Die Naga Viper ist keine gewachsene Landsorte und keine über Jahre stabilisierte Züchtung. Sie ist ein Dreifach-Hybrid aus Naga Morich × Bhut Jolokia × Trinidad Scorpion — und dieser eine Satz hat eine Konsequenz, die in den meisten deutschen Beschreibungen komplett fehlt: Aus den Samen deiner eigenen Schoten wächst keine Naga Viper mehr. Die Nachkommen spalten auf. Wer das nicht weiß, wundert sich im zweiten Jahr über Pflanzen, die anders aussehen, anders schmecken und deutlich milder sind.
Ich baue die Naga Viper nicht selbst an. Bei mir stehen andere chinense-Sorten — Carolina Reaper, Ghost Pepper, Chocolate und Orange Habanero, Scotch Bonnet. Alles, was ich hier zum Anbau schreibe, kommt entweder aus dieser Praxis mit den nahen Verwandten oder aus belegten Quellen. Was ich nicht selbst gemacht habe, schreibe ich auch nicht so hin, als hätte ich es. Den Überblick über alle Sorten findest du unter Chilisorten im Überblick.

Naga Viper — Steckbrief
| Schärfe (SHU) | 1.382.118 SHU — ein einzelnes Testergebnis, gemessen im November 2010 am Warwick HRI Mineral Analysis Laboratory. Kein Durchschnitt, keine Wiederholungsmessung. |
| Capsicum-Art | Capsicum chinense (Hybrid aus drei chinense-Eltern) |
| Herkunft | Cark in Cumbria, England. Züchter: Gerald Fowler, The Chilli Pepper Company |
| Kreuzung | Naga Morich × Bhut Jolokia × Trinidad Scorpion — nicht sortenrein vererbend |
| Keimdauer | 2–4 Wochen, bei chinense laut NMSU bis zu 5 Wochen |
| Keimtemperatur | 25–28 °C. Unter 15 °C keimt praktisch nichts |
| Aussaat | Mitte Januar bis Anfang Februar |
| Reifezeit | etwa 120–150 Tage ab dem Auspflanzen (Erfahrungs- und Handelsangabe, keine peer-reviewte Quelle) |
| Wuchshöhe | Richtwert 70–120 cm, wie bei den anderen chinense-Superhots |
| Topfgröße | mindestens 10–15 l für eine ausgewachsene Pflanze |
| Eignung für Deutschland | nur mit früher Vorkultur. Im offenen Freiland riskant, im Folientunnel oder Gewächshaus deutlich sicherer |
| Selbst angebaut | nein |
Die Naga Viper ist ein instabiler Hybrid — und das hat Folgen
Gerald Fowler hat drei extrem scharfe chinense-Sorten gekreuzt. Bei einer normalen Sortenzüchtung folgt danach die Arbeit, die Jahre dauert: über viele Generationen selektieren, bis die Nachkommen wieder gleichmäßig ausfallen. Erst dann ist eine Sorte samenfest. Bei der Naga Viper ist dieser Schritt nie sauber abgeschlossen worden.
Praktisch bedeutet das drei Dinge. Erstens: Was in verschiedenen Shops als „Naga Viper“ verkauft wird, muss nicht dieselbe Pflanze sein. Zweitens: Zwei Pflanzen aus derselben Samentüte können unterschiedlich wachsen, unterschiedlich große Schoten tragen und unterschiedlich scharf sein. Drittens — und das ist der teure Teil: Wenn du aus deiner eigenen Ernte Samen nimmst, bekommst du im nächsten Jahr etwas anderes. Vielleicht etwas Brauchbares. Aber keine Naga Viper.
Das ist auch der Grund, warum ich den Rekordwert von 2010 nicht für eine Eigenschaft der Sorte halte, sondern für das Ergebnis einer bestimmten Pflanze in einem bestimmten Jahr. Bei einer stabilen Sorte kann ein zweites Labor nachmessen. Bei einem aufspaltenden Hybrid misst man beim zweiten Versuch streng genommen eine andere Pflanze. Mehr zum Prinzip dahinter steht unter Capsicum-Arten und ihre Unterschiede.
Was du daraus für den Samenkauf mitnimmst
- Kauf bei einem Anbieter, der die Sorte selbst vermehrt und dazu etwas sagt — nicht bei der billigsten Sammeltüte.
- Erwarte Streuung. Wenn drei Pflanzen unterschiedlich aussehen, ist das bei diesem Hybrid normal und kein Reklamationsgrund.
- Plane keine Vermehrung aus eigener Ernte. Wenn du jedes Jahr Naga Viper willst, kaufst du jedes Jahr Samen. Wie du gekaufte Samen prüfst, steht unter Chilisamen — Auswahl, Qualität, Haltbarkeit.
- Wer verlässlich dieselbe Pflanze will, ist mit einer stabilen Sorte besser bedient — etwa Habanero oder Bhut Jolokia.
2011: drei Rekordhalter in wenigen Wochen

Vier Jahre lang, von Februar 2007 bis Februar 2011, stand die Bhut Jolokia mit 1.001.304 SHU im Rekordbuch. Dann ging es innerhalb weniger Wochen Schlag auf Schlag. Zuerst übernahm die Infinity Chilli von Nick Woods mit 1.067.286 SHU — und hielt den Titel rund zwei Wochen. Dann kam die Naga Viper mit 1.382.118 SHU und hielt ihn wenige Tage. Im März 2011 löste die Trinidad Scorpion „Butch T“ mit 1.463.700 SHU ab und blieb bis 2013 oben.
Drei Titelwechsel in einem Jahr, zwei davon aus England, gemessen an derselben Universität. Das hat damals eine Debatte ausgelöst, die bis heute nachwirkt. Eine vollständige Chronologie veröffentlicht Guinness World Records selbst nicht — dort steht immer nur der aktuelle Titel. Die ganze Geschichte samt der Sorten nach 2013 habe ich unter Die schärfste Chili der Welt aufgeschrieben.
Warum der Wert methodisch schwach steht
Beide englischen Titel stehen auf derselben dünnen Grundlage: eine einzelne Messung, durchgeführt von einem einzigen Labor, an instabilen Hybriden — also an Pflanzen, deren Nachkommen die Werte gar nicht reproduzieren können. Es gibt keine Wiederholungsmessung, keine zweite Institution, die den Naga-Viper-Wert bestätigt hätte, und keine fachlich prüfbare Veröffentlichung dazu. Das ist kein Vorwurf an Gerald Fowler. Es ist der Unterschied zwischen einem Rekordtitel und einem belastbaren Sortenwert.
Zum Vergleich: Beim Bhut Jolokia stand eine peer-reviewte Veröffentlichung dahinter (Bosland & Baral, HortScience 2007), beim Carolina Reaper und beim Pepper X Messungen nach der genormten Methode AOAC 995.03. Die Arbeit des Chile Pepper Institute der New Mexico State University ist hier der Maßstab. Der Naga-Viper-Wert erreicht dieses Niveau nicht — was ihn nicht falsch macht, aber eben zu einer Momentaufnahme.
1.382.118 SHU — was diese Zahl wert ist
Scoville-Werte sind keine feste Eigenschaft einer Sorte. Sie schwanken je nach Wasserversorgung, Standort, Jahr, Reifegrad, Stickstoffversorgung und Labormethode — und zwar erheblich. Das ehrlichste Beispiel dafür liefert ausgerechnet der bestuntersuchte Superhot: Die Carolina Reaper kam bei der Rekordmessung auf 1.641.183 SHU im Durchschnitt, im Feldversuch des NMSU auf rund 1.340.000 SHU (Bosland et al., Scientia Horticulturae 2021) und in einer Hausgarten-Untersuchung (Ivanović et al., IJMS 2025) auf 518.299 SHU. Zwischen Rekord-Durchschnitt und Hausgarten liegt damit Faktor 3,2 — nimmst du den dokumentierten Spitzenwert einer Einzelfrucht dazu (2,2 Millionen SHU, ein Einzelwert und kein Sortenwert), sind es Faktor 4,2. Alles dieselbe Sorte.
Dazu kommt: Der SHU-Wert ist auf Trockenmasse definiert. Frische Schoten bestehen zu 77 bis 94 Prozent aus Wasser. Der Satz „diese frische Schote hat 1,3 Millionen SHU“ ist methodisch also schief. Und seit den 1980er-Jahren wird gar nicht mehr verkostet, sondern per HPLC gemessen und umgerechnet — der Scoville-Wert ist ein Rechenwert. Wie das genau funktioniert und warum es drei verschiedene Umrechnungsfaktoren gibt, steht unter Scoville-Skala erklärt. Den Stoff selbst behandle ich unter Capsaicin — was Chilis scharf macht.
Meine ehrliche Einschätzung: Wenn du eine Naga Viper auf dem Balkon oder im Tunnel ziehst, wirst du eine sehr scharfe Chili ernten. Ob sie an eine 1,3-Millionen-Messung heranreicht, weiß niemand. Bei den chinense-Sorten, die ich selbst anbaue, merke ich jedes Jahr Unterschiede — ein kühler, nasser August liefert spürbar mildere Schoten als ein warmer.
Naga Viper anbauen — der komplette Ablauf

Die Naga Viper ist eine Capsicum chinense. Damit gilt für sie das, was für alle chinense-Sorten gilt: langsame Keimung, lange Kulturdauer, hoher Wärmebedarf. Wer sie wie eine Jalapeño behandelt, wird enttäuscht. Der Gesamtüberblick steht unter Chili anbauen.
Aussaat: Mitte Januar bis Anfang Februar
Superhots säe ich als Erste — Mitte Januar bis Anfang Februar. Das NMSU empfiehlt allgemein 8 bis 10 Wochen Vorlauf vor dem Auspflanzen, für die chinense-Superhots plane ich lieber 10 bis 12 Wochen, weil die Keimung allein schon Wochen frisst. Saattiefe etwa 6 Millimeter. In die Anzucht kommt keine gedüngte Erde, sondern nährstoffarme Anzuchterde oder Quelltöpfe. Die Details habe ich unter Chili-Aussaat Schritt für Schritt beschrieben.
Keimung: 25 bis 28 °C, sonst passiert nichts
Das ist der Punkt, an dem die meisten Superhot-Versuche scheitern. Unter 15 °C keimt praktisch kein Chilisamen. In einem Versuch des NMSU keimte bei 10 °C über 21 Tage kein einziger Samen; eine Studie über elf Temperaturstufen fand zwischen 9 und 15 °C überhaupt keine Keimung. Der Praxisbereich liegt bei 25 bis 28 °C — die Quellen streiten sich im Optimum, die einen nennen 26,7 bis 29,4 °C, die anderen 24 bis 27 °C. Als Korridor stimmt beides.
Eine Fensterbank über der Heizung reicht meistens nicht, weil sie nachts abkühlt. Ich nutze eine Heizmatte mit Thermostat. Und ich rechne bei chinense mit 2 bis 5 Wochen Keimdauer — nicht mit einer Woche. Wer nach zehn Tagen enttäuscht die Schale ausräumt, wirft funktionierende Samen weg. Was in dieser Phase sonst noch hilft, steht unter Chilisamen keimen lassen. Wenn sich weißer Belag zeigt, hilft Schimmel in der Chili-Anzucht weiter — bei den hohen Temperaturen und der Dauerfeuchte ist das ein echtes Thema.
Pikieren
Drei bis vier Wochen nach der Keimung, wenn das erste echte Blattpaar da ist, pikiere ich in eigene Töpfe. Ab hier darf die Pflanze in normale, leicht gedüngte Erde. Sämling am Blatt anfassen, nie am Stängel — der Stängel verzeiht Quetschungen nicht.
Substrat
Ich mische selbst, mit Richtwerten, nichts wird abgewogen: rund 50 Prozent torfreduzierte Gemüse- oder Blumenerde, 20 Prozent Kokoshumus, 20 Prozent Perlite oder feiner Blähton, 10 Prozent reifer Kompost, dazu eine Handvoll Hornspäne je 10 Liter. Wichtig ist der grobe Anteil — chinense-Wurzeln reagieren empfindlich auf Staunässe. Die Begründung für jeden Bestandteil steht unter Chili-Erde selbst mischen, der Überblick unter Chili-Erde.
Topfgröße und Umtopfen
Für eine ausgewachsene Superhot-Pflanze rechne ich mit mindestens 10 bis 15 Litern. Kleiner geht, kostet aber Ertrag und zwingt dich in der Hitze zum zweimal täglichen Gießen. Ich topfe schrittweise um statt einmal in den Riesentopf: Ein Sämling in 12 Litern Erde hat kaum Wurzelkontakt, das Substrat bleibt zu lange nass. Was zu welchem Zeitpunkt passt, steht unter Topfgröße für Chilipflanzen und Chilipflanzen umtopfen.
Licht und Standort
Im Januar und Februar reicht das Tageslicht in Deutschland nicht. Ohne Pflanzenlampe bekommst du lange, dünne, kippelige Sämlinge. Wie viel Licht nötig ist und woran du Lichtmangel erkennst, steht unter Wie viel Licht Chilipflanzen brauchen.
Draußen gilt: volle Sonne, windgeschützt. Ich stelle meine chinense-Sorten bevorzugt in den Folientunnel, weil sie dort mehr Wärme abbekommen und die Saison vorne und hinten länger ist. Der Haken: Im Tunnel verschiebt sich das Problem von Kälte auf Hitze. Lüften wird zur Pflicht.
Gießen
Gleichmäßig feucht, nie nass, nie ausgetrocknet. Und ein Ratschlag, der sich hartnäckig hält, gehört hier korrigiert: „Weniger gießen macht schärfer“ stimmt bei Superhots nicht. Jeeatid et al. haben in Food Chemistry (2018) gezeigt, dass Wasserstress bei Bhut Jolokia und Orange Habanero den Capsaicinoid-Ertrag senkte. Ein Review in Plants (2024) fasst zusammen: moderate Trockenheit kann die Konzentration erhöhen, schwere senkt sie. Und Konzentration ist nicht Gesamtertrag. Wer seine Naga Viper durstet, riskiert weniger Schoten für einen unsicheren Gewinn. Praxis dazu unter Chili gießen — wann und wie oft.
Düngen
Bis zum Pikieren gar nicht. Danach schwach und regelmäßig, ab der Blüte mit mehr Kalium und weniger Stickstoff. Zu viel Stickstoff gibt dir eine prächtige grüne Pflanze mit wenig Früchten. Interessantes Detail: Die Stickstoffversorgung korreliert stark mit dem Capsaicinoidgehalt — die Düngung beeinflusst also auch die Schärfe, nicht nur die Menge. Vorgehen unter Chilipflanzen richtig düngen.
Abhärten und Auspflanzen
Ende April bis Anfang Mai gewöhne ich die Pflanzen über 10 bis 14 Tage ans Freie. Erst eine Stunde Schatten, dann länger, dann Sonne. Ohne diesen Schritt gibt es Sonnenbrand auf den Blättern — weiße, papierartige Flecken, die nicht mehr weggehen. Ausgepflanzt wird Mitte Mai, nach den Eisheiligen.
Blüte, Fruchtansatz und die Temperaturgrenzen
Hier entscheidet sich die Ernte. Für Blüte und Bestäubung gibt die Queensland-Landwirtschaftsbehörde einen Korridor von über 15 bis unter 28 °C an; unter etwa 15 °C funktioniert die Befruchtung nicht mehr richtig. Nach oben ist es weniger dramatisch, als oft behauptet: Erickson und Markhart zeigten 2002, dass erst eine Dauerexposition von 48 bis 120 Stunden bei 33 °C den Fruchtansatz stark reduziert. Ein einzelner heißer Nachmittag kippt die Blüten nicht.
Trotzdem ist Blütenabwurf die häufigste Enttäuschung bei Superhots. Die Ursachen und was man wirklich dagegen tun kann, stehen unter Chiliblüten fallen ab.
Reife und Ernte
Von der Auspflanzung bis zu reifen Schoten vergehen bei Superhots etwa 120 bis 150 Tage. Das ist eine Handels- und Erfahrungsangabe, die Spanne über alle Quellen reicht von 100 bis 180 Tagen — eine peer-reviewte Zahl gibt es dafür nicht. Bei meinen chinense-Sorten fällt die erste Ernte Ende August bis Mitte September, die Haupternte in September und Oktober, die letzten Schoten kommen bis zum ersten Frost.
Die Naga-Viper-Schoten sind nach Züchter- und Händlerangaben etwa 7 bis 8 Zentimeter lang, spitz zulaufend und reifen leuchtend rot ab — eine gemessene, unabhängige Sortenbeschreibung gibt es nicht. Wegen der Instabilität können Form und Größe ohnehin von Pflanze zu Pflanze abweichen. Erntereif ist eine Schote, wenn sie durchgefärbt ist und sich leicht vom Stiel lösen lässt — Details unter Wann und wie Chilis ernten.
Typische Probleme
- Nichts keimt. Fast immer zu kalt oder zu ungeduldig. Bei chinense fünf Wochen abwarten.
- Lange, dünne Sämlinge. Lichtmangel im Januar. Lampe näher ran.
- Gelbe Blattspitzen. Meist Nährstoff- oder Wasserthema — siehe gelbe Blattspitzen bei Chilis.
- Blätter fallen ab. Häufig Kälteschock nach zu frühem Rausstellen — siehe Chili verliert Blätter.
- Blattläuse und Spinnmilben, besonders im geschützten Tunnel. Übersicht unter Chili-Schädlinge und Krankheiten, alles Weitere unter Chili-Probleme.
- Schoten werden nicht reif. Zu spät gesät. Nächstes Jahr im Januar starten.
Zum Überwintern: Chilis sind mehrjährig, eine Naga Viper könnte man also im Haus über den Winter bringen und im zweiten Jahr früher ernten. Ich mache das aus Platzgründen nicht und ziehe jedes Jahr neu. Wer es versuchen will, findet das Vorgehen unter Chilis überwintern — bei einem instabilen Hybrid behältst du so exakt dieselbe Pflanze, weil über Samen ja etwas anderes herauskommt. Stecklinge von dieser Pflanze leisten dasselbe.
Verarbeiten: trocknen, mahlen, Sauce
Bei Schoten in dieser Schärfeklasse kommst du mit einer kleinen Menge sehr weit — bei meinen eigenen Superhots reicht die Ernte einer Pflanze locker durchs Jahr. Deshalb steht am Anfang der Verarbeitung nicht die Frage, wie du möglichst viel unterbringst, sondern wie du die Schoten haltbar machst, ohne sie zu verschwenden.
Trocknen
Bei dickfleischigen chinense-Schoten funktioniert Lufttrocknen an der Schnur in Deutschland schlecht — sie schimmeln, bevor sie durch sind. Ich halbiere sie und dörre bei niedriger Temperatur. Wichtig: Trocknen macht nicht schärfer, es konzentriert nur. Bei zu heißer Luft können Capsaicinoide sogar abgebaut werden. Das ganze Vorgehen steht unter Chilis trocknen.
Pulver
Getrocknete Schoten in der Mühle oder im Mörser mahlen, luftdicht und dunkel lagern. Zum Mahlen komme ich gleich noch — das ist der gefährlichste Arbeitsschritt im ganzen Prozess. Anleitung unter Chilipulver selber machen.
Sauce, Öl, eingelegt
Für eine Sauce nehme ich Superhots nur als Schärfekomponente und baue den Rest aus milderen Sorten, Obst und Essig auf — sonst schmeckt man nichts mehr außer Feuer. Vorgehen unter Hot Sauce selber machen, alternativ Chiliöl oder Chilis einlegen. Wie du frische und getrocknete Schoten richtig aufbewahrst, steht unter Chilis lagern, der Überblick unter Ernten und Verarbeiten.
Dosierung
Für einen großen Topf Chili con Carne reicht ein Stück Schote in Streichholzgröße — und selbst das ist für viele schon zu viel. Ich taste mich immer von unten heran: erst eine winzige Menge, umrühren, warten, probieren. Nachschärfen geht, zurücknehmen nicht.
Sicherheit — bei dieser Schärfe kein Nebenthema
Das National Capital Poison Center empfiehlt beim Umgang mit sehr scharfen Chilis Handschuhe aus Gummi, Latex oder Nitril, gute Belüftung und konsequent die Finger vom Gesicht. Erste Hilfe: Haut mit warmem Wasser und Pflanzenöl reinigen, Augen 15 Minuten mit warmem Wasser spülen, bei Einatmen sofort aus dem Raum.
Laut National Pesticide Information Center reizt Capsaicin die Augen stark — vorübergehende Sehbeeinträchtigung ist möglich — und kann beim Einatmen Husten und eine Verengung der Atemwege auslösen, auch bei Menschen ohne Asthma. Genau deshalb sind Mahlen und Dörren die kritischen Schritte: Dort entstehen Aerosole. Eine NIOSH-Untersuchung in einem Chili-Verarbeitungsbetrieb dokumentierte tränende Augen, Nasenbluten und Atembeschwerden. Ich mahle Superhots nur bei offenem Fenster und halte den Kopf weg, wenn ich die Mühle öffne. Was gegen Schärfe an den Händen hilft, steht unter Chilischärfe von den Händen entfernen, und wenn im Mund schon zu viel angekommen ist: Schärfe mildern.
Zu Extremverzehr gibt es dokumentierte Einzelfälle in der medizinischen Literatur: ein Fallbericht in BMJ Case Reports (2018) beschreibt einen Donnerschlagkopfschmerz mit reversiblen Gefäßverengungen nach dem Verzehr eines Carolina Reaper; der Patient erholte sich vollständig. Das sind Einzelfälle, keine Statistik — aber ein guter Grund, Mutproben zu lassen und Superhots als Gewürz zu behandeln.
Lohnt sich die Naga Viper?

Als Sammlerstück und als Stück Chili-Geschichte: ja. Der Anbau unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen chinense-Superhots, und wer Ghost Pepper oder Carolina Reaper hinbekommt, bekommt auch die Naga Viper hin.
Wenn du dagegen jedes Jahr dieselbe verlässliche Pflanze willst, würde ich zu einer stabilen Sorte greifen. Und wenn es dir um den Rekord geht: Der ist längst weitergezogen — über die Trinidad Scorpion „Butch T“ und die Carolina Reaper hin zur Pepper X, die seit Oktober 2023 als Rekordhalterin anerkannt ist. Verwandte Sorten mit ähnlicher Geschichte: Trinidad Moruga Scorpion und 7 Pot Primo. Weitere Hintergründe zur Namensherkunft und zur Züchtung finden sich im englischen Wikipedia-Artikel zur Naga Viper.
Häufige Fragen zur Naga Viper
Kann ich Samen aus meiner eigenen Naga-Viper-Ernte wieder aussäen?
Aussäen kannst du sie, aber es wächst keine sortenechte Naga Viper daraus. Die Sorte ist ein Dreifach-Hybrid aus Naga Morich, Bhut Jolokia und Trinidad Scorpion und nicht stabilisiert. Die Nachkommen spalten auf: andere Wuchsform, andere Schotenform, meist deutlich weniger Schärfe. Wer die Sorte behalten will, kauft jedes Jahr neue Samen oder überwintert die Pflanze.
Wie scharf ist die Naga Viper wirklich?
Der bekannte Wert von 1.382.118 SHU stammt aus einer einzigen Messung am Warwick HRI Mineral Analysis Laboratory im November 2010. Das ist kein Durchschnitt und wurde nie unabhängig bestätigt. Im Hobbygarten liegen die Werte je nach Standort, Jahr, Wasser- und Stickstoffversorgung erheblich niedriger. Beim gut untersuchten Carolina Reaper reicht die dokumentierte Spanne vom zertifizierten Durchschnitt mit 1.641.183 SHU bis zu 518.299 SHU in einer Hausgarten-Untersuchung.
Wann muss ich Naga Viper aussäen?
Mitte Januar bis Anfang Februar. Als Capsicum chinense keimt sie langsam — zwei bis fünf Wochen — und braucht danach 120 bis 150 Tage ab dem Auspflanzen bis zu reifen Schoten. Wer erst im März sät, erntet in Deutschland kaum noch etwas Reifes.
Bei welcher Temperatur keimen die Samen?
Bei 25 bis 28 °C. Unter 15 °C keimt praktisch kein Chilisamen: In einem Versuch der New Mexico State University keimte bei 10 °C über 21 Tage kein einziger Samen. Ohne Heizmatte oder ein zuverlässig warmes Anzuchtgerät wird es schwierig, weil eine Fensterbank nachts abkühlt.
Macht weniger gießen die Schoten schärfer?
Bei Superhots ist das nicht belegt, im Gegenteil. Jeeatid et al. zeigten 2018 in Food Chemistry, dass Wasserstress bei Bhut Jolokia und Orange Habanero den Capsaicinoid-Ertrag senkte. Moderate Trockenheit kann die Konzentration erhöhen, starker Stress senkt sie — und weniger Wasser bedeutet auch weniger Schoten.
War die Naga Viper wirklich die schärfste Chili der Welt?
Sie hielt den Guinness-Titel Februar/März 2011, aber nur wenige Tage. Davor war die Infinity Chilli rund zwei Wochen lang Rekordhalterin, danach übernahm die Trinidad Scorpion „Butch T“. Beiden englischen Titeln lag jeweils nur eine einzelne Messung eines einzigen Labors an einem instabilen Hybrid zugrunde. Unabhängig nachgemessen wurde keiner der beiden Werte.
Welche Topfgröße braucht eine Naga Viper?
Mindestens 10 bis 15 Liter für eine ausgewachsene Pflanze. Kleinere Töpfe funktionieren, kosten aber Ertrag und zwingen an heißen Tagen zum zweimaligen Gießen. Setze Sämlinge nicht direkt in den großen Topf, sondern topfe schrittweise um.
Worauf muss ich beim Mahlen von getrockneten Naga Viper achten?
Beim Mahlen und Dörren entstehen Aerosole, die Augen und Atemwege stark reizen. Nitrilhandschuhe tragen, bei offenem Fenster arbeiten, das Gesicht vom Mühlendeckel weghalten und die Mühle nicht direkt nach dem Öffnen in der Nase haben. Das National Pesticide Information Center weist auf Husten und Verengung der Atemwege auch bei Nicht-Asthmatikern hin.
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