Chilis wachsen recht schnell, wenn es tagsüber 20 bis 30 °C warm ist und die Nächte über 15 °C bleiben. Unter etwa 12 °C stellen sie das Wachstum ein. Frost tötet sie. In Deutschland fehlt diese Wärme vor allem am Anfang und Ende der Saison: Das sind die Zeitpunkte im Mai, wenn die Pflanzen ins Freie kommen, und ab September, wenn die Schoten ausreifen sollen. Im Hochsommer droht eher auch Mal zu viel Hitze.
Wie viel Wärme deine Chili abbekommt, entscheidet der Standort. Den größten Unterschied machen drei Dinge: volle Sonne, Schutz vor Wind und eine Wärmequelle für die Nacht. Eine massive Südwand liefert alle drei. Sie wirft tagsüber Licht auf die Pflanze zurück, speichert Wärme und gibt sie nachts über Stunden wieder ab. Was darüber hinaus hilft, hängt von der Jahreszeit ab: Vlies und Wasserspeicher in kalten Nächten, warmer Boden im Frühjahr, Schatten und Luft im Juli.

Wie viel Wärme Chilis brauchen
Chilis stammen aus den warmen Regionen Mittel- und Südamerikas. Ihre Wildformen wachsen dort, wo es keinen Winter im deutschen Sinn gibt. Das prägt die Ansprüche bis heute, auch bei Sorten, die seit Jahrhunderten in Europa angebaut werden. Welche Arten wie viel Wärme vertragen, steht unter Capsicum-Arten.
Meine ersten Samen stammen aus einem vertrockneten Garten in Alabama. Zwischen dem ganzen Braun leuchteten dort rote Schoten. Mit Trockenheit kommen Chilis zurecht. Was ihnen in Deutschland fehlt, ist Wärme.

Die Grenzen verschieben sich mit der Phase. Die Universität Wisconsin nennt für Paprika und Chili 21 bis 27 °C am Tag und 18 bis 21 °C in der Nacht als beste Wachstumstemperatur. Unter 13 °C und über 32 °C werfen die Pflanzen ihre Blüten in großer Zahl ab (University of Wisconsin). Für die Keimung gilt eine eigene Rechnung: Bei 25 bis 30 °C Bodentemperatur erscheinen die Keimlinge nach etwa acht Tagen, bei 15 °C erst nach 25 Tagen (Harrington, Oregon State University).
| Phase | gut | zu kalt | zu heiß |
|---|---|---|---|
| Keimung | 25 bis 28 °C | bei 15 °C dauert es 25 Tage | über 35 °C |
| Wachstum | 21 bis 27 °C am Tag, 18 bis 21 °C nachts | unter etwa 12 °C Stillstand | ab 32 °C Hitzestress |
| Blüte und Fruchtansatz | 18 bis 30 °C | Nächte unter 15 °C | ab 32 °C leidet der Pollen |
| Ausfärben der Schoten | 18 bis 24 °C | unter etwa 13 °C Stillstand | Sonnenbrand auf freien Schoten |
Für die Keimung reicht eine warme Stelle in der Wohnung, die Anleitung steht unter Chilisamen keimen lassen. Dieser Artikel dreht sich um die Zeit danach, um den Platz, an dem die Pflanze von Mai bis Oktober steht.
Die Nächte entscheiden
Tagsüber erreichen auch deutsche Sommer die 25 °C, die Chilis mögen. Knapp wird es nachts. Die Messwerte des Deutschen Wetterdienstes für neun Großstädte von Hamburg bis München zeigen das deutlich. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 liegt das nächtliche Minimum dort selbst im Juli nur bei 13 bis 15 °C, im September bei 9 bis 11 °C und im Mai bei 8 bis 9 °C (DWD, Monatswerte der Stationen). Gemessen wird in zwei Metern Höhe. Auf Höhe der Pflanzen ist es in klaren Nächten kälter.
Die Nachttemperatur bestimmt, ob Blüten ansetzen und wie schnell Schoten umfärben. In einem Versuch mit 39 Chili- und Paprikasorten senkten Nächte mit 10 statt 15 °C die Zahl der Blüten, die Zahl der Früchte und den Ertrag (Rajametov und Kollegen 2021). Der Pollen keimt bei Kälte kaum noch. Im Labor waren es bei 15 °C 6,5 Prozent der Pollenkörner, bei 25 °C 36 Prozent (Ishikawa und Kollegen 2001).
Jedes Grad, das eine Pflanze nachts mehr hat, bringt sie deshalb voran, im Mai beim Anwachsen und im September beim Ausreifen. Genau dort setzen die Maßnahmen in diesem Artikel an.
Licht ist die erste Wärmequelle
Jede Stunde direkte Sonne wärmt Blätter, Erde und Topf. Deshalb hängen Licht und Wärme am Standort zusammen. Sechs Stunden direkte Sonne sind die Untergrenze für eine Ernte, die den Aufwand lohnt. Unter vier Stunden reifen kaum Schoten aus. Wie viel Licht Chilis in welcher Phase brauchen, auch drinnen unter der Lampe, steht unter Licht für Chilipflanzen.
Zwei Plätze mit gleich vielen Sonnenstunden können unterschiedlich warm sein. Eine Westseite bekommt die Sonne am Nachmittag, wenn Luft und Mauern bereits warm sind. Dort wird es wärmer als an einer Ostseite mit gleich vielen Sonnenstunden, die ihre Sonne morgens nach der kühlen Nacht abbekommt. Für Chilis ist West deshalb die zweitbeste Lage nach Süd. Für den Balkon habe ich die Lagen unter Chilis auf dem Balkon einzeln verglichen.
Im September werden die Schatten länger
Ein Platz, der im Juni den ganzen Tag Sonne hat, kann im September mittags im Schatten liegen. Der Grund ist der Sonnenstand. In der Mitte Deutschlands, um den 50. Breitengrad, steht die Sonne Ende Juni mittags gut 63 Grad hoch. Zur Tagundnachtgleiche um den 23. September sind es noch 40 Grad. Ein zwei Meter hoher Zaun oder eine Hecke wirft mittags im Juni einen Schatten von etwa einem Meter. Im September ist derselbe Schatten rund 2,4 Meter lang, morgens und abends noch viel länger. Das trifft die Pflanzen genau dann, wenn die Schoten ausreifen sollen.
So prüfst du einen Platz, bevor die Töpfe dort hinkommen:
- Such dir einen sonnigen Tag aus und sieh um 9, 12, 15 und 18 Uhr nach, ob der Platz in der Sonne liegt. Ein Handyfoto zu jeder Uhrzeit reicht.
- Zähl die Stunden mit direkter Sonne. Unter sechs Stunden ist der Platz für Chilis zu dunkel.
- Schau, was südlich des Platzes steht: Haus, Hecke, Baum. Rechne für September mit Schatten, die mittags etwa zweieinhalbmal so lang sind wie im Juni.
- Prüf, ob eine Wand oder Mauer in der Nähe ist, die Sonne abbekommt. Der Platz davor ist der wärmste im Garten.
Die Hauswand als Wärmespeicher
Eine sonnige Wand ist der einfachste Weg zu mehr Wärme, weil sie ohne Technik und ohne Strom auskommt. Das Prinzip ist alt. Im 17. und 18. Jahrhundert zogen Gärtner in Frankreich, England und den Niederlanden Pfirsiche, Aprikosen und Wein an eigens gebauten Obstmauern. Der Gärtner Johann Hermann Knoop begründete das 1753 mit gespeicherter Wärme und Windschutz (Bakx und Lenzholzer 2022). Die oft zitierten acht bis zwölf Grad Unterschied an solchen Mauern stammen aus populären Quellen ohne eigene Messung. Belastbare Zahlen liefern erst moderne Messungen an Fassaden.
Tagsüber: Reflexion und Speicher
Wenn die Sonne auf eine Wand trifft, passieren zwei Dinge. Einen Teil des Lichts wirft die Wand zurück. Die Pflanze davor bekommt dadurch Sonne von vorn und zusätzlich von der Wand, und ihre Blätter werden wärmer. Den Rest nimmt die Wand als Wärme auf. Ihre Oberfläche wird dabei viel heißer als die Luft. Eine unbegrünte Fassade in Süd-Südwest-Lage in Berlin erreichte an einem heißen Augusttag 51,5 °C (Hölscher, TU Berlin). Von der Oberfläche wandert die Wärme langsam ins Mauerwerk.
Dazu kommt der Windschutz. Wind weht die warme Luftschicht über Blättern und Erde ständig weg. Vor einer Wand ist es auf einer Seite windstill, und die warme Luft bleibt länger an der Pflanze.
Nachts: Wärmeabgabe über Stunden
Nach Sonnenuntergang dreht sich der Wärmestrom um. Die Wand gibt die gespeicherte Wärme wieder ab. Bei massivem Mauerwerk dauert das Stunden. Dieselbe Berliner Wand gab in der Nacht danach zwischen 21:40 und 4:50 Uhr im Mittel 64,5 Watt je Quadratmeter ab. Das ist auf jedem Quadratmeter Wand so viel Wärme wie von einer alten 60-Watt-Glühbirne, die die ganze Nacht brennt.
Ein zweiter Effekt ist weniger bekannt und mindestens so wichtig. Jede Pflanze strahlt nachts Wärme in den Himmel ab. In klaren Nächten kühlen Blätter dadurch unter die Lufttemperatur ab. In wolkenarmen Nächten im April und Mai ist es in 70 Zentimetern Höhe, also auf Höhe einer Chilipflanze, meist ein bis zwei Grad kälter als in zwei Metern, wo der Wetterdienst misst (DWD 2023). Eine Wand verdeckt für die Pflanze davor die Hälfte des kalten Himmels und strahlt selbst warm zurück. Ein Dachüberstand oder ein Balkon darüber verdeckt noch mehr. Deshalb trifft Frost in klaren Nächten zuerst die Pflanzen mitten im Beet und zuletzt die an der Hauswand.
Wie viel das in Grad ausmacht, ist schwer zu messen, und die Ergebnisse widersprechen sich. In der Berliner Studie war die Luft vor der heißen nackten Wand kaum wärmer als vor einer begrünten, viel kühleren Wand. Der Unterschied lag bei höchstens 0,2 Grad. Die Forscher erklären das mit der ständigen Durchmischung der Luft. Forscher der Universität Aalborg maßen dagegen vor einer Südfassade an sonnigen Sommertagen bis zu 3,4 Grad Unterschied innerhalb der zwei Meter breiten Luftschicht davor (Johra und Kollegen 2023, Vorabveröffentlichung). Sicher ist: Die Wand wirkt vor allem über Strahlung. Ihre Wärme trifft Blätter, Topf und Erde direkt, und ein Thermometer in der Luft zeigt davon nur einen Teil. Für den Unterschied an der Pflanze selbst fehlt eine Messung in Grad.
Welche Wand sich eignet
Speichern kann eine Wand nur, wenn sie Masse hat. Gut eignen sich Ziegel, Klinker, Beton und Naturstein, also ältere Hauswände, Garagen und Gartenmauern. Holz und Blech werden in der Sonne heiß und geben die Wärme nach Sonnenuntergang schnell wieder ab.
Vorsicht bei gedämmten Fassaden. Bei einem Wärmedämmverbundsystem sitzt nur eine dünne Putzschicht auf dem Dämmstoff. Sie wird in der Sonne schnell warm, hat aber kaum Masse, die Wärme speichern könnte. Nachts kühlt sie so stark aus, dass sich Tau auf ihr bildet. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik sieht darin die Ursache für den Algenbewuchs auf gedämmten Fassaden (Krus, Fraunhofer IBP). Für Chilis bleibt eine solche Wand ein guter Windschutz und Lichtspiegel. Als Wärmespeicher für die Nacht taugt sie wenig.
Bei der Farbe gibt es einen Zielkonflikt. Eine helle Wand wirft mehr Licht zurück und bleibt selbst kühler. Wie groß der Unterschied ist, zeigen Messungen an Dächern: Eine weiße Fläche, die 80 Prozent des Sonnenlichts zurückwirft, bleibt am Sommernachmittag etwa 31 Grad kühler als eine graue mit 20 Prozent (Lawrence Berkeley National Laboratory). Eine dunkle Wand speichert entsprechend mehr Wärme für die Nacht. Für Chilis funktionieren beide. Eine helle Wand bringt tagsüber mehr Licht, eine dunkle Wand nachts mehr Wärme. Unverputzter roter Ziegel liegt dazwischen.
Mein alter Südbalkon lag vor einer Glasfront. Glas speichert selbst wenig Wärme. Bei flach einfallender Sonne wirft es aber viel Licht zurück. Der Platz war wärmer als jeder Garten, und die Pflanzen sind dort schnell gewachsen. Die Töpfe standen dicht vor der Scheibe.

Abstand und Grenzen
Etwa 20 Zentimeter Abstand zwischen Topf und Wand haben sich bewährt. Die Pflanze bekommt dann die Wärme der Wand, und dahinter kann die Luft zirkulieren. Direkt an der Mauer drücken sich Blätter an die heiße Fläche, und in der Ecke staut sich die Hitze.
Im Hochsommer wird aus dem Vorteil ein Problem. Zwischen einer aufgeheizten Hauswand und einem geschlossenen Sichtschutz stehen an heißen Tagen leicht über 35 °C. Ab etwa 32 °C wird der Pollen unfruchtbar, und die Pflanze wirft ihre Blüten ab, obwohl sie gesund aussieht. Mehr dazu unter Chili-Blüten fallen ab. An einer Südwand ist deshalb im Juli und August Schatten zwischen 12 und 16 Uhr sinnvoll.
Zwei weitere Punkte gehören dazu. Das zurückgeworfene Licht verstärkt die Sonne auf den Blättern. Jungpflanzen, die frisch aus dem Haus kommen, verbrennen vor einer hellen Wand besonders schnell. Das Abhärten ist dort deshalb wichtiger als im Beet. Und vor der Wand kommt wenig Regen an. Am Fuß einer Mauer bleibt ein Streifen von bis zu einem Meter Breite trocken (Royal Horticultural Society). Ein Topf in dieser Lage braucht im Hochsommer täglich Wasser. In der trockenen, warmen Luft vor Südwänden vermehren sich außerdem Spinnmilben schneller.
Weitere Möglichkeiten für mehr Wärme
Nicht jeder Garten hat eine freie Südwand. Diese Maßnahmen funktionieren auch im offenen Beet, und viele lassen sich mit der Wand kombinieren.
Windschutz
Wind kühlt auf zwei Wegen. Er nimmt die warme Luft von Blättern und Boden mit, und er trocknet Topf und Erde aus. Eine Hecke, ein Zaun oder ein Sichtschutz an der Wetterseite hilft. Am besten wirkt ein Windschutz, der Luft zum Teil durchlässt. Für den Schutz von Kulturen empfiehlt die Universität Florida 40 bis 60 Prozent offene Fläche. Eine dichte Barriere erzeugt Wirbel, und als Faustregel bremst ein Windschutz den Wind bis zum Zehnfachen seiner Höhe (Andreu und Kollegen, University of Florida). Ein Flechtzaun von einem Meter Höhe schützt also ein Beet von mehreren Metern Tiefe. Eine geschlossene Wand auf allen Seiten staut im Sommer die Hitze.
Steine und Wasser als Wärmespeicher
Was eine Hauswand im Großen macht, schaffen Steine und Wasser im Kleinen. Dunkle Steinplatten oder große Steine neben der Pflanze heizen sich tagsüber auf und geben nachts Wärme ab. Wasser speichert noch mehr: je Liter etwa doppelt so viel Wärme wie Beton und dreimal so viel wie Ziegel.
Die Rechnung zeigt aber auch die Grenze. Zehn Liter Wasser, die sich nachts um zehn Grad abkühlen, geben rund 0,12 Kilowattstunden Wärme ab. Das entspricht einem Heizgerät mit 100 Watt, das gut eine Stunde läuft. Unter freiem Himmel verteilt sich diese Wärme sofort. Wasserbehälter lohnen sich deshalb in geschlossenen Räumen: im Frühbeet, im Folientunnel oder als Wassermantel direkt um eine junge Pflanze. Solche Wassermäntel aus mit Wasser gefüllten Folienschläuchen gibt es fertig zu kaufen. In einem Versuch in Virginia lag das nächtliche Minimum darin 1,9 Grad über dem bei ungeschützten Pflanzen, und die ersten reifen Früchte kamen knapp elf Tage früher. Innen kamen allerdings nur 29 Prozent des Sonnenlichts an, und die Pflanzen blieben leichter (Welbaum 1993). Der Versuch lief mit Tomaten. Für Chilis fehlt eine vergleichbare Messung.
Warmer Boden
Chilis wachsen langsam, solange die Wurzeln kalt stehen, auch wenn die Luft bereits warm ist. Im Mai hinkt der Boden der Luft hinterher. Die Universität Maryland rät, Paprika und Chili erst ab 18 °C Bodentemperatur auszupflanzen, weil sie darunter nur herumstehen (University of Maryland). Am besten wachsen die Wurzeln bei 24 bis 30 °C (Gosselin und Trudel 1986).
Schwarze Mulchfolie erwärmt den Boden darunter spürbar. In Versuchen der Penn State University war er in fünf Zentimetern Tiefe bis zu 2,8 Grad wärmer, in zehn Zentimetern bis zu 1,7 Grad (University of Massachusetts). Bei Paprika brachte silberne Folie in Versuchen sogar 20 Prozent mehr Ertrag als schwarze. Ein Hochbeet erwärmt sich im Frühjahr schneller als ebener Gartenboden, weil es von den Seiten Sonne bekommt und das Substrat locker ist. Nachts kühlt es aus demselben Grund schneller aus.
Organischer Mulch aus Stroh oder Rasenschnitt wirkt umgekehrt. Er hält den Boden kühl und feucht. Im Mai bremst er deshalb die Erwärmung. Im Hochsommer, wenn der Boden warm ist und die Sonne brennt, schützt er die Wurzeln. Organischer Mulch gehört deshalb erst ab Juni oder Juli auf das Beet.
Der Topf
Ein Topf erwärmt sich im Frühjahr schneller als Gartenboden, weil die Sonne seine Wand trifft. Das ist ein Vorteil im Mai und ein Risiko im Juli. Schwarze Plastiktöpfe heizen sich in der Sonne am stärksten auf. In einem Versuch lag die höchste Temperatur im Wurzelraum weißer Töpfe bis zu 7 Grad unter der in schwarzen (Witcher und Kollegen 2020). Tontöpfe bleiben durch die Verdunstung über ihre Wand 1 bis 4 Grad kühler als Plastiktöpfe (Bunt und Kulwiec 1970). Dabei verlieren sie Wasser. Steht der Topf auf heißen Fliesen, hält ein Holzbrett die Hitze aus dem Wurzelraum.
Der größte Vorteil des Topfs ist, dass er beweglich ist. In kalten Nächten im Mai und im September rücken die Töpfe dicht an die Hauswand oder kommen ins Haus. Gegossen wird mit Wasser, das in der Kanne Umgebungstemperatur angenommen hat. Wasser mit 10 °C aus der Leitung ist an einem warmen Tag ein Kälteschock für die Wurzeln. Welcher Topf zu welcher Sorte passt, steht unter Topfgröße.
Vlies und Folie für kalte Nächte
Für einzelne kalte Nächte reicht Gartenvlies. Es hält einen Teil der Wärme zurück, die Boden und Pflanze nachts abstrahlen. Je nach Stärke bringt das 1 bis 5 Grad (FAO, Frostschutz). Es kommt abends locker über die Pflanzen und am nächsten Vormittag wieder herunter.
Folie hält mehr Wärme, wird in der Sonne aber zur Falle. Eine geschlossene Folienhaube heizt sich an einem sonnigen Maitag weit über 32 °C auf. Wer Folie nutzt, öffnet sie morgens.
Folientunnel, Frühbeet und Gewächshaus
Den größten Schritt bringt ein Folientunnel. An sonnigen Tagen liegt die Temperatur darin 5 bis 15 °C über der Außentemperatur. Die Saison beginnt zwei bis vier Wochen früher und endet ebenso viel später. Nachts bringt ein Tunnel nach Messungen weniger als gedacht. In einer Messreihe der Universität Nevada lag das Nachtminimum im Tunnel in Pflanzenhöhe meist weniger als ein Grad über dem draußen, gelegentlich sogar darunter. Auch die Folie strahlt Wärme in den Himmel ab (Heckler und Kollegen 2020). Der Vorteil entsteht vor allem am Tag. Bei mir stehen dort die chinense-Sorten, weil sie die längste Saison brauchen. Ab Juli bleibt der Eingang offen, sonst wird es zu heiß. Was ein Gewächshaus bringt und wie du die Hitze darin im Griff behältst, steht unter Chilis im Gewächshaus und Folientunnel.
| Maßnahme | wirkt vor allem | sinnvoll | Haken |
|---|---|---|---|
| massive Südwand | Licht am Tag, Wärme nachts | Mai bis Oktober | Hitzestau im Hochsommer |
| Windschutz | Tag und Nacht | ganze Saison | geschlossen staut er Hitze |
| Steine, Wasserbehälter | nachts | Mai und September | nur in geschlossenen Räumen stark |
| schwarze Mulchfolie | Bodenwärme | ab dem Auspflanzen | Plastik im Beet, Gießen schwieriger |
| Topf an die Wand stellen | nachts | Mai und September | trocknet schneller aus |
| Vlies | einzelne kalte Nächte | Mai und September | tagsüber abnehmen |
| Folientunnel | vor allem am Tag | ganze Saison | ab Juli lüften |
Wärme über die Saison
Mai: raus, wenn die Nächte mitspielen
Ausgepflanzt wird bei mir Mitte Mai, nach den Eisheiligen. Entscheidend ist dabei weniger das Datum als die Nachttemperatur. Die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai sind nur eine Faustregel. Der Deutsche Wetterdienst findet um diese Tage keine statistische Häufung von Frost. Die Gefahr nimmt im Lauf des Mai stetig ab (DWD). Frost ist ab Mitte Mai im Flachland selten. Warm sind die Nächte deshalb noch lange nicht: Ihr Mittel liegt im Mai bei 8 bis 9 °C und im Juni bei 11 bis 13 °C. Vor dem Auspflanzen werden die Pflanzen zehn bis vierzehn Tage abgehärtet, damit die Sonne die Blätter nicht verbrennt. Die Termine stehen unter Wann Chilis anpflanzen.
Im Mai gehören die Töpfe an den wärmsten Platz, den du hast, also an die Südwand. Kalte Nächte überbrückst du mit Vlies oder holst die Töpfe noch einmal rein.
Juli und August: Hitze statt Kälte
Im Hochsommer kehrt sich die Aufgabe um. Jetzt geht es darum, dass es nicht zu heiß wird. Über 32 °C werfen Chilis Blüten ab, und auch dauerhaft warme Nächte über 24 °C senken den Fruchtansatz. An der Südwand hilft Mittagsschatten, im Tunnel ein offener Eingang. Töpfe gehören aus Hitzeecken heraus.
September und Oktober: jedes Grad für die Reife
Ab September zählt wieder jede Wärmequelle. Die Pflanzen haben dann meist viele grüne Schoten, die noch umfärben sollen. Bei 15 °C dauerte der Schritt vom reifen Grün zum vollen Rot in einem Versuch 16,5 Tage, bei 25 °C nur 7,6 Tage (Oh und Koh 2019). Unter etwa 13 °C kommt die Ausfärbung weitgehend zum Stillstand (University of Wisconsin).
Jetzt kommen die Töpfe wieder an die Hauswand, und in kalten Nächten kommt das Vlies darüber. Neue Blüten kommen ab September weg, weil aus ihnen keine reife Schote mehr wird. Wenn der erste Frost droht, werden die grünen Schoten geerntet, oder sie reifen mit der Pflanze drinnen nach. Wie das geht, steht unter Chilis werden nicht rot.
Welche Sorte an welchen Platz
Nicht alle Chilis brauchen gleich viel Wärme. Die Capsicum-annuum-Sorten wie Jalapeño, Cayenne und Serrano werden in einem normalen Sommer im Beet oder auf einem Süd- oder Westbalkon reif. Die chinense-Sorten wie Habanero, Scotch Bonnet und Carolina Reaper brauchen die längste Saison und den wärmsten Platz.
Bei den chinense-Sorten vergehen von der Aussaat bis zur ersten reifen Schote gut sechs Monate. Wer Mitte Januar sät, erntet frühestens Ende August. Ein kühler September entscheidet dann über den Rest der Ernte. Deshalb bekommen diese Sorten den wärmsten Platz, den Garten oder Balkon hergeben.
| Sortengruppe | Beispiele | passender Platz |
|---|---|---|
| annuum, früh | Jalapeño, Cayenne, Serrano | Beet, Balkon in Süd- oder Westlage |
| annuum, kleinfruchtig | Tepin, Pequin, Piri Piri | Topf auf dem Balkon |
| annuum, großfruchtig | Anaheim, Poblano | Beet vor einer Mauer oder Balkon in Südlage |
| chinense | Habanero, Scotch Bonnet, Ghost Pepper, Carolina Reaper | Folientunnel oder direkt an der Südwand |
Eine Ausnahme ist die Rocoto (Capsicum pubescens). Sie stammt aus den Hochlagen der Anden und verträgt als einzige Art kühle Nächte gut. Dafür braucht sie bis zur ersten Frucht oft ein volles Jahr. Einen Überblick über alle Sorten mit Schärfe und Anbau gibt die Seite Chilisorten.
Was gegen mehr Wärme spricht
Wärme ist bei Chilis der Engpass. Mehr Wärme hilft trotzdem nur bis zu einer Grenze. Über 32 °C kippt der Effekt, und an einer Südwand im Juli ist diese Grenze schnell erreicht. Ein Standort, der im Mai und September ideal ist, braucht im Hochsommer Schatten. Wer nur einen Platz hat, wählt ihn nach den kalten Monaten und schützt die Pflanzen im Sommer vor Hitze.
Die Zahlen aus der Literatur sind Richtwerte, und sie unterscheiden sich. Die Untergrenze für das Wachstum liegt je nach Quelle zwischen 10 und 12 °C. Die Oregon State University rechnet für Paprika mit 11,1 °C, abgeleitet aus Feldversuchen (Stoven und Kollegen 2017). Auch die Obergrenze ist eine Zone mit unscharfen Rändern. Bei 33 °C bildeten Paprikapflanzen in einem Versuch genauso viele Blüten wie bei kühleren Temperaturen, setzten aber weniger Früchte an (Erickson und Markhart 2001). Auf dieser Seite rechne ich mit 12 °C als Grenze, unter der Chilis praktisch stillstehen.
Auch die Wirkung einer Wand wird leicht überschätzt. Ihre Wärme kommt als Strahlung an der Pflanze an, die Luft davor wird kaum wärmer. Ein Folientunnel bringt am Tag deutlich mehr. Was der eigene Platz bringt, zeigt am zuverlässigsten eine eigene Messung. Ein Minimum-Maximum-Thermometer auf Höhe der Pflanzen verrät nach ein paar klaren Nächten, ob die Wand oder das Vlies den Unterschied macht.
Der ganze Ablauf vom Gießen bis zum Düngen steht im Überblick unter Chilipflanzen pflegen. Die Saison von der Aussaat bis zur Ernte findest du unter Chili anbauen.
Häufige Fragen
Wie warm muss es für Chilis sein?
Gut wachsen Chilis bei 20 bis 30 °C am Tag und Nächten über 15 °C. Unter etwa 12 °C stellen sie das Wachstum ein. Frost tötet sie. Für den Fruchtansatz liegt das Fenster bei 18 bis 30 °C.
Ab welcher Nachttemperatur können Chilis raus?
Wenn kein Frost mehr droht. In den meisten Regionen Deutschlands ist das ab Mitte Mai der Fall, nach den Eisheiligen. Warm sind die Nächte dann noch nicht. Ihr Mittel liegt im Mai bei 8 bis 9 °C. Deshalb gehören die Pflanzen im Mai an den wärmsten Platz, und in kalten Nächten kommt Vlies darüber. Vor dem Auspflanzen härte ich die Pflanzen zehn bis vierzehn Tage ab.
Warum ist es an einer Hauswand wärmer?
Eine massive Wand nimmt tagsüber Sonnenwärme auf und gibt sie nachts über Stunden ab. Außerdem wirft sie Licht auf die Pflanze zurück, hält Wind ab und verdeckt nachts einen Teil des kalten Himmels, in den die Pflanze sonst Wärme abstrahlt.
Wie lange gibt eine Hauswand Wärme ab?
Bei massivem Mauerwerk aus Ziegel, Beton oder Naturstein die ganze Nacht über. Eine Fassade in Berlin gab zwischen 21:40 und 4:50 Uhr im Mittel rund 64 Watt je Quadratmeter ab. Gedämmte Fassaden speichern kaum Wärme und kühlen nachts schnell ab.
Ist eine Südwand im Sommer zu heiß für Chilis?
An heißen Tagen kann es zwischen Wand und Sichtschutz über 35 °C werden. Ab etwa 32 °C werfen Chilis ihre Blüten ab. Im Juli und August helfen etwa 20 Zentimeter Abstand zur Wand und Schatten zwischen 12 und 16 Uhr.
Welche Wandfarbe ist für Chilis besser?
Eine helle Wand wirft mehr Licht zurück, eine dunkle speichert mehr Wärme für die Nacht. Beide funktionieren. Wichtiger als die Farbe ist, dass die Wand massiv ist und mehrere Stunden Sonne bekommt.
Hilft Vlies gegen kalte Nächte?
Ja, für einzelne kalte Nächte im Mai und September. Vlies hält einen Teil der Wärme zurück, die Boden und Pflanze abstrahlen. Gegen stärkeren Frost reicht es nicht. Tagsüber kommt es wieder herunter.
Wachsen Chilis an einer Ost- oder Westwand?
An einer Westwand gut, weil sie die Sonne am warmen Nachmittag bekommt. An einer Ostwand reifen schnelle annuum-Sorten, für chinense-Sorten wird es dort meist zu knapp.
