Chilis im Gewächshaus und Folientunnel

Ein Gewächshaus oder Folientunnel bringt Chilis zwei bis vier Wochen Vorsprung im Frühjahr und ebenso viel am Ende der Saison. Dafür muss ab Juli durchgehend gelüftet werden, sonst fallen bei über 32 °C die Blüten ab. Außerdem finden Spinnmilben und Grauschimmel im geschlossenen Raum deutlich bessere Bedingungen.

Was es bringt

VorteilWirkung
Früher auspflanzenab Ende April statt Mitte Mai
Höhere Tagestemperaturbei Sonne 5 bis 15 °C über der Außentemperatur
Kein Regen auf den Blätternweniger Pilzbefall und kontrollierte Bewässerung
WindschutzTriebe bleiben heil und die Verdunstung sinkt
Längere Saison im HerbstErnte bis in den Oktober statt bis September

Bei mir stehen im Folientunnel vor allem Sorten der Art Capsicum chinense, also Habanero, Scotch Bonnet und Chocolate Habanero. Der Grund ist die Saisonlänge. Von der Aussaat bis zur ersten reifen Schote vergehen bei ihnen gut sechs Monate, und die zusätzlichen Wochen am Anfang und Ende entscheiden über die Ernte. Annuum-Sorten wie Jalapeño und Cayenne werden im Beet ohnehin fertig. Den Platz im Tunnel bekommen deshalb die langsamen Sorten.

Das Hitzeproblem

Der größte Fehler ist die Annahme, im Gewächshaus könne es gar nicht warm genug werden. An einem sonnigen Julitag klettert ein geschlossenes Folienhaus mühelos über 40 °C.

Ab etwa 32 °C wird der Pollen unfruchtbar. Die Pflanze blüht weiter, setzt aber keine Früchte an. Die Blüten fallen nach ein paar Tagen ab. Wer im August ein volles Gewächshaus mit Pflanzen voller Blüten und ohne Früchte hat, findet die Ursache fast immer hier. Mehr dazu steht unter Blütenabwurf.

Bei mir bleibt ab Anfang Juli der Eingang durchgehend offen, auch nachts. Bei Gewächshäusern mit Dachluken lohnt sich ein automatischer Fensteröffner mit Wachszylinder. Er arbeitet ohne Strom und öffnet zuverlässig, auch wenn niemand da ist. Schattiernetze über der Südseite senken die Temperatur um mehrere Grad.

Luftfeuchte und Bestäubung

Im geschlossenen Raum fehlt der Wind. Damit fehlt auch die Bewegung, die die Selbstbestäubung auslöst. Chilis kommen ohne Insekten aus. Für die Bestäubung brauchen sie Erschütterung. Es reicht, alle zwei bis drei Tage kurz an jeder Pflanze zu rütteln. Ein kleiner Ventilator auf niedriger Stufe erledigt das nebenbei und verbessert zugleich die Luftzirkulation.

Die Luftfeuchte ist ein zweischneidiges Thema. Zu trockene Luft begünstigt Spinnmilben. Zu feuchte Luft begünstigt Grauschimmel. Gegossen wird deshalb direkt auf die Erde. Der beste Zeitpunkt dafür ist der Morgen, damit das Laub bis zur Nacht abgetrocknet ist.

Abstand und Aufbau

Im Gewächshaus stehen Pflanzen fast immer zu eng. Der Grund ist verständlich, denn der Platz ist knapp. Die Folgen sind trotzdem teuer. Bestände, die nach dem Gießen langsam abtrocknen, bekommen Grauschimmel, und Spinnmilben wandern von Pflanze zu Pflanze.

Ich rechne mit 50 bis 60 Zentimetern zwischen zwei chinense-Pflanzen, also mehr als im Beet. Wenn der Platz dafür nicht reicht, sind weniger Pflanzen die bessere Wahl als engere Reihen. Töpfe statt Bodenbeete haben dabei einen Vorteil. Sie lassen sich verschieben, wenn eine Pflanze größer wird als geplant, und das Substrat lässt sich frei wählen. Hinweise dazu stehen unter Chili-Erde mischen.

Folientunnel oder Gewächshaus

FolientunnelGewächshaus
Anschaffunggünstigdeutlich teurer
LebensdauerFolie 3 bis 5 JahreJahrzehnte
Wärmespeicherung nachtsgeringetwas besser
Lüftungmeist nur über die EndenDachluken oft mit Automatik
Sturmfestigkeitgering und nur mit guter Verankerunghoch
Aufwand im Sommerhoch durch tägliches Lüftengeringer mit Automatik

Für Chilis reicht ein Folientunnel. Er kostet einen Bruchteil, lässt sich im Winter abbauen und bringt in der Saison praktisch dasselbe. Der Nachteil ist die Lüftung. Ohne Dachöffnung entweicht die Wärme nur über die Enden, und bei Windstille ist das wenig.

Der Jahresablauf

ZeitraumWas ansteht
MärzTunnel aufbauen oder Gewächshaus reinigen und Boden vorbereiten
Ende Aprilabgehärtete Pflanzen einräumen und nachts noch schließen
Maitagsüber lüften und nachts bei unter 10 °C schließen
JuniBlütezeit mit Rütteln alle 2 bis 3 Tage
Juli bis Augustdurchgehend offen mit täglichem Gießen und bei Bedarf Schattierung
Septemberabends schließen für eine längere Reifezeit
Oktobernach der letzten Ernte Pflanzen ausräumen und lüften

Im September zahlt sich das Gewächshaus am meisten aus. Draußen sinken die Nächte unter 12 °C, und die Reifung kommt zum Stillstand. Wenn das Gewächshaus abends geschlossen wird, bleibt es drinnen mehrere Grad wärmer, und die Schoten färben noch durch. Mehr dazu steht unter Chilis werden nicht rot.

Was ich im Tunnel anders mache

Drei Dinge laufen bei mir im Folientunnel anders als im Beet, und alle drei haben mit der fehlenden Luftbewegung zu tun.

Ich gieße ausschließlich auf die Erde. Draußen trocknet nasses Laub nach einem Regenschauer in einer Stunde ab. Im Tunnel bleibt die Feuchtigkeit stehen. Wasser auf den Blättern ist dort der direkte Weg zu Grauschimmel.

Ich lasse mehr Abstand als im Beet. Im Tunnel sind es 50 bis 60 Zentimeter statt 40 bis 50. Der Platz fehlt an anderer Stelle, aber ein Bestand, der nach dem Gießen langsam abtrocknet, kostet am Ende mehr.

Ich kontrolliere jede Woche die Blattunterseiten. Spinnmilben finden im Tunnel ideale Bedingungen. Dort ist es warm und windstill, oft auch trocken. Wer sie erst an den Gespinsten bemerkt, hat wochenlang zugesehen.

Auf eine Heizung verzichte ich. Ein unbeheizter Tunnel bringt die entscheidenden Wochen am Anfang und Ende der Saison ohnehin. Eine Heizung würde den Nutzen kaum verbessern und den Aufwand vervielfachen. Bei Frostwarnung im Mai hilft ein Vlies über den Pflanzen mehr als jede Technik.

Weiter geht es unter Chili anbauen, Chili-Pflege und Schädlinge und Krankheiten.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Gewächshaus für Chilis?

Für Sorten der Art Capsicum chinense lohnt es sich deutlich, weil ihre Saison hierzulande knapp ist. Zwei bis vier Wochen Vorsprung im Frühjahr und ebenso viel im Herbst entscheiden bei ihnen über die Ernte. Für annuum-Sorten wie Jalapeño lohnt es sich kaum.

Wie warm darf es im Gewächshaus werden?

Bis etwa 30 Grad ist es ideal. Ab 32 Grad wird der Pollen unfruchtbar und die Blüten fallen ab. Ab 35 Grad setzt praktisch nichts mehr an. Deshalb wird ab Juli durchgehend gelüftet.

Muss ich Chilis im Gewächshaus bestäuben?

Eine Bestäubung von Hand ist unnötig. Die Pflanzen brauchen aber Bewegung, und dafür reicht es, alle zwei bis drei Tage kurz an ihnen zu rütteln. Ohne Wind fehlt der Auslöser für die Selbstbestäubung, und der Fruchtansatz bleibt dünn.

Folientunnel oder Gewächshaus für Chilis?

Für Chilis reicht ein Folientunnel. Er kostet einen Bruchteil und bringt in der Saison praktisch dasselbe. Der Nachteil ist die Lüftung, die nur über die Enden funktioniert.

Wie viel Abstand brauchen Chilis im Gewächshaus?

Sie brauchen mehr Abstand als im Beet. Ich rechne mit 50 bis 60 Zentimetern zwischen zwei chinense-Pflanzen. Zu eng stehende Bestände trocknen nach dem Gießen langsam ab, und das begünstigt Grauschimmel.

Wann kommen die Pflanzen ins Gewächshaus?

Sie kommen ab Ende April hinein, wenn sie abgehärtet sind. Nachts bleibt das Gewächshaus dann noch geschlossen. Ab Mitte Mai ist auch nachts Lüften unproblematisch.

Welche Chilisorten eignen sich fürs Gewächshaus?

Am besten eignen sich die langsamen chinense-Sorten wie Habanero, Scotch Bonnet und Ghost Pepper. Schnelle annuum-Sorten werden im Freiland ohnehin fertig und brauchen den Platz nicht.

Brauche ich eine Heizung im Chili-Gewächshaus?

Nein. Ein unbeheizter Tunnel bringt die entscheidenden Wochen am Anfang und Ende der Saison ohnehin. Bei Frostwarnung im Mai hilft ein Vlies über den Pflanzen mehr als jede Technik.

Wie lüfte ich ein Gewächshaus richtig?

Ab Anfang Juli wird durchgehend gelüftet, auch nachts. Automatische Fensteröffner mit Wachszylinder arbeiten ohne Strom und öffnen zuverlässig, auch wenn niemand da ist.

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