7 Pot Primo Chili: Anbau, Herkunft und die Wahrheit über die Scoville-Werte

Beim 7 Pot Primo stolperst du sofort über eine Zahl: 1.473.480 SHU. Sie steht in Dutzenden Shops, immer auf die Einerstelle genau. Nur gibt es dafür keine veröffentlichte Labormessung, kein Journal, keine Institution. Die 7 Pot Primo ist die Sorte, an der man am besten lernt, wie unbelegte Scoville-Zahlen entstehen und sich verbreiten. Und sie ist eine der wenigen Superhots, zu denen im deutschsprachigen Raum praktisch nichts über den Anbau steht — genau darum geht es hier vor allem.

Damit das gleich klar ist: Ich baue die 7 Pot Primo nicht selbst an. Auf meiner Fläche stehen andere Capsicum-chinense-SortenCarolina Reaper, Ghost Pepper, Chocolate Habanero, Orange Habanero und Scotch Bonnet. Der Anbauteil weiter unten kommt aus dieser Erfahrung und ist als Übertragung gekennzeichnet, wo sie nötig ist. Eine Einordnung aller Sorten findest du im Überblick über die Chilisorten.

Balkendiagramm der Schärfe von Jalapeño bis Pepper X mit hervorgehobenem 7 Pot Primo
Der Balken für die 7 Pot Primo beruht auf Züchterangaben. Alle anderen Sorten im Diagramm haben mindestens eine dokumentierte Labormessung — dieser Unterschied ist wichtiger als die Balkenlänge.

Steckbrief 7 Pot Primo

Schärfe (SHU)1.469.000–1.790.000 SHU — ausschließlich Züchter- und Händlerangabe, keine zertifizierte Messung. Andere Quellen nennen 800.000–1.268.250 SHU.
Capsicum-ArtCapsicum chinense
HerkunftLouisiana, USA. Züchtung von Troy „Primo“ Primeaux, Kreuzung aus 7 Pot und Naga Morich
Keimdauer2–4 Wochen, bei chinense auch bis zu 5 Wochen
AussaatMitte Januar bis Anfang Februar
Reifezeitca. 120–150 Tage ab Auspflanzen (Erfahrungs- und Handelswert, keine Studie)
Wuchshöhe80–120 cm, buschig
Topfgrößemindestens 15 l, besser 20 l
Eignung für Deutschlandmachbar, aber knapp — Folientunnel oder sehr warmer Süd-Standort empfehlenswert
Selbst angebautnein

Woher die 7 Pot Primo kommt

Die 7 Pot Primo ist keine Landrasse und stammt auch nicht aus Trinidad, wie viele deutsche Seiten behaupten. Er ist eine gezielte Züchtung von Troy Primeaux aus Louisiana. Sein Spitzname „Primo“ steckt im Sortennamen. Als Eltern gelten eine 7-Pot-Linie und der Naga Morich — also zwei chinense-Sorten, die beide schon für sich im oberen Schärfebereich liegen.

Der Namensbestandteil „7 Pot“ ist älter als diese Kreuzung und stammt aus der Karibik. Er beschreibt schlicht eine Mengenangabe: Eine einzige Schote soll ausreichen, um sieben Kochtöpfe zu würzen. Das ist keine Messgröße, sondern eine Küchenanekdote — aber eine, die die Größenordnung ganz gut trifft.

Die Schärfe — und warum keine kursierende Zahl belastbar ist

Für die 7 Pot Primo existiert kein wissenschaftlich publizierter und kein von Guinness zertifizierter Schärfewert. Was kursiert, ist ein Zahlensalat:

  • 1.469.000 SHU — die am häufigsten zitierte Zahl
  • 1.473.480 SHU — dieselbe Größenordnung, aber auf die Einerstelle genau
  • ca. 1.500.000 SHU — gerundete Züchterangabe
  • bis 1.790.000 SHU — Spitzenangabe aus dem Handel
  • 800.000–1.268.250 SHU — deutlich niedrigere Werte aus anderen Quellen

Zwischen der niedrigsten und der höchsten Angabe liegt Faktor 2,2. Bei einer Sorte mit sauberer Messgrundlage gäbe es diese Spanne nicht. Wie SHU überhaupt zustande kommen und was der Wert seit dem Wechsel von der Verkostung zur HPLC eigentlich noch aussagt, steht ausführlich auf der Seite zur Scoville-Skala.

Warum „1.473.480 SHU“ ein Warnsignal ist

Diese Zahl suggeriert eine Präzision, die es in der Capsaicinoid-Analytik nicht gibt. Der SHU-Wert ist heute ein Rechenwert: Man misst die Capsaicinoide per HPLC in ppm und multipliziert. Schon der Umrechnungsfaktor ist uneinheitlich — üblich sind ppm × 15 nach ASTA, mg/kg × 16 oder eine gewichtete Variante, bei der Capsaicin und Dihydrocapsaicin mit 16,1 und Nordihydrocapsaicin mit 9,3 eingehen. Je nachdem, welchen Faktor du nimmst, verschiebt sich das Ergebnis um mehrere Prozent. Eine Angabe auf zehn SHU genau ist damit rechnerisch nicht darstellbar.

Dazu kommt: SHU sind auf Trockenmasse definiert. Frische Schoten bestehen zu 77 bis 94 Prozent aus Wasser. Der Satz „diese frische Schote hat 1,47 Millionen SHU“ ist methodisch schief, egal wie oft er wiederholt wird. Mehr zum Wirkstoff selbst steht unter Capsaicin — das, was die Chili scharf macht.

Übersichtstabelle zum Belegstatus von Scoville-Angaben verschiedener Superhots
Nicht jede SHU-Zahl hat denselben Rang. Zertifiziert, peer-reviewt, Züchterangabe oder reine Schätzung — die 7 Pot Primo steht in der dritten Kategorie.

Guinness-Anwärter 2013 — und dann nichts

2013 galt die 7 Pot Primo als aussichtsreiche Kandidatin für den Rekord der schärfsten Chili. Zertifiziert wurde sie nie. Den Titel bekam in jenem Jahr die Carolina Reaper von Ed Currie, gemessen an der Winthrop University. Seit Oktober 2023 ist Pepper X mit 2.693.000 SHU als Rekordhalterin anerkannt — nachzulesen bei Guinness World Records.

Wichtig für die Einordnung: Guinness zertifiziert grundsätzlich nur Durchschnittswerte einer Messreihe, nie Spitzenwerte einzelner Früchte. Wer für die 7 Pot Primo 1,79 Millionen SHU nennt, vergleicht also im besten Fall eine Einzelfrucht mit einem Sortenmittel. Die ganze Rekordchronologie steht im Beitrag zur schärfsten Chili der Welt.

Selbst gemessene Werte schwanken enorm

Drei Messungen desselben Carolina Reaper mit stark unterschiedlichen Scoville-Werten
Derselbe Carolina Reaper: 1.641.183 SHU bei der Rekordmessung, rund 1.340.000 im Feldversuch, 518.299 im Hausgarten. Faktor 3,2 zwischen diesen drei Werten — bei einer Sorte mit sauberer Datenlage. Rechnet man die Einzelfrucht-Spitze von 2.200.000 SHU mit, sind es Faktor 4,2.

Beim Carolina Reaper ist dokumentiert, was bei jeder Superhot passiert: Die Rekordmessung ergab 1.641.183 SHU im Durchschnitt, ein Feldversuch des NMSU rund 1.340.000 SHU, und eine Untersuchung an Hausgartenpflanzen (Ivanović et al., IJMS 2025, recherchierbar über PubMed) nur noch 518.299 SHU. Die Ursachen sind Wasserversorgung, Standort, Jahrgang, Reifegrad, Stickstoffversorgung und Labormethodik.

Für dich heißt das: Deine 7-Pot-Primo-Schoten vom Balkon werden mit ziemlicher Sicherheit nicht die Werte erreichen, die auf der Samentüte stehen. Das ist kein Anbaufehler, sondern normal.

Und ein hartnäckiger Tipp ist für Superhots widerlegt: „Weniger gießen macht schärfer“ stimmt so nicht. Jeeatid et al. zeigten in Food Chemistry (2018), dass Wasserstress bei Bhut Jolokia und Orange Habanero den Capsaicinoid-Ertrag senkte. Moderate Trockenheit kann die Konzentration erhöhen, schwerer Stress senkt sie — und der Gesamtertrag geht ohnehin zurück.

Aussehen und Wuchs

Die Schote ist lampionförmig, die Oberfläche unregelmäßig gebeult und narbig, und am Ende sitzt eine lange, dünne Spitze, die oft als „Schwanz“ beschrieben wird. Diese Spitze ist das auffälligste Erkennungsmerkmal. Die Reifung läuft in drei Stufen: grün, dann orange, dann rot. Ausgereift ist die Schote erst in einem satten, gleichmäßigen Rot — orange geerntete Früchte sind unreif.

Die Pflanze wächst buschig und erreicht bei guter Versorgung 80 bis 120 cm. Das ist typisch für chinense: relativ langsam am Anfang, dann kräftig und breit. Bei meinen Habaneros und Reapern brauche ich ab Juli fast immer einen Stab, sobald die Früchte hängen — sonst kippen einzelne Triebe weg. Bei der Primo mit ihrem ähnlichen Habitus würde ich dasselbe einplanen.

Was du beim Saatgutkauf tatsächlich bekommst

Hier muss ich ehrlich sein: Beim 7 Pot Primo ist die Sortenlage unübersichtlich. Es zirkulieren verschiedene Generationen aus unterschiedlichen Selektionslinien, dazu Farbvarianten als Yellow, Peach und Orange. Was davon stabil ist und was noch aufspaltet, lässt sich von außen nicht beurteilen. Es gibt keine offizielle Sortenbeschreibung, an der du eine Lieferung prüfen könntest.

Praktisch heißt das: Du kannst Pflanzen bekommen, die nicht wie die Bilder aussehen, und Schoten, deren Spitze kaum ausgeprägt ist. Kauf bei Anbietern, die die Generation angeben, und erwarte keine Garantie. Wer eigene Samen aus gekauften Schoten gewinnen will, findet das Vorgehen unter Chilisamen gewinnen und lagern — bei einer instabilen Linie ist die nächste Generation dann aber ein Überraschungspaket.

7 Pot Primo anbauen

Monatsraster für den Superhot-Anbau in Deutschland von der Aussaat bis zur Ernte
Der Zeitplan für Superhots ist eng. Wer nach Februar aussät, verschiebt die Reife in den Oktober — und dort entscheidet der erste Frost.

Aussaat: früh, aber nicht panisch

Die 7 Pot Primo gehört zu Capsicum chinense und damit in die frühe Aussaatrunde: Mitte Januar bis Anfang Februar. Ich säe meine chinense-Sorten in diesem Fenster aus und die annuum-Sorten erst Mitte Februar bis Mitte März. Faustregel aus der Forschung: 8 bis 10 Wochen vor dem Auspflanztermin, bei Superhots eher 10 bis 12 Wochen — die keimen langsamer und wachsen anfangs zäh.

Saattiefe rund 6 mm. In Anzuchterde oder Quelltöpfe, nicht in normale Blumenerde — Keimlinge brauchen ein nährstoffarmes Substrat. Die Details stehen im Pillar zur Chili-Aussaat, und wenn du unsicher bist, ob deine Samen noch gut sind, hilft ein Keimtest auf Küchenpapier vor der eigentlichen Aussaat.

Keimung: die Temperatur entscheidet alles

Das ist der Punkt, an dem die meisten Superhot-Anzuchten scheitern. Unter 15 °C keimt gar nichts. Bei 10 °C keimte in NMSU-Versuchen über 21 Tage kein einziger Samen, und eine Untersuchung an C. chinense über elf Temperaturstufen fand zwischen 9 und 15 °C überhaupt keine Keimung. Die Fensterbank über der Heizung ist nachts oft kälter, als man denkt.

Der Praxisbereich liegt bei 25 bis 28 °C Substrattemperatur. Die Quellen widersprechen sich beim exakten Optimum — NMSU nennt 26,7 bis 29,4 °C, andere Arbeiten 24 bis 27 °C. Nimm es als Korridor, nicht als Punktwert. Eine Heizmatte oder ein beheiztes Zimmergewächshaus ist bei chinense-Sorten kein Luxus. Ein fertiges Anzuchtset nimmt dir die Bastelei ab.

Rechne mit 2 bis 4 Wochen Keimdauer, bei chinense laut NMSU auch bis zu 5 Wochen. Bei meinen Ghost Peppers und Reapern kommen die ersten nach etwa zwei Wochen, die letzten teils erst deutlich später. Wirf ein Anzuchtgefäß also nicht nach zehn Tagen weg.

Zweite große Gefahr in dieser Phase: Schimmel. Warm, feucht, abgedeckt — das ist ideal für Pilze. Täglich lüften, nicht überwässern. Was hilft, wenn es schon passiert ist, steht unter Schimmel in der Chili-Anzucht. Ich hatte in meinem ersten Anbaujahr ein massives Schimmelproblem und weiß deshalb, wie schnell das eine ganze Aussaat kostet.

Pikieren

Etwa 3 bis 4 Wochen nach der Keimung, wenn das erste echte Blattpaar da ist. Ab hier darf die Pflanze in nährstoffreicheres Substrat. Fass die Sämlinge an den Keimblättern an, nie am Stängel.

Substrat

Ich mische selbst, nach Augenmaß, nichts abgewogen: rund 50 % torfreduzierte Gemüse- oder Blumenerde, 20 % Kokoshumus, 20 % Perlite oder feiner Blähton, 10 % reifer Kompost, dazu eine Handvoll Hornspäne je 10 Liter. Der grobe Anteil ist der entscheidende Teil — chinense-Wurzeln reagieren empfindlich auf Staunässe. Das ausführliche Rezept steht unter Chili-Erde selbst mischen, Grundlagen im Pillar Chili-Erde.

Topfgröße und Umtopfen

Bei 80 bis 120 cm Wuchshöhe brauchst du Volumen. 15 Liter sind das Minimum, 20 Liter die bessere Wahl. Zu klein bedeutet: ständig trocken, ständiger Stress, weniger Fruchtansatz. Topf lieber in zwei Schritten vergrößern statt den Sämling direkt in den Endtopf zu setzen — mehr dazu unter Topfgröße für Chilipflanzen und Chilipflanzen umtopfen.

Standort und Temperatur

Vollsonne, windgeschützt, warm. Die Temperaturschwellen aus der Praxisliteratur (Queensland DAF): Jugendphase über 10 und unter 31 °C, Blüte und Bestäubung über 15 und unter 28 °C, Fruchtreife über 10 und unter 31 °C. Unter 13 °C wächst so gut wie nichts, leichter Frost tötet die Pflanze.

Bei mir stehen die chinense-Sorten deshalb im Folientunnel. Der verlängert die Saison vorn und hinten spürbar, verschiebt das Problem aber von Kälte zu Hitze — an sonnigen Julitagen wird es darin schnell zu warm, und Lüften ist Pflicht. Auf dem Balkon geht es auch, mit Südwand im Rücken; wie ich das mache, steht unter Chili auf dem Balkon anbauen. Zum Lichtbedarf in der Vorkultur: Wie viel Licht Chilipflanzen brauchen.

Gießen

Gleichmäßig, durchdringend, dann abtrocknen lassen. Keine Dauernässe, aber auch kein Ausdörren. Extreme Wasserversorgung ist einer der stärksten Hebel für schwankende Schärfewerte — in einer Untersuchung von Rathnayaka et al. (Horticulture Journal 2021) lag der Effekt beim Faktor 5,8 bis 11,8. Für dich als Anbauer heißt das vor allem: Stress kostet Ertrag. Details unter Wann und wie oft Chili gießen.

Düngen

Ab etwa vier Wochen nach dem Pikieren regelmäßig, in der Fruchtphase kaliumbetont. Stickstoff korreliert stark mit dem Capsaicinoidgehalt — zu viel davon führt aber zu Blattmasse statt Schoten. Bei einer Sorte mit 120 bis 150 Tagen Reifezeit ist das ein echter Zielkonflikt: Die Pflanze soll früh kräftig werden und dann zügig auf Frucht umschalten. Vorgehen und Mengen unter Chilipflanzen richtig düngen.

Abhärten und Auspflanzen

Ende April bis Anfang Mai beginne ich mit dem Abhärten, über 10 bis 14 Tage. Erst Schatten, dann stundenweise Sonne, nachts wieder rein. Wer diesen Schritt überspringt, holt sich Sonnenbrand auf den Blättern. Mitte Mai, nach den Eisheiligen, kommen die Pflanzen endgültig raus. Den vollständigen Jahresablauf findest du im Pillar Chili anbauen und beim richtigen Zeitpunkt zum Anpflanzen.

Blüte und Fruchtansatz

Der kritischste Abschnitt. Unter etwa 15 °C funktioniert die Befruchtung nicht mehr richtig. Nach oben ist die Grenze weniger scharf, als oft behauptet: Erickson und Markhart zeigten 2002, dass erst eine Dauerexposition von 33 °C über 48 bis 120 Stunden den Fruchtansatz stark reduziert. Ein einzelner heißer Nachmittag wirft also nicht die Blüten ab.

Trotzdem passiert Blütenabwurf regelmäßig, und die Ursachen sind meist andere: Trockenstress, plötzlicher Standortwechsel, zu enger Topf, Überdüngung mit Stickstoff. Die vollständige Ursachenliste steht unter Chiliblüten fallen ab.

Reife und Ernte

Rechne ab dem Auspflanzen mit 120 bis 150 Tagen bis zur Vollreife. Das ist ein Erfahrungs- und Handelswert, keine Studienzahl; die Angaben aller Quellen streuen zwischen 100 und 180 Tagen. In Deutschland fällt die erste Ernte bei chinense damit realistisch auf Ende August bis Mitte September, die Haupternte auf September und Oktober. Die letzten Schoten holst du bis zum ersten Frost.

Reif ist die Schote, wenn sie durchgehend rot ist und sich der Stiel leicht löst. Ernte mit Schere und einem Stück Stiel dran, nicht abreißen. Und ab hier: Handschuhe. Wie du den Reifezeitpunkt beurteilst, steht unter Wann und wie du Chilis erntest.

Typische Probleme

Blattläuse und Spinnmilben sind bei Topfkultur die Dauergäste, im Folientunnel besonders bei trockener Luft. Gelbe Blattspitzen deuten meist auf Nährstoff- oder Gießfehler hin, Blattverlust häufig auf Kälte oder Wurzelprobleme. Ein Überblick über Schädlinge und Krankheiten und der Pillar Chili-Probleme decken den Rest ab.

Zur Mehrjährigkeit: Capsicum chinense ist botanisch mehrjährig und lässt sich frostfrei überwintern, was im Folgejahr einen deutlichen Vorsprung bringt — gerade bei einer Sorte mit so langer Reifezeit. Ich mache das nicht, aus Platzgründen ziehe ich jedes Jahr neu. Wie es geht, steht unter Chilis überwintern.

Verarbeitung

Trocknen

Die dickwandigen, gebeulten chinense-Schoten trocknen an der Luft nur schwer durch — sie schimmeln eher, als dass sie fertig werden. Dörrautomat bei 50 bis 60 °C ist die zuverlässige Variante, Schoten halbiert. Trocknen macht übrigens nicht schärfer, es konzentriert nur; zu hohe Hitze kann Capsaicinoide sogar abbauen. Anleitung unter Chilis trocknen.

Pulver

Nur vollständig durchgetrocknete Schoten mahlen, sonst verklumpt es und verdirbt. Der Mahlvorgang ist der gefährlichste Moment der ganzen Verarbeitung — dazu unten mehr. Vorgehen unter Chilipulver selber machen.

Sauce und Einlegen

Das fruchtige Aroma der 7-Pot-Linie kommt in einer Sauce besser zur Geltung als im Pulver. Rechne mit einer einzigen Schote auf eine größere Charge und gleiche mit Mango, Karotte oder Aprikose aus. Rezeptaufbau unter Hot Sauce selber machen, alternativ Chilis einlegen oder Chiliöl ansetzen.

Dosierung und Lagerung

Fang bei einem Streichholzkopf großen Stück an, nicht bei einer halben Schote. Bei über einer Million SHU ist der Unterschied zwischen „interessant“ und „Abend gelaufen“ wenige Millimeter groß. Getrocknete Schoten und Pulver gehören luftdicht, dunkel und kühl gelagert und deutlich beschriftet — mehr unter Chilis richtig lagern. Alles rund um Ernte und Konservierung sammelt der Pillar Chili ernten und verarbeiten.

Sicherheit im Umgang

Bei einer Sorte in dieser Größenordnung ist Schutzausrüstung keine Übervorsicht. Das National Capital Poison Center empfiehlt Handschuhe aus Gummi, Latex oder Nitril, gutes Lüften beim Verarbeiten und konsequent die Finger aus dem Gesicht.

  • Haut: mit warmem Wasser spülen, Pflanzenöl löst Capsaicin besser als Wasser. Konkrete Mittel unter Chilischärfe von den Händen entfernen.
  • Augen: 15 Minuten mit warmem Wasser spülen. Laut NPIC kann Capsaicin die Augen so stark reizen, dass es vorübergehend zu Sehverlust kommt.
  • Atemwege: Beim Einatmen sofort aus dem Raum. Eingeatmetes Capsaicin führt auch bei Nicht-Asthmatikern zu Husten und Bronchokonstriktion.
  • Mahlen und Dörren: Hier entstehen Aerosole. Eine NIOSH-Untersuchung in einem Chili-Verarbeitungsbetrieb dokumentierte tränende Augen, Nasenbluten und Atembeschwerden. Fenster auf, Dunstabzug an, im Zweifel draußen mahlen.

Zur Einordnung von Horrormeldungen: Es gibt zwei publizierte Einzelfallberichte zu einem reversiblen Gefäßverengungssyndrom nach dem Verzehr sehr scharfer Chilis (BMJ Case Reports 2018, Radiology Case Reports 2020) — beide mit vollständiger Genesung, beide n=1. Der oft zitierte „Speiseröhrenriss“ war ein Boerhaave-Syndrom, also ein mechanischer Riss durch heftiges Erbrechen, keine Verätzung. Was gegen die akute Schärfe wirklich hilft, steht unter Schärfe von Chilis mildern.

Lohnt sich die 7 Pot Primo?

Anbautechnisch ist sie nichts anderes als eine anspruchsvolle chinense: früh aussäen, warm keimen, geduldig sein, großer Topf, geschützter Standort, spät ernten. Wer Habaneros oder Ghost Pepper durchbekommt, bekommt auch diesen durch. Der Unterschied liegt im Zeitplan — 120 bis 150 Tage Reife sind in Deutschland knapp, und ein kühler August kostet dich Schoten.

Was du dir dagegen abschminken kannst, ist die Erwartung, eine exakt definierte Rekordsorte anzubauen. Die Schärfeangaben sind Züchterangaben, die Sortenlage ist unklar, und dein Ertrag wird schärfetechnisch irgendwo landen, wo er landet. Wenn dich das nicht stört und dich die bizarre Schotenform reizt, ist sie eine gute Wahl. Wenn du belastbare Zahlen willst, nimm die Carolina Reaper.

Wie scharf ist die 7 Pot Primo wirklich?

Ehrliche Antwort: Das weiß niemand genau. Es gibt keine zertifizierte und keine peer-reviewte Messung. Kursierende Angaben reichen von 800.000 bis 1.790.000 SHU, am häufigsten genannt werden 1.469.000 SHU. Alle diese Zahlen sind Züchter- oder Händlerangaben.

Warum steht überall die Zahl 1.473.480 SHU?

Sie wird seit Jahren von Shop zu Shop kopiert. Eine Angabe auf zehn SHU genau ist rechnerisch gar nicht darstellbar, weil schon der Umrechnungsfaktor von HPLC-Messwerten zu SHU uneinheitlich ist. Die Scheingenauigkeit ist ein gutes Warnsignal für eine unbelegte Zahl.

War die 7 Pot Primo jemals Guinness-Weltrekordhalterin?

Nein. Sie galt 2013 als Anwärterin, wurde aber nie zertifiziert. Den Titel bekam damals die Carolina Reaper. Seit Oktober 2023 ist Pepper X mit 2.693.000 SHU als Rekordhalterin anerkannt.

Woher kommt der Name 7 Pot?

Aus der Karibik. Eine einzige Schote soll ausreichen, um sieben Kochtöpfe zu würzen. Der Zusatz „Primo“ kommt vom Züchter Troy Primeaux aus Louisiana, der die Sorte aus einer 7-Pot-Linie und Naga Morich gekreuzt hat.

Wann muss ich die 7 Pot Primo aussäen?

Mitte Januar bis Anfang Februar. Als Capsicum chinense braucht sie 10 bis 12 Wochen Vorkultur und danach 120 bis 150 Tage bis zur Vollreife. Wer erst im März sät, erntet in Deutschland kaum noch reife Schoten.

Warum keimen meine Samen nicht?

Fast immer zu kalt. Unter 15 Grad keimt Capsicum chinense überhaupt nicht, der Praxisbereich liegt bei 25 bis 28 Grad Substrattemperatur. Dazu braucht die Art Geduld: 2 bis 4 Wochen sind normal, bis zu 5 Wochen kommen vor.

Welchen Topf braucht die 7 Pot Primo?

Mindestens 15 Liter, besser 20. Die Pflanze wird 80 bis 120 cm hoch und wächst buschig. Ein zu kleiner Topf bedeutet Dauertrockenheit, Stress und deutlich weniger Fruchtansatz.

Macht weniger gießen die Schoten schärfer?

Bei Superhots ist das widerlegt. Jeeatid et al. zeigten 2018 in Food Chemistry, dass Wasserstress bei Bhut Jolokia und Orange Habanero den Capsaicinoid-Ertrag senkte. Moderate Trockenheit kann die Konzentration erhöhen, starker Stress senkt sie und kostet zusätzlich Ertrag.

Bekomme ich beim Saatgutkauf wirklich eine 7 Pot Primo?

Das ist unsicher. Es zirkulieren verschiedene Generationen und Farbvarianten als Yellow, Peach und Orange, und eine offizielle Sortenbeschreibung gibt es nicht. Kauf bei Anbietern, die die Generation angeben, und rechne mit Abweichungen in Form und Farbe.

Zurück zum Überblick: Alle Chilisorten im Überblick

Schreibe einen Kommentar

Nach oben scrollen