Die Devil’s Tongue ist keine gezüchtete Superhot. Die Sortengeschichte, die überall erzählt wird, geht so: In den 1990er Jahren fiel in einem Habanero-Beet in Pennsylvania eine Pflanze mit anders geformten Schoten auf, und jemand ließ sie stehen, statt sie auszureißen. Eine Primärquelle dafür gibt es nicht — das ist Überlieferung aus der Saatgutszene, keine dokumentierte Sortenanmeldung. Was die Geschichte trotzdem gut erklärt: Die Devil’s Tongue ist eine Habanero, die aus der Reihe getanzt ist. Fruchtig, deutlich schärfer als der Durchschnitt, aber weit unterhalb dessen, was Carolina Reaper oder Ghost Pepper anrichten.
Ich baue die Devil’s Tongue nicht selbst an. Das schreibe ich lieber offen hin, als es zu kaschieren. Was ich anbaue, sind ihre engen Verwandten: Orange Habanero, Chocolate Habanero, Scotch Bonnet, dazu Carolina Reaper und Ghost Pepper. Alles Capsicum chinense, alles aus derselben Kulturschublade. Wo ich aus dieser Erfahrung verallgemeinere, sage ich es dazu. Alle weiteren Porträts findest du in der Übersicht aller Chilisorten.

Steckbrief Devil’s Tongue
| Schärfe | 125.000–325.000 SHU — Händler- und Schätzangabe, keine Labormessung; einzelne Shops nennen über 500.000 SHU |
| Capsicum-Art | Capsicum chinense |
| Herkunft | Überlieferung: Zufallsfund der 1990er Jahre in einem Habanero-Beet in Pennsylvania (Amish Country), USA — ohne dokumentierte Primärquelle |
| Keimdauer | 2–5 Wochen bei 25–28 °C Substrattemperatur |
| Aussaat | Mitte Januar bis Anfang Februar |
| Reifezeit | ca. 120–150 Tage ab Auspflanzen (Handelsangabe, keine geprüfte Quelle) |
| Wuchshöhe | etwa 70–120 cm (Handelsangaben), im Topf am unteren Ende der Spanne |
| Topfgröße | mindestens 10 l, besser 15 l Endtopf |
| Eignung für Deutschland | gut — mit Vorkultur ab Januar und geschütztem Standort; im Folientunnel deutlich sicherer |
| Selbst angebaut | nein |
Der Zufallsfund im Habanero-Beet
Die verbreitete Herkunftsgeschichte geht so: In den 1990er Jahren stand in Pennsylvania, im Gebiet der Amish-Gemeinden, ein Habanero-Beet. Zwischen den normalen Pflanzen fiel eine auf, deren Schoten anders aussahen — länger, spitz zulaufend, mit einer gebogenen Spitze, die jemanden an eine herausgestreckte Zunge erinnerte. Aus dieser einen Pflanze wurde über Nachbauten die Sorte, die heute als Devil’s Tongue gehandelt wird.
Belegt ist davon nichts. Es gibt keinen Namen des Finders, kein Jahr, keine Veröffentlichung — die Geschichte steht in Shop-Beschreibungen und Sortenlisten und wird von dort weitergereicht. Ich schreibe sie trotzdem auf, weil sie überall auftaucht und du sie einordnen können sollst: als Sortenlegende, nicht als Quelle.
Wenn sie stimmt, ist das ein wichtiger Unterschied zu fast allen anderen Sorten in diesem Schärfebereich. Carolina Reaper und Pepper X sind über Jahre gezielt gekreuzte Züchtungen von Ed Currie, Naga Viper ist ein bewusst gebauter Dreifach-Hybrid, der als instabil gilt und dessen Rekordwert auf einer einzigen Labormessung von 2010 beruht. Die Devil’s Tongue wäre dagegen nur eine Habanero, bei der die Natur einmal danebengegriffen hat und jemand aufmerksam genug war, die Samen aufzuheben. Solche spontanen Mutationen sind bei Capsicum chinense nicht selten — die Art ist genetisch beweglich, was ihr die Sortenvielfalt von Capsicum chinense gegenüber den anderen Capsicum-Arten überhaupt erst eingebracht hat.
Die Art selbst stammt aus dem Amazonasbecken und kam über die Karibik nach Norden. Der alte Verweis auf Guyana und Surinam, den viele deutsche Seiten für die Devil’s Tongue abschreiben, betrifft die Verbreitungsgeschichte der Art Capsicum chinense — nicht diese Sorte.
Wie scharf ist die Devil’s Tongue wirklich?
Ehrliche Antwort: Das weiß niemand genau. Es gibt für die Devil’s Tongue keine veröffentlichte Labormessung — weder vom Chile Pepper Institute der New Mexico State University, das für viele Sorten eigene HPLC-Werte führt, noch aus einer peer-reviewten Studie. Die überall kursierende Spanne 125.000 bis 325.000 SHU ist eine Händler- und Schätzangabe in Anlehnung an Habanero. Sie ist plausibel, aber sie ist kein Messwert.
Manche Shops und Portale nennen für dieselbe Sorte über 500.000 SHU. Das ist kein Beleg für schwankende Früchte, sondern für schwankende Quellen: Irgendwann hat jemand eine Zahl aufgeschrieben, und der Rest hat abgeschrieben. Bei einer Sorte ohne Referenzmessung gibt es nichts, woran man das korrigieren könnte.

Warum SHU-Zahlen ohnehin nur Näherungen sind
Auch dort, wo gemessen wird, ist der Wert kein Naturgesetz. Der Scoville-Wert wird seit den 1980ern per HPLC bestimmt und aus dem Capsaicinoid-Gehalt hochgerechnet — und der hängt an Wasserversorgung, Standort, Jahrgang, Reifegrad und Stickstoffversorgung. Beim Carolina Reaper sind vier sehr unterschiedliche Zahlen dokumentiert: 1.641.183 SHU als Guinness-zertifizierter Durchschnitt, 2.200.000 SHU an einer Einzelfrucht (ein Spitzenwert, kein Sortenwert), rund 1.340.000 SHU im Feldversuch und 518.299 SHU in einer Hausgarten-Untersuchung. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten dieser Werte liegt Faktor 4,2 — dieselbe Sorte. Wie das zustande kommt, steht ausführlicher auf der Seite zur Scoville-Skala und zum Wirkstoff Capsaicin.
Für dich im Garten heißt das: Deine Devil’s Tongue wird ziemlich sicher irgendwo im Habanero-Bereich landen. Ob am oberen oder unteren Ende, entscheidet dein Sommer.
Gelb, rot oder Chocolate — das Namensproblem
Unter der Bezeichnung Devil’s Tongue laufen im Saatguthandel mindestens drei verschiedene Farbschläge: eine gelbe, eine rote und eine braune Chocolate-Variante. Die gelbe gilt als die ursprüngliche. Die anderen sind teils Selektionen, teils schlicht anders benannte Sorten, die jemand unter dem griffigeren Namen verkauft hat.
Wenn du Samen bestellst, weißt du deshalb oft nicht sicher, was in der Tüte ist. Das ist kein Drama — geschmacklich liegen die Varianten nah beieinander —, aber du solltest damit rechnen, dass die Schoten anders reifen als auf dem Produktfoto. Was hilft:
- Farbe explizit in der Sortenbezeichnung suchen: „Devil’s Tongue Yellow“, „Devil’s Tongue Red“
- Bei Anbietern kaufen, die Erhaltungszucht betreiben und die Herkunft der Linie angeben
- Wenn dir eine bestimmte Pflanze gefällt: eigene Samen gewinnen und die Linie selbst weiterführen
- Vor der Aussaat einen Keimtest auf Küchenpapier machen — gerade bei seltenen Sorten sind alte, tote Samen ein häufiges Problem
Geschmack: fruchtig, habanero-artig, mit eigener Note
Die Devil’s Tongue wird durchgängig als fruchtig beschrieben, in Richtung Aprikose und Zitrus, mit einer etwas dickeren, festeren Fruchtwand als eine klassische Habanero. Wer Habanero-Aroma mag, wird sie mögen. Wer es nicht mag, wird auch hier den typischen chinense-Ton herausschmecken — der ist bei allen Sorten dieser Art da.
Und jetzt der Punkt, der die Sorte für mich interessant macht: Die Schärfe liegt im oberen Habanero-Bereich, nicht im Superhot-Bereich. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber der eigentliche Reiz. Eine Carolina Reaper baue ich an, weil ich sie anbauen will — essen kann ich davon pro Jahr vielleicht eine Handvoll Schoten, der Rest wird Pulver oder Sauce in homöopathischer Dosierung. Bei meinen Scotch Bonnets und Orange Habaneros ist das anders: Die verkoche ich tatsächlich. Sie sind scharf, aber die Schärfe bleibt bedienbar.
Die Devil’s Tongue liegt genau in diesem Fenster. Wenn du von den schärfsten Chilis der Welt kommst und merkst, dass du damit im Alltag nichts anfangen kannst, ist sie ein sinnvoller Schritt zurück — ohne dass es langweilig wird.
Devil’s Tongue anbauen
Kulturell gibt es keinen Grund, sie anders zu behandeln als eine Habanero. Ich beschreibe hier den Ablauf, den ich bei meinen chinense-Sorten fahre — er passt eins zu eins. Die Grundlagen dazu stehen ausführlich unter Chili anbauen.

Aussaat und Keimung
Aussaat zwischen Mitte Januar und Anfang Februar. Das ist früh, und es ist bei chinense-Sorten nicht verhandelbar: Sie brauchen von der Aussaat bis zur ersten reifen Schote deutlich länger als eine Jalapeño. Wer im März anfängt, erntet im Oktober grüne Früchte.
Saattiefe rund 6 mm, in nährstoffarme Anzuchterde oder Quelltöpfe — nicht in die reguläre Chili-Erde. Entscheidend ist die Temperatur: Unter 15 °C keimt gar nichts. In einer Untersuchung an Capsicum chinense über elf Temperaturstufen keimte zwischen 9 und 15 °C kein einziger Samen. Die New Mexico State University beobachtete separat bei 10 °C über 21 Tage ebenfalls keine Keimung. Der Praxisbereich liegt bei 25–28 °C Substrattemperatur, die höchsten Keimraten werden bei etwa 24–27 °C berichtet — ein Korridor, kein Punktwert, denn die Quellen widersprechen sich im Optimum. Eine Heizmatte oder ein warmer Platz über der Heizung ist keine Verfeinerung, sondern die Voraussetzung.
Geduld: 2 bis 4 Wochen sind normal, bei chinense können es bis zu 5 Wochen werden. Die Details zur Vorgehensweise stehen unter Chili-Aussaat und Anzucht.
Pikieren, Substrat und Topfgröße
Pikiert wird 3 bis 4 Wochen nach der Keimung, sobald das erste echte Blattpaar da ist. Ab da darf es nährstoffreicher werden. Meine Mischung sind grob 50 % torfreduzierte Gemüseerde, 20 % Kokoshumus, 20 % Perlite oder feiner Blähton, 10 % reifer Kompost, dazu eine Handvoll Hornspäne je 10 Liter. Nichts davon wiege ich ab. Wie ich das ansetze, steht unter Chili-Erde selbst mischen.
Beim Endtopf würde ich bei einer Devil’s Tongue nicht sparen. 10 Liter sind das Minimum, 15 Liter machen den Unterschied — vor allem beim Gießen, weil ein größerer Topf im Hochsommer nicht binnen eines halben Tages austrocknet. Welche Größe wann sinnvoll ist, habe ich unter Topfgröße für Chilipflanzen und beim Umtopfen aufgeschrieben.
Abhärten, Standort und Auspflanzen
Abhärten ab Ende April bis Anfang Mai, über 10 bis 14 Tage. Erst eine Stunde Schatten, dann länger, dann Sonne. Wer diesen Schritt überspringt, holt sich Sonnenbrand auf den Blättern — weiße, papierne Flecken, die nicht mehr weggehen.
Raus geht es Mitte Mai, nach den Eisheiligen. Standort: vollsonnig und windgeschützt. Meine chinense-Sorten stehen im Folientunnel, weil sie dort mehr Wärmesumme bekommen — auf dem Balkon funktioniert es aber genauso, wenn die Wand nach Süden zeigt. Wie viel Licht nötig ist, steht unter Lichtbedarf von Chilipflanzen.
Zu den Temperaturgrenzen gibt es belastbare Zahlen: Für Blüte und Bestäubung gelten etwa 15 °C als Untergrenze und 28 °C als Obergrenze. Unter 15 °C funktioniert die Befruchtung nicht mehr richtig, unter 13 °C wächst kaum etwas. Nach oben ist es kein einzelner heißer Tag, der schadet — erst rund 33 °C über 48 bis 120 Stunden Dauerexposition drücken den Fruchtansatz messbar. Im Folientunnel wird Lüften dadurch zur Pflicht: Der verschiebt das Problem von Kälte zu Hitze.
Gießen und Düngen
Gleichmäßig gießen, lieber durchdringend und dann eine Pause, als jeden Tag ein Schlückchen. Der oft weitergereichte Tipp „weniger gießen macht schärfer“ ist für Sorten dieser Gruppe nicht haltbar: In einer Untersuchung an Bhut Jolokia und Orange Habanero senkte Wasserstress den Capsaicinoid-Ertrag, statt ihn zu erhöhen. Moderate Trockenheit kann die Konzentration anheben, schwere senkt sie — und die Gesamtmenge sinkt sowieso, weil weniger Schoten wachsen. Details zum Rhythmus unter Chili gießen.
Gedüngt wird ab dem Umtopfen in den Endtopf, regelmäßig und maßvoll. Stickstoff hat einen starken Einfluss auf den Capsaicinoid-Gehalt, also nicht auf null fahren — aber auch nicht überdrehen, sonst bekommst du eine große grüne Pflanze mit wenig Früchten. Mein Vorgehen steht unter Chilipflanzen düngen.
Blüte, Reife und typische Probleme
Die erste Blüte kommt bei chinense spät, und die ersten Blüten fallen oft ab. Das ist normal und meist eine Reaktion auf Temperaturschwankungen, Zugluft oder Trockenstress. Was dahintersteckt, habe ich unter Chiliblüten fallen ab auseinandergenommen.
Weitere Klassiker in der Kultur: Schimmel auf der Anzuchterde bei zu wenig Luftbewegung (Schimmel in der Anzucht), gelbe Blattspitzen als Nährstoff- oder Gießfehler, Blattfall nach Standortwechsel (Chili verliert Blätter) sowie Blattläuse und Spinnmilben, besonders unter Folie. Eine Übersicht dazu liefern die Seiten zu Schädlingen und Krankheiten und zu den häufigsten Problemen bei Chilipflanzen.
Ernte
Bei chinense-Sorten fällt die erste Ernte in mein Zeitfenster Ende August bis Mitte September, die Haupternte in September und Oktober. Bis zum ersten Frost kommt dann noch nach, was reif wird. Für die Devil’s Tongue heißt reif: durchgefärbt in der Farbe der Linie, die du gekauft hast — bei der gelben Variante ein sattes, gleichmäßiges Gelb ohne grüne Reste.
Ich schneide die Schoten mit einem Stück Stiel ab, statt sie abzureißen. Das schont die Pflanze und die Frucht hält sich länger. Mehr dazu unter Chilis ernten und im Pillar Ernten und Verarbeiten.
Grundsätzlich ist eine Chilipflanze mehrjährig und kann über mehrere Saisons tragen. Ich ziehe trotzdem jedes Jahr neu, weil mir im Winter schlicht der Platz fehlt. Wenn du es anders halten willst, steht das Vorgehen unter Chilis überwintern.
Verarbeitung und Lagerung
Trocknen. Die Fruchtwand der Devil’s Tongue gilt als vergleichsweise dick und fleischig — an der Luft trocknet die Schote deshalb langsam und schimmelt leicht. Dörrgerät bei 50 bis 60 °C ist der sichere Weg. Wichtig zum Mitschreiben: Trocknen macht nichts schärfer, es entzieht nur Wasser und konzentriert damit den Geschmack. Heißluft kann Capsaicinoide sogar abbauen. Die Verfahren im Detail stehen unter Chilis trocknen.
Pulver. Aus meinen Orange Habaneros wird beim Mahlen ein orange-gelbes Pulver mit deutlichem Fruchtton — bei einer gelben Devil’s Tongue ist nichts anderes zu erwarten. Wie ich dabei vorgehe, steht unter Chilipulver selber machen.
Sauce. Hier liegt vermutlich die Stärke der Sorte. Ein fruchtiger Habanero-Ton trägt eine helle Sauce mit Mango, Aprikose oder Karotte, ohne dass die Schärfe alles plattwalzt — das ist bei einer Reaper anders, da bleibt am Ende nur Feuer. Rezeptrahmen unter Hot Sauce selber machen, alternativ eingelegt oder als Chiliöl.
Dosierung. Bei meinen Habaneros rechne ich mit einer halben bis einer ganzen Schote für einen Topf Sauce. Die Devil’s Tongue liegt im selben Schärfebereich, also ist das der Startpunkt: heranstasten und nachgeben, statt hinterher retten. Gelagert wird trocken, dunkel und luftdicht — Pulver verliert im Licht Farbe und Aroma. Was sonst noch geht, steht unter Chilis lagern.
Sicherheit beim Umgang
Auch wenn die Devil’s Tongue keine Superhot ist — eine Schote im Habanero-Bereich reicht völlig, um dir mit ungeschützten Fingern den Abend zu verderben. Das National Capital Poison Center empfiehlt Handschuhe aus Gummi, Latex oder Nitril, gutes Lüften beim Kochen und Finger weg von Gesicht und Augen. Erste Hilfe: Haut mit warmem Wasser spülen, Pflanzenöl hilft zusätzlich; Augen 15 Minuten mit reichlich warmem Wasser spülen; bei Einatmen sofort weg von der Quelle.
Der unterschätzte Moment ist nicht das Schneiden, sondern das Mahlen und Dörren. Dort entstehen Aerosole. Capsaicin reizt die Augen stark und kann beim Einatmen Husten und Atemnot auslösen, auch bei Leuten ohne Asthma. Eine Untersuchung in einem Chili-Verarbeitungsbetrieb dokumentierte tränende Augen, Nasenbluten und Atembeschwerden. Also: Fenster auf, Dörrgerät nicht in die Küche, Mühle draußen öffnen. Wenn doch etwas danebengeht, hilft die Seite Chilischärfe von den Händen entfernen.
Devil’s Tongue im Vergleich mit dem, was ich selbst anbaue
| Sorte | SHU | Belegstatus | Von mir angebaut |
| Orange Habanero | 250.000 (Einzelwert), Korridor 100.000–350.000 | gemessen (NMSU CPI) | ja |
| Devil’s Tongue | 125.000–325.000 | Schätzung, nur Händlerangabe | nein |
| Scotch Bonnet | 350.000 (Einzelwert), Korridor 100.000–350.000 | gemessen (NMSU CPI) | ja |
| Chocolate Habanero | 700.000 (NMSU CPI) gegen 250.000–577.000 (Portale) | widersprüchlich | ja |
| Ghost Pepper / Bhut Jolokia | 1.001.304 (Durchschnitt) | peer-reviewed | ja |
| Carolina Reaper | 1.641.183 (Durchschnitt); 2.200.000 nur als Einzelfrucht | zertifiziert | ja |
Die Tabelle zeigt zweierlei. Erstens: Die Devil’s Tongue sitzt mitten im Habanero-Feld, nicht darüber. Zweitens — und das ist mir wichtiger: Sie ist die einzige Zeile ohne Messung. Wer dir eine exakte Zahl für diese Sorte nennt, hat sie sich nicht selbst erarbeitet.
Kulturell nehmen sich alle sechs Sorten nichts. Der einzige echte Unterschied im Beet ist, dass Carolina Reaper und Ghost Pepper bei mir am spätesten reifen. Eine Devil’s Tongue wäre in diesem Feld die pflegeleichteste — Habanero-Timing, Habanero-Anspruch. Wie eine Chilipflanze grundsätzlich tickt, habe ich separat aufgeschrieben.
Mein Fazit
Die Devil’s Tongue ist keine Rekordsorte und will auch keine sein. Sie gilt als Zufallsfund aus einem Habanero-Beet, den jemand für gut genug hielt, sie weiterzugeben — und sie ist genau deswegen brauchbar: scharf genug, dass es zählt, mild genug, dass du sie tatsächlich verkochst. Wenn du bei den Superhots angekommen bist und feststellst, dass am Ende doch nur Pulver im Schrank steht, das keiner benutzt, ist das hier eine Sorte, die im Alltag ankommt.
Nimm die kursierenden SHU-Zahlen mit Abstand, kauf Saatgut mit Farbangabe, und behandle die Pflanze wie eine Habanero. Dann passt das.
Häufige Fragen zur Devil’s Tongue
Wie scharf ist die Devil’s Tongue?
Die kursierende Angabe lautet 125.000 bis 325.000 SHU, einzelne Shops nennen über 500.000 SHU. Beide Zahlen sind Händler- und Schätzangaben in Anlehnung an Habanero — für die Devil’s Tongue existiert keine veröffentlichte Labormessung. Realistisch liegt sie im oberen Habanero-Bereich, nicht im Superhot-Bereich.
Woher kommt die Devil’s Tongue?
Überliefert ist ein Zufallsfund der 1990er Jahre in einem Habanero-Beet in Pennsylvania, im Gebiet der Amish-Gemeinden — eine natürliche Mutation, keine gezielte Züchtung. Eine Primärquelle dafür gibt es nicht, die Geschichte stammt aus Shop- und Sortenbeschreibungen. Die Art Capsicum chinense selbst stammt aus dem Amazonasbecken.
Warum gibt es gelbe, rote und braune Devil’s Tongue?
Weil der Name im Handel nicht geschützt und nicht einheitlich verwendet wird. Die gelbe Variante gilt als die ursprüngliche, die roten und Chocolate-Varianten sind teils Selektionen, teils umbenannte Sorten. Achte beim Saatgutkauf auf eine explizite Farbangabe.
Wann muss ich Devil’s Tongue aussäen?
Zwischen Mitte Januar und Anfang Februar, wie alle Capsicum-chinense-Sorten. Sie brauchen deutlich länger bis zur Reife als annuum-Sorten. Wer erst im März aussät, hat im Oktober grüne Schoten an der Pflanze.
Wie lange keimen die Samen?
Zwei bis vier Wochen sind normal, bei Capsicum chinense können es bis zu fünf Wochen werden. Voraussetzung sind 25 bis 28 °C Substrattemperatur. Unter 15 °C keimt gar nichts — bei 10 °C tat sich in Versuchen auch nach 21 Tagen nichts.
Welche Topfgröße braucht die Pflanze?
Mindestens 10 Liter im Endtopf, 15 Liter sind besser. Der größere Topf trocknet im Hochsommer nicht binnen eines halben Tages aus, und genau das ist der häufigste Stressfaktor bei Topfkultur.
Wird die Chili schärfer, wenn ich weniger gieße?
Für Sorten dieser Gruppe ist das nicht belegt. Eine Untersuchung an Bhut Jolokia und Orange Habanero zeigte sogar einen gesunkenen Capsaicinoid-Ertrag unter Wasserstress. Moderate Trockenheit kann die Konzentration anheben, schwerer Stress senkt sie — und die Erntemenge sinkt in jedem Fall.
Baust du die Devil’s Tongue selbst an?
Nein. Ich baue Orange Habanero, Chocolate Habanero, Scotch Bonnet, Ghost Pepper und Carolina Reaper an — alles Capsicum chinense. Alles, was ich hier zur Kultur schreibe, stammt aus dieser Erfahrung und ist auf die Devil’s Tongue übertragbar, weil sie dieselben Ansprüche hat.
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