Schote vergehen gut sechs Monate. Deshalb säe ich chinense schon Mitte Januar und stelle sie später in den Folientunnel. Auf dem Freilandbeet werden sie in kühlen Sommern nicht fertig.

Capsicum frutescens

Kleine, meist aufrecht stehende Schoten an buschigen Pflanzen: Tabasco, Bird’s Eye, Kanthari, Piri Piri. Die Schärfe liegt spürbar über annuum, aber unter chinense, und sie kommt scharf und schnell statt langsam aufbauend.

Diese Sorten sind erstaunlich zäh. Piri Piri ist bei mir eine der zuverlässigsten Pflanzen im Topf — sie wächst breit statt hoch und trägt so viele Schoten, dass ich sie jedes Jahr wieder setze. Die Saison ist länger als bei annuum, aber kürzer als bei den chinense-Sorten.

Capsicum baccatum

Die Ají-Gruppe aus Peru und Bolivien: Ají Amarillo, Lemon Drop, Bishop’s Crown, Ají Limón. Geschmacklich die interessanteste Gruppe, weil viele Sorten deutlich fruchtig bis zitrusartig schmecken, ohne die Wucht der chinense-Schärfe.

Der Haken beim Anbau: Diese Pflanzen werden groß. Anderthalb Meter und mehr sind keine Seltenheit, sie verzweigen weit und brauchen im Topf eine Stütze. Für einen schmalen Balkon ist das die falsche Wahl; im Beet oder im Tunnel liefern sie zuverlässig.

Capsicum pubescens

Der Sonderfall. Rocoto und Manzano sind die einzigen Chilis mit schwarzen Samen, violetten Blüten und deutlich behaarten Blättern. Sie stammen aus den Andenhochlagen und vertragen als einzige Art kühle Nächte gut — bis in Höhen von 3.000 Metern werden sie kultiviert.

Für den deutschen Garten heißt das trotzdem nicht „einfach“. Die Pflanzen brauchen sehr lange bis zur ersten Frucht, oft ein volles Jahr, und blühen im ersten Jahr manchmal ohne anzusetzen. Sinnvoll wird die Art vor allem, wenn man sie überwintert — im zweiten Jahr tragen Rocotos richtig. Kreuzen lässt sich pubescens mit den anderen vier Arten praktisch nicht.

Die wilden Verwandten

Neben den fünf kultivierten Arten kennt die Gattung Capsicum rund dreißig weitere, überwiegend wilde. Für den Anbau spielen sie kaum eine Rolle, für das Verständnis der kultivierten schon.

Wilde Formen haben drei gemeinsame Merkmale: winzige Früchte, aufrechter Stand und ein Ablösen der reifen Schote bei der leisesten Berührung. Alle drei dienen der Verbreitung durch Vögel — Vögel besitzen den TRPV1-Rezeptor nicht in der Form, die auf Capsaicin reagiert, schmecken die Schärfe also nicht und fressen die Früchte samt Samen. Säugetiere, die die Samen beim Kauen zerstören würden, hält die Schärfe fern. Der Chiltepin ist die Wildform von C. annuum und zeigt alle drei Eigenschaften noch.

Was daraus für den Anbau folgt: Wildformen und wildnahe Sorten keimen unregelmäßiger und über einen längeren Zeitraum, weil ungleichmäßige Keimung in der Natur ein Vorteil ist. Wer Tepin sät und nach zwei Wochen nichts sieht, hat nichts falsch gemacht.

Was sich womit kreuzt

annuum, chinense und frutescens stehen sich so nahe, dass sie sich untereinander kreuzen — teils mit fruchtbaren Nachkommen. Genau deshalb sind Samen aus einem gemischten Beet keine sortenreine Nachzucht. Die Carolina Reaper ist selbst das Ergebnis einer solchen Kreuzung innerhalb von chinense.

baccatum kreuzt mit dieser Gruppe nur schwer und meist mit unfruchtbaren Nachkommen, pubescens praktisch gar nicht. Wer sortenrein nachziehen will, hält 30 bis 50 Meter Abstand zwischen den Sorten oder tütet einzelne Blüten vor dem Öffnen ein. Wie man daraus gezielt eine eigene Linie entwickelt, steht unter Chilis kreuzen.

Warum die Art beim Anbau entscheidet

Die drei praktischen Folgen, in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:

  • Aussaattermin. chinense und pubescens müssen im Januar in die Erde, annuum reicht Mitte Februar. Wer alles am selben Tag sät, verliert bei den langsamen Arten sechs Wochen — und damit die Ernte.
  • Keimtemperatur und Geduld. Bei annuum sind zwei Wochen ohne Keimung ein Warnsignal, bei chinense völlig normal. Ich habe früher Töpfe zu früh weggeworfen, in denen noch etwas kam.
  • Platz. baccatum und pubescens brauchen Volumen, kompakte annuum– und frutescens-Sorten kommen mit 5 bis 7 Litern aus.

Passend weiter: Sortenübersicht, Aussaat und Anzucht, Scoville-Skala und der Leitfaden Chili anbauen. Wie eine Chilipflanze aufgebaut ist und wie sie wächst, steht unter Die Chilipflanze.

Häufige Fragen

Wie viele Capsicum-Arten gibt es?

Kultiviert werden fünf: annuum, chinense, frutescens, baccatum und pubescens. Die Gattung Capsicum umfasst daneben rund dreißig weitere, überwiegend wilde Arten, die im Anbau keine Rolle spielen.

Woran erkenne ich, welche Art meine Chilipflanze ist?

An der Blüte und den Samen, nicht an der Schote. Violette Blüten mit schwarzen Samen sind pubescens, weiße Blüten mit gelbgrünen Flecken sind baccatum, mehrere grünlichweiße Blüten je Knoten deuten auf chinense.

Ist Capsicum annuum wirklich einjährig?

Nein. Der Name täuscht. Alle Capsicum-Arten sind mehrjährige Pflanzen; bei uns überleben sie den Winter im Freien nur nicht. Im Winterquartier tragen sie im zweiten Jahr weiter.

Warum heißt Capsicum chinense so, wenn die Art aus Südamerika kommt?

Weil der Erstbeschreiber Nikolaus Joseph von Jacquin 1776 annahm, sie stamme aus China. Der Ursprung liegt im Amazonasbecken. Nach den Regeln der botanischen Nomenklatur bleibt der zuerst vergebene Name gültig.

Welche Capsicum-Art ist die schärfste?

Capsicum chinense. Alle Rekordhalter der letzten Jahrzehnte, von Red Savina über Bhut Jolokia und Carolina Reaper bis Pepper X, gehören zu dieser Art.

Kreuzen sich Chilis unterschiedlicher Arten?

annuum, chinense und frutescens kreuzen sich untereinander leicht. baccatum nur schwer und meist mit unfruchtbaren Nachkommen, pubescens praktisch gar nicht.

Welche Art eignet sich für Anfänger?

Capsicum annuum. Sie keimt schnell, verträgt kühlere Nächte und ist in einer normalen deutschen Saison sicher fertig. Jalapeño und Cayenne sind die naheliegendsten Einstiegssorten.

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