Chiltepin – Die wilde Chili aus Mexiko

Die Chiltepin ist die wilde Ausgangsform, aus der alle heutigen Capsicum annuum hervorgegangen sind, von der Jalapeño bis zur Gemüsepaprika. Sie wächst in Mexiko und im Südwesten der USA bis heute wild, wird dort gesammelt statt angebaut und ist mit 50.000 bis 100.000 Scoville deutlich schärfer als ihre Nachkommen.

Wer sie anbauen will, sollte eines vorher wissen: Ihre Samen haben eine Keimruhe. Vier bis acht Wochen bis zum Auflaufen sind normal, und wer nach drei Wochen die Schale ausräumt, wirft Samen weg, die noch gekommen wären. Dazu kommt eine Reifezeit von rund 200 Tagen. Im ersten Jahr wird die Ernte deshalb dünn.

Übersicht der Vorbehandlungen zum Brechen der Keimruhe bei Chiltepin-Samen mit Bewertung der Wirksamkeit
Die Keimruhe ist eine Überlebensstrategie der Wildform, kein Saatgutfehler.

Alle Informationen auf einen Blick

CHILI-LEXIKON

56 Sorten nach Schärfegrad – Sorte antippen für den Steckbrief.

Mild (0 – 999 SHU)

  • Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
  • Habanada (0–100 SHU, Capsicum chinense)
  • Shishito (50–200 SHU, Capsicum annuum)
  • Fushimi (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Banana Pepper (0–500 SHU, Capsicum annuum)
  • Friggitello (100–500 SHU, Capsicum annuum)

Pikant (1.000 – 9.999 SHU)

  • Padrón (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Anaheim (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Poblano (1.000–2.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Cascabel (1.000–3.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Piment d’Espelette (3.000–4.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Mirasol (Guajillo) (2.500–5.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Jalapeño (2.500–8.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Fresno (2.500–10.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Ají Fantasy (5.000–10.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ungarische Wachspaprika (5.000–10.000 SHU, Capsicum annuum)

Mittelscharf (10.000 – 99.999 SHU)

  • Serrano (10.000–23.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Peter Pepper (5.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bishop’s Crown (5.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Peperoncino Calabrese (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Chile de Árbol (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Lemon Drop (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ají Cristal (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Cayenne (30.000–50.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Tabasco (30.000–50.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Ají Charapita (30.000–50.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Ají Amarillo (30.000–50.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Pequin (30.000–60.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Rocoto (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Manzano (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Chiltepin (Tepin) (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bird’s Eye (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Kanthari (50.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Sugar Rush Peach (50.000–100.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Malagueta (60.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)

Sehr scharf (100.000 – 999.999 SHU)

  • Piri Piri (50.000–175.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Datil (100.000–300.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Devil’s Tongue (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Scotch Bonnet (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Orange Habanero (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Madame Jeanette (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Fatalii (125.000–400.000 SHU, Capsicum chinense)
  • White Habanero (200.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Chocolate Habanero (200.000–450.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Red Savina Habanero (248.556–577.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000–1.001.304 SHU, Capsicum chinense)

Extrem (ab 1 Mio. SHU)

  • Naga Morich (900.000–1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Dorset Naga (900.000–1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000–1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Douglah (900.000–1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764–2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Primo (1.469.000–1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Komodo Dragon (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Carolina Reaper (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)

Die interaktive Ansicht braucht JavaScript.

Steckbrief

ArtCapsicum annuum var. glabriusculum
Schärfe50.000–100.000 SHU
Andere NamenTepin, Chiltepín, Bird Pepper, Chile del Monte
HerkunftMexiko, Arizona, Texas: wild wachsend
Fruchtgröße5–8 mm, rund bis oval
Farbe reifLeuchtend rot
Keimdauer4–8 Wochen, gelegentlich länger
AussaatDezember bis Anfang Januar
Reifezeitetwa 200 Tage
Wuchshöhe50–100 cm, buschig und verzweigt
Topfvolumen5–10 l
LebensdauerMehrjährig; im Freiland ihrer Heimat mehrere Jahrzehnte

Warum die Keimung so schwierig ist

Das ist der Punkt, an dem die meisten Anzuchten scheitern, und der Grund dafür ist interessanter als „schlechtes Saatgut“.

Chiltepin wird in der Natur von Vögeln verbreitet. Die kleinen roten Schoten stehen aufrecht und leuchten weithin sichtbar; Vögel fressen sie, weil sie Capsaicin nicht als Schärfe wahrnehmen, und scheiden die Samen an anderer Stelle wieder aus. Auf dem Weg durch den Verdauungstrakt wird die harte Samenschale angegriffen, und erst danach keimt der Samen zuverlässig.

Ohne diesen Reiz bleibt ein Teil der Samen schlicht liegen. Aus Sicht der Pflanze ist das sinnvoll: Es verhindert, dass alle Samen einer Frucht gleichzeitig unter der Mutterpflanze auflaufen. In der Anzuchtschale ist es lästig.

Kultursorten haben diese Eigenschaft weitgehend verloren. Sie sind über Jahrtausende auf schnelle und gleichmäßige Keimung selektiert worden. Deshalb keimt eine Jalapeño in sieben Tagen und ihre wilde Urform in sieben Wochen.

Was hilft

  • Früh aussäen. Dezember bis Anfang Januar. Bei 200 Tagen Reifezeit und wochenlanger Keimung ist alles danach zu spät.
  • Gleichmäßige Wärme. 25 bis 28 °C, konstant. Eine Heizmatte mit Thermostat ist bei dieser Sorte kein Luxus.
  • Nicht austrocknen lassen. Über sechs Wochen gleichmäßig feucht zu halten ist die eigentliche Arbeit. Hier hilft Gießen von unten, das gleichzeitig Schimmel auf der Anzuchterde vorbeugt.
  • Mehr aussäen als nötig. Bei Keimraten unter 50 % ist das die einfachste Absicherung.
  • Geduld. Die Schale erst nach acht Wochen aufgeben, nicht nach dreien.

Zu den Vorbehandlungen kursieren viele Rezepte: Salpeterlösung, Anritzen der Samenschale, Kältereiz, Guanolösung. Am besten belegt ist die Salpeterbehandlung; das Anritzen wirkt ebenfalls, ist bei fünf Millimeter großen Samen aber fummelig. Kamillentee und ähnliche Hausmittel schaden nicht, aber ihre Wirkung ist nicht belastbar nachgewiesen. Grundsätzliches zur Keimung steht unter Chilisamen keimen lassen.

Anbau und Ertrag

Ist die Keimung überstanden, ist die Pflanze selbst robust. Sie stammt aus einer Umgebung, in der niemand gießt. Trockenheit steckt sie besser weg als jede Kultursorte.

Sie wächst langsam und bleibt kompakt, mit vielen dünnen Verzweigungen. 5 bis 10 Liter Topfvolumen reichen. Sie gehört zu den wenigen Sorten, bei denen ein kleiner Topf kein Nachteil ist.

Der Ertrag ist im ersten Jahr enttäuschend. Bei 200 Tagen Reifezeit kommt eine im Januar gesäte Pflanze erst im Spätsommer in Gang, und viele Schoten werden nicht mehr rot. Im zweiten Jahr trägt sie deutlich besser. Das ist die Sorte, bei der sich Überwintern am ehesten lohnt.

Ich ziehe meine Pflanzen trotzdem jedes Jahr neu, weil mir der Platz im Winterquartier fehlt. Wer den Platz hat, sollte bei Chiltepin eine Ausnahme machen: Sie ist klein, verträgt einen kühlen hellen Standort gut, und der Unterschied zwischen erstem und zweitem Jahr ist bei ihr größer als bei jeder anderen Sorte. Wie das geht, steht unter Chilis überwintern.

Sammeln statt anbauen

Ein Detail, das die Sorte von jeder anderen im Handel unterscheidet: Chiltepin wird bis heute überwiegend wild gesammelt, nicht angebaut. Kommerzielle Anbauversuche bleiben hinter dem zurück, was die Pflanze in ihrer natürlichen Umgebung liefert. Meist wächst sie dort im Halbschatten größerer Sträucher, die ihr Schutz vor Mittagssonne und Frost geben.

Das ist auch ein brauchbarer Hinweis für den eigenen Topf: Volle Mittagssonne den ganzen Tag ist für diese Sorte nicht die beste Wahl. Ein Platz mit Morgen- und Nachmittagssonne kommt ihrer Herkunft näher, und erklärt, warum sie in einem Beet zwischen höheren Pflanzen oft besser aussieht als allein auf der Terrasse.

Was bei Chiltepin schiefgeht

BeobachtungUrsacheWas hilft
Nach vier Wochen keimt nichtsKeimruhe der Wildform, dazu harte Samenschale24 Stunden in lauwarmem Wasser vorquellen, dann 28 °C, bis zu sechs Wochen warten
Sämlinge wachsen extrem langsamWildformen legen erst Wurzeln an, dann BlattmasseNicht überdüngen, Geduld. Der Schub kommt im Juni
Erste Saison bringt kaum ErtragRund 200 Tage ReifezeitÜberwintern. Im zweiten Jahr trägt die Pflanze deutlich besser
Schoten fallen beim Anfassen abSortentypisch, die reifen Beeren lösen sich leichtIst so gewollt. Schale unterhalten und abstreifen
Pflanze bleibt klein und sparrigWildform, kein ZuchtwuchsNormal. Der Ertrag steckt in der Zahl der Beeren

Der leichte Fruchtfall ist das Merkmal, an dem man die Wildform erkennt. Vogelverbreitete Chilis lösen sich bei Reife von selbst, damit sie überhaupt gefressen und weitergetragen werden. Was im Beet lästig wirkt, ist der Grund, warum die Art es von Mexiko bis in den Südwesten der USA geschafft hat.

Geschmack und Verwendung

Die Schärfe kommt sofort, ist heftig und klingt schnell wieder ab, anders als bei den chinense-Sorten, deren Schärfe langsam aufbaut und minutenlang bleibt. Geschmacklich ist sie rauchig-nussig, mit deutlich mehr Eigencharakter, als die Größe vermuten lässt.

In Mexiko wird sie überwiegend getrocknet und zwischen den Fingern zerrieben über das Essen gegeben. Dafür ist sie ideal: Die winzigen Schoten trocknen in wenigen Tagen komplett durch und halten sich jahrelang.

  • Getrocknet und zerrieben: Die klassische Verwendung. Zwei bis drei Schoten würzen einen Topf.
  • In Essig eingelegt: Ganz, mit Knoblauch und Oregano.
  • In Chiliöl: Getrocknet verwenden, nie frisch.
  • Als Ziersorte: Die aufrecht stehenden roten Kugeln an einer kompakten Pflanze sehen gut aus. Sie wird auch deshalb kultiviert.

Lohnt sich die Sorte?

Als Ertragspflanze: nein. Für die Menge, die eine Chiltepin liefert, baut man in derselben Zeit das Zehnfache an Cayenne an.

Als Sorte mit Geschichte: durchaus. Man zieht hier die Pflanze, aus der alles andere entstanden ist. Mit einem Geschmack, den keine Kultursorte hat, und einer Keimung, die einem beibringt, was Geduld in der Anzucht heißt. Für den Einstieg ist sie trotzdem die falsche Wahl; wer zum ersten Mal Chili anbaut, fängt besser mit einer Jalapeño an.

Häufige Fragen

Wie scharf ist Chiltepin?

50.000 bis 100.000 Scoville, also etwa auf dem Niveau einer Bird’s Eye und deutlich schärfer als eine Jalapeño. Die Schärfe setzt sofort ein und klingt schnell wieder ab, anders als bei Habanero und Verwandten, wo sie langsam aufbaut und lange bleibt.

Warum keimen meine Chiltepin-Samen nicht?

Die Wildform hat eine Keimruhe. In der Natur werden die Samen von Vögeln gefressen, und erst die Darmpassage weicht die harte Schale auf. Vier bis acht Wochen sind normal, gelegentlich dauert es länger. Der häufigste Fehler ist, zu früh aufzugeben.

Was ist der Unterschied zwischen Chiltepin und Tepin?

Keiner. Es sind zwei Namen für dieselbe Pflanze. „Chiltepin“ ist die in Mexiko gebräuchliche Form, „Tepin“ die verkürzte. Pequin oder Piquin bezeichnet dagegen eine verwandte, aber länglichere Wildform.

Wann muss ich Chiltepin aussäen?

Dezember bis Anfang Januar. Bei einer Keimdauer von bis zu acht Wochen und rund 200 Tagen Reifezeit ist alles Spätere zu knapp. Dann bleibt der größte Teil der Schoten grün.

Trägt Chiltepin im ersten Jahr?

Wenig. Sie wächst langsam und kommt erst im Spätsommer richtig in Gang. Im zweiten Jahr trägt sie deutlich besser. Das ist die Sorte, bei der sich Überwintern am ehesten lohnt.

Ist Chiltepin wirklich die Urform aller Chilis?

Für die Art Capsicum annuum ja: Jalapeño, Cayenne, Serrano, Poblano und die Gemüsepaprika gehen auf diese Wildform zurück. Die anderen Capsicum-Arten wie chinense oder baccatum haben eigene Wildvorfahren.

Wie viel Wasser braucht Chiltepin?

Weniger als Kultursorten. Sie stammt aus halbtrockenen Gebieten und verträgt kurze Trockenphasen deutlich besser als eine Habanero. Staunässe schadet ihr dagegen schnell. Lieber zu wenig als zu viel.

Kann ich Samen aus gekauften getrockneten Schoten ziehen?

Ja, wenn sie schonend getrocknet wurden. Chiltepin wird meist in der Sonne getrocknet, was die Keimfähigkeit erhält. Rechne trotzdem mit der langen Keimruhe und mach vorher einen Keimtest. Der Ablauf steht unter getrocknete Chilisamen einpflanzen.

Weiterlesen: Capsicum-Arten · Pequin oder Piquin · Chili aussäen

Schreibe einen Kommentar

Nach oben scrollen