Aji Amarillo

Die Ají Amarillo ist die wichtigste Chili der peruanischen Küche — was Paprika für Ungarn ist, ist sie für Peru. Ohne sie gibt es kein Ají de Gallina und keine Papa a la Huancaína.

Für den Anbau in Deutschland ist ein Punkt entscheidend: Sie ist eine Capsicum baccatum, und die ticken anders als die üblichen Sorten. Sie wird 120 bis 160 cm hoch, blüht spät und braucht bis zur ersten reifen Schote länger als eine Habanero. Aussaat deshalb Mitte Januar, Topf ab 18 Litern, Stütze einplanen.

Anbaukalender im Vergleich: Ají Amarillo, Habanero und Jalapeño von Aussaat über Vorkultur und Wachstum bis zur Ernte
Baccatum-Sorten setzen spät Blüten an — deshalb der frühe Aussaattermin.

Alle Informationen auf einen Blick

CHILI-LEXIKON

56 Sorten nach Schärfegrad – Sorte antippen für den Steckbrief.

Mild (0 – 999 SHU)

  • Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
  • Habanada (0–100 SHU, Capsicum chinense)
  • Shishito (50–200 SHU, Capsicum annuum)
  • Fushimi (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Banana Pepper (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Friggitello (100–500 SHU, Capsicum annuum)

Pikant (1.000 – 9.999 SHU)

  • Padrón (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Anaheim (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Poblano (1.000–2.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Cascabel (1.000–3.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Piment d’Espelette (3.000–4.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Mirasol (Guajillo) (2.500–5.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Jalapeño (2.500–8.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Fresno (2.500–10.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Ají Fantasy (5.000–10.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ungarische Wachspaprika (5.000–10.000 SHU, Capsicum annuum)

Mittelscharf (10.000 – 99.999 SHU)

  • Serrano (10.000–23.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Peter Pepper (5.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bishop’s Crown (5.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Peperoncino Calabrese (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Chile de Árbol (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Lemon Drop (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ají Cristal (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Cayenne (30.000–50.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Tabasco (30.000–50.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Ají Charapita (30.000–50.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Ají Amarillo (30.000–50.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Pequin (30.000–60.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Rocoto (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Manzano (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Chiltepin (Tepin) (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bird’s Eye (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Kanthari (50.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Sugar Rush Peach (50.000–100.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Malagueta (60.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)

Sehr scharf (100.000 – 999.999 SHU)

  • Piri Piri (50.000–175.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Datil (100.000–300.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Devil’s Tongue (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Scotch Bonnet (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Orange Habanero (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Madame Jeanette (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Fatalii (125.000–400.000 SHU, Capsicum chinense)
  • White Habanero (200.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Chocolate Habanero (200.000–450.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Red Savina Habanero (248.556–577.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000–1.001.304 SHU, Capsicum chinense)

Extrem (ab 1 Mio. SHU)

  • Naga Morich (900.000–1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Dorset Naga (900.000–1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000–1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Douglah (900.000–1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764–2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Primo (1.469.000–1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Komodo Dragon (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Carolina Reaper (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)

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Steckbrief

ArtCapsicum baccatum
Schärfe30.000–50.000 SHU (Quellen weichen ab, siehe unten)
Andere NamenAjí Escabeche, Kellu Uchu; getrocknet Ají Mirasol
HerkunftPeru
Fruchtgröße10–15 cm, länglich, dünnwandig
Farbe reifKräftig orange-gelb
Keimdauer14–25 Tage bei 25–28 °C
AussaatMitte Januar
Wuchshöhe120–160 cm
Topfvolumen18–25 l
StandortFolientunnel, Gewächshaus oder geschützte Hauswand

Anmerkung in eigener Sache: Ají Amarillo baue ich selbst nicht an — die Angaben hier stammen aus Sortenbeschreibungen und der Fachliteratur, nicht aus meinem Garten. Wo ich aus eigener Erfahrung schreibe, steht das ausdrücklich dabei.

Wie scharf ist sie wirklich?

Hier gehen die Quellen auseinander, und zwar erheblich. Die meisten deutschen und amerikanischen Sortenbeschreibungen nennen 30.000 bis 50.000 SHU — das wäre im Bereich einer Cayenne. Einzelne Quellen geben dagegen nur 2.500 bis 5.000 SHU an, also Jalapeño-Niveau.

Beides kann stimmen, weil „Ají Amarillo“ in Peru nicht so eng definiert ist wie eine deutsche Sortenbezeichnung. Es gibt mehrere Linien, und die frisch verkaufte Schote unterscheidet sich von der getrockneten Ají-Mirasol-Ware. Dazu kommt, dass die dünnwandigen Schoten wenig Plazenta haben, in der das Capsaicin sitzt — die wahrgenommene Schärfe ist deshalb niedriger, als die Zahl erwarten lässt.

Praktisch heißt das: Erwarte eine mittlere Schärfe mit deutlich fruchtigem Vorlauf. Die Sorte wird nicht wegen der Schärfe angebaut, sondern wegen des Aromas. Warum Scoville-Angaben generell so weit streuen, steht unter Scoville-Skala.

Geschmack

Das ist der eigentliche Grund für diese Sorte. Ají Amarillo schmeckt ausgeprägt fruchtig — Beschreibungen reichen von Mango über Passionsfrucht bis Aprikose — mit einer leicht harzigen Note dahinter, die sich in keiner anderen gängigen Sorte findet.

Dieses Profil ist auch der Grund, warum sie sich in peruanischen Rezepten schlecht ersetzen lässt. Eine Habanero bringt zwar auch Frucht mit, aber viermal so viel Schärfe. Wer keine Ají Amarillo hat, kommt mit einer milden gelben Sorte plus einem Spritzer Passionsfruchtsaft näher als mit einer anderen scharfen Chili.

Was baccatum beim Anbau anders macht

Die meisten Anbauanleitungen behandeln alle Chilis gleich. Bei Capsicum baccatum führt das zu vorhersehbaren Enttäuschungen. Die Unterschiede zu annuum und chinense:

PunktWas zu beachten ist
Wuchshöhe120–160 cm statt 60–90. Die Pflanze braucht Deckenhöhe im Tunnel
StandfestigkeitSeitentriebe brechen leicht ab. Stab oder Schnur ab Juli
BlühzeitpunktSetzt später Blüten an als annuum. Was nach Mitte September blüht, wird nicht mehr reif
Topfvolumen18–25 l. In 10 Litern bleibt die Pflanze weit unter ihren Möglichkeiten
WärmeEtwas weniger empfindlich als chinense, aber die lange Saison verlangt trotzdem einen geschützten Platz
BestäubungBlüten mit grünen Flecken auf den Kronblättern — typisches Erkennungsmerkmal von baccatum

Der Punkt mit der Höhe wird regelmäßig unterschätzt. Eine ausgewachsene Ají Amarillo im 20-Liter-Topf ist mit Topf gerechnet fast zwei Meter hoch und entsprechend windanfällig. Auf einem offenen Balkon kippt sie, sobald die Schoten hängen. Was das für die Topfwahl bedeutet, steht unter Topfgröße.

Anbau in Deutschland

Aussaat Mitte Januar. Bei der langen Kulturdauer ist das kein Puffer, sondern nötig. Die Keimung dauert 14 bis 25 Tage bei 25 bis 28 °C. Weil im Januar das Tageslicht nicht reicht, braucht die Vorkultur Kunstlicht — sonst vergeilen die Sämlinge. Der Ablauf steht unter Chili aussäen.

Auspflanzen Mitte Mai, nach den Eisheiligen und nach 10 bis 14 Tagen Abhärten. Wer eine 40 cm hohe Jungpflanze ohne Abhärtung in die Sonne stellt, hat innerhalb von zwei Tagen verbrannte Blätter.

Düngen ab Fruchtansatz, kaliumbetont und wöchentlich. Eine Pflanze dieser Größe mit reichem Fruchtansatz zehrt ein 20-Liter-Substrat in wenigen Wochen leer — Details unter Chilipflanzen düngen.

Ernte ab September. Reif ist die Schote, wenn sie durchgehend kräftig orange-gelb ist und leicht nachgibt. Wer sie schon im grünen oder blassgelben Stadium erntet, bekommt die Frucht, aber nicht das Aroma.

Saatgut findet man im Fachhandel und online unter beiden Namen — Ají Amarillo oder Ají Escabeche (Affiliate-Link — für dich ändert sich nichts am Preis). Auf die Artangabe baccatum achten: Unter „Ají“ laufen im Handel auch chinense-Sorten mit ganz anderen Ansprüchen.

Verwenden

In Peru wird die Schote meist entkernt, kurz blanchiert und zu einer Paste püriert — Ají Amarillo Pasta ist die Grundlage vieler Gerichte. Das dünne Fruchtfleisch püriert sich leicht, und die gelbe Farbe ist dabei ausdrücklich erwünscht.

  • Als Paste: Entkernen, 5 Minuten blanchieren, mit etwas Öl pürieren. Hält im Kühlschrank rund zwei Wochen, portionsweise eingefroren ein Jahr.
  • Getrocknet: Als Ají Mirasol. Wegen der dünnen Wände trocknet sie schneller als eine Habanero — mehr unter Chilis trocknen.
  • In Hot Sauce: Als fruchtige Basis, gut kombinierbar mit einer schärferen Sorte in kleiner Menge.
  • Frisch: In Streifen zu Ceviche und Salaten.

Lohnt sich die Sorte?

Wenn du peruanisch kochst: ja. Frische Ají Amarillo bekommt man in Deutschland kaum, tiefgekühlte Paste nur im Spezialhandel, und der Geschmack lässt sich nicht ersetzen.

Wenn du wenig Platz hast: eher nicht. Anderthalb Meter Pflanze, 20 Liter Topf und eine Saison bis Oktober sind ein hoher Einsatz für eine Sorte, die man in der deutschen Küche selten braucht. Für einen kleinen Balkon sind kompakte Sorten die vernünftigere Wahl — eine Übersicht steht unter Chilisorten.

Häufige Fragen

Wie scharf ist Ají Amarillo?

Die meisten Sortenbeschreibungen nennen 30.000 bis 50.000 SHU, einzelne Quellen deutlich weniger. Die Spanne kommt daher, dass in Peru mehrere Linien unter dem Namen laufen. Praktisch schmeckt sie mittelscharf mit deutlich fruchtigem Vorlauf — die Sorte wird wegen des Aromas angebaut, nicht wegen der Schärfe.

Zu welcher Art gehört Ají Amarillo?

Zu Capsicum baccatum. Das ist für den Anbau relevanter, als es klingt: baccatum-Sorten werden deutlich höher, blühen später und brauchen eine längere Saison als annuum oder chinense. Ein Erkennungsmerkmal sind die grünen Flecken auf den Kronblättern der Blüten.

Wann muss ich Ají Amarillo aussäen?

Mitte Januar. Die Sorte setzt spät Blüten an, und was nach Mitte September blüht, wird in Deutschland nicht mehr reif. Bei einer Aussaat im März bleibt der größte Teil der Ernte grün.

Wie groß wird die Pflanze?

120 bis 160 cm, in guten Jahren mehr. Sie wächst ausladend, und die Seitentriebe brechen unter der Fruchtlast leicht ab — ab Juli gehört eine Stütze dazu. Rechne mit 18 bis 25 Litern Topfvolumen.

Kann ich Ají Amarillo im Freiland anbauen?

In einem warmen Sommer an einer geschützten Südwand ja. Verlässlicher ist der Folientunnel oder das Gewächshaus, weil die Sorte die volle Saison bis Oktober braucht und im offenen Beet in kühlen Jahren nicht fertig wird.

Was ist der Unterschied zwischen Ají Amarillo und Ají Mirasol?

Es ist dieselbe Schote. „Amarillo“ bezeichnet die frische, „Mirasol“ die getrocknete Form. Getrocknet schmeckt sie deutlich rosinenartiger und weniger frisch-fruchtig.

Womit kann ich Ají Amarillo ersetzen?

Schwierig. Andere scharfe Sorten bringen zu viel Schärfe und zu wenig von der typischen Frucht. Am nächsten kommt eine milde gelbe Sorte mit einem Spritzer Passionsfrucht- oder Mangosaft. Habanero ersetzt sie nicht, sondern überlagert sie.

Kann ich Samen aus gekauften Schoten ziehen?

Wenn die Schote vollreif und schonend getrocknet war, ja. Bei importierter Ware ist die Behandlung meist unbekannt, deshalb vorher ein Keimtest — wie das geht, steht unter getrocknete Chilisamen einpflanzen.

Weiterlesen: Capsicum-Arten im Überblick · Chili anbauen

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