Die Datil ist eine Capsicum chinense mit 100.000 bis 300.000 Scoville, also im Bereich einer Habanero. Der Unterschied liegt im Verlauf: Sie schmeckt vorne deutlich süßer, und die Schärfe baut sich langsam auf, statt sofort zuzuschlagen.
Beim Anbau verhält sie sich wie jede chinense: Aussaat Mitte Januar, 100 bis 120 Tage Reifezeit, geschützter Standort. Ungewöhnlich ist ihre Herkunft. Sie wird fast ausschließlich rund um St. Augustine in Florida angebaut und ist damit eine der regional am engsten gebundenen Chilisorten überhaupt.

Alle Informationen auf einen Blick
CHILI-LEXIKON
56 Sorten nach Schärfegrad – Sorte antippen für den Steckbrief.
Mild (0 – 999 SHU)
- Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
- Habanada (0–100 SHU, Capsicum chinense)
- Shishito (50–200 SHU, Capsicum annuum)
- Fushimi (0–500 SHU, Capsicum annuum)
- Banana Pepper (0–500 SHU, Capsicum annuum)
- Friggitello (100–500 SHU, Capsicum annuum)
Pikant (1.000 – 9.999 SHU)
- Padrón (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Anaheim (500–2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Poblano (1.000–2.000 SHU, Capsicum annuum)
- Cascabel (1.000–3.000 SHU, Capsicum annuum)
- Piment d’Espelette (3.000–4.000 SHU, Capsicum annuum)
- Mirasol (Guajillo) (2.500–5.000 SHU, Capsicum annuum)
- Jalapeño (2.500–8.000 SHU, Capsicum annuum)
- Fresno (2.500–10.000 SHU, Capsicum annuum)
- Ají Fantasy (5.000–10.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ungarische Wachspaprika (5.000–10.000 SHU, Capsicum annuum)
Mittelscharf (10.000 – 99.999 SHU)
- Serrano (10.000–23.000 SHU, Capsicum annuum)
- Peter Pepper (5.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bishop’s Crown (5.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Peperoncino Calabrese (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Chile de Árbol (15.000–30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Lemon Drop (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ají Cristal (15.000–30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Cayenne (30.000–50.000 SHU, Capsicum annuum)
- Tabasco (30.000–50.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Ají Charapita (30.000–50.000 SHU, Capsicum chinense)
- Ají Amarillo (30.000–50.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Pequin (30.000–60.000 SHU, Capsicum annuum)
- Rocoto (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Manzano (30.000–100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Chiltepin (Tepin) (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bird’s Eye (50.000–100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Kanthari (50.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Sugar Rush Peach (50.000–100.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Malagueta (60.000–100.000 SHU, Capsicum frutescens)
Sehr scharf (100.000 – 999.999 SHU)
- Piri Piri (50.000–175.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Datil (100.000–300.000 SHU, Capsicum chinense)
- Devil’s Tongue (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Scotch Bonnet (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Orange Habanero (100.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Madame Jeanette (125.000–325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Fatalii (125.000–400.000 SHU, Capsicum chinense)
- White Habanero (200.000–350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Chocolate Habanero (200.000–450.000 SHU, Capsicum chinense)
- Red Savina Habanero (248.556–577.000 SHU, Capsicum chinense)
- Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000–1.001.304 SHU, Capsicum chinense)
Extrem (ab 1 Mio. SHU)
- Naga Morich (900.000–1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
- Dorset Naga (900.000–1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000–1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Douglah (900.000–1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
- Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764–2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Primo (1.469.000–1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
- Komodo Dragon (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Carolina Reaper (1.400.000–2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)
Die interaktive Ansicht braucht JavaScript.
Steckbrief
| Art | Capsicum chinense |
| Schärfe | 100.000–300.000 SHU |
| Herkunft | St. Augustine, Florida |
| Fruchtgröße | 4–8 cm, schlank, leicht gedreht |
| Farbe reif | Gelb bis goldorange |
| Keimdauer | 14–28 Tage bei 26–28 °C |
| Aussaat | Mitte Januar |
| Reifezeit | 100–120 Tage ab Auspflanzen |
| Wuchshöhe | 60–100 cm |
| Topfvolumen | 15–20 l |
Anmerkung: Datil baue ich selbst nicht an. Die Angaben stammen aus Sortenbeschreibungen und Literatur; die Anbauhinweise leite ich aus meiner Praxis mit anderen chinense-Sorten ab. Habanero und Scotch Bonnet wachsen bei mir im Folientunnel.
Herkunft
Die Datil ist mit St. Augustine so eng verbunden wie kaum eine Sorte mit einem Ort. Angebaut und weitergegeben wurde sie dort ab dem 18. Jahrhundert von der menorquinischen Gemeinde, die als Vertragsarbeiter nach Florida kam.
Wie die Sorte dorthin kam, ist nicht abschließend geklärt. Die naheliegende Annahme, Einwanderer brachten sie aus Menorca mit, passt schlecht dazu, dass chinense-Sorten in Spanien nie verbreitet waren. Wahrscheinlicher ist ein Weg über die Karibik. Sicher belegt ist das nicht, und seriöse Quellen halten sich hier zurück.
Bis heute steckt sie in lokalen Gerichten wie Minorcan Clam Chowder und Pilau. Außerhalb Floridas bekommt man sie praktisch nur als Saatgut oder als Sauce.
Schärfe und Geschmack
In der Spitze liegt Datil auf Habanero-Niveau. Der Unterschied, den man beim Essen merkt, ist der zeitliche Verlauf: Die Süße kommt zuerst, und die Schärfe baut sich über etwa eine Minute auf. Bei einer Habanero überlagert die Schärfe das Aroma schneller.
Das macht sie für Saucen interessant, in denen Süße eine Rolle spielt, und erklärt, warum die typischen Datil-Saucen aus Florida oft mit Frucht oder Zucker gearbeitet sind.
Zur Zahl gehört wie bei allen sehr scharfen Sorten eine Einordnung: Die 300.000 SHU erreicht eine in Deutschland gezogene Schote nicht. Capsaicin entsteht unter Hitze und langer Sonneneinstrahlung. Realistisch landet man im unteren Drittel der Spanne. Warum die Werte so streuen, steht unter Scoville-Skala.
Datil und Habanero im Vergleich
Beide sind Capsicum chinense und liegen im selben Schärfebereich. Verwechseln kann man sie trotzdem kaum, sobald man beide einmal nebeneinander hatte.
| Datil | Orange Habanero | |
|---|---|---|
| Form | Schlanker, zulaufend, 5–8 cm | Lampionförmig, gedrungen, 2,5–6 cm |
| Schärfe | 100.000–300.000 SHU | 100.000–350.000 SHU |
| Aroma | Deutlich süßer, an Aprikose und Honig | Fruchtig, herber im Abgang |
| Reifezeit | Spät, 100–120 Tage | 100–120 Tage |
| Verwendung | Süß-scharfe Saucen, Relish | Hot Sauce, Salsa, Pulver |
Die Süße ist der Punkt, an dem sich die Sorte von der Verwandtschaft absetzt. In St. Augustine landet sie deshalb traditionell in süß-scharfen Zubereitungen, wo eine Habanero zu herb wäre. Im Anbau verhalten sich beide gleich, wer die eine hinbekommt, bekommt auch die andere hin.
Anbau in Deutschland
Datil braucht dieselben Bedingungen wie jede chinense, und in Deutschland ist die Saison der begrenzende Faktor, nicht die Pflege.
- Aussaat Mitte Januar. Bei 14 bis 28 Tagen Keimdauer und 100 bis 120 Tagen Reifezeit ist das die Untergrenze.
- 26 bis 28 °C zur Keimung, gleichmäßig. Auf der Fensterbank über der Heizung schwankt es zu stark.
- Kunstlicht in der Vorkultur. Im Januar reicht das Tageslicht nicht, sonst vergeilen die Sämlinge.
- 15 bis 20 Liter Topf, vollsonnig und warm.
- Folientunnel oder Südwand. Unter 12 °C nachts stellt sie das Wachstum ein. Im September entscheidet das über die letzten Schoten.
Beim Gießen zählt Gleichmäßigkeit mehr als Menge: Der Wechsel zwischen ausgetrocknet und durchnässt ist die häufigste Ursache für Blütenabwurf. Ab Fruchtansatz wöchentlich kaliumbetont düngen, siehe Chilipflanzen düngen.
Ein Punkt, der bei gelb abreifenden Sorten häufiger auftritt: Der Farbwechsel von grün nach gelb ist unauffälliger als der nach rot. Reif ist die Schote, wenn kein grüner Schimmer mehr zu sehen ist und sie auf leichten Druck nachgibt.
Verwenden
- Hot Sauce: Die naheliegende Verwendung. Als Anteil von 20 bis 40 %, gut mit Mango oder Ananas.
- Marinaden: Für Geflügel und Fisch, wo die Süße passt.
- Einlegen: Ganz, in Essig mit Zwiebel.
- Trocknen: Möglich, aber wie bei allen chinense wegen des dicken Fruchtfleischs langwierig. Halbieren hilft.
- Einfrieren: Ganz und roh, ohne Blanchieren. Für eine Sorte, die nur einmal im Jahr trägt, der einfachste Weg zum Vorrat.
Handschuhe sind bei dieser Schärfe angebracht. Capsaicin bleibt stundenlang an den Fingern. Was dann hilft, steht unter Schärfe von den Händen entfernen.
Lohnt sich die Sorte?
Wenn du bereits chinense-Sorten ziehst und Abwechslung suchst: ja. Das süß-scharfe Profil unterscheidet sich hörbar von Habanero und Scotch Bonnet, und kaufen kann man sie in Europa praktisch nicht.
Als erste sehr scharfe Sorte: eher nicht. Eine Orange Habanero ist zwei bis drei Wochen früher fertig, im Ertrag verlässlicher und im Handel überall als Saatgut erhältlich. Datil ist die Sorte für den zweiten oder dritten Anlauf, wenn die Anzucht mit Kunstlicht und Heizmatte schon läuft und man weiß, was eine chinense an Saison braucht.
Was bei gelben chinense schiefgeht
| Beobachtung | Ursache | Was hilft |
|---|---|---|
| Schoten bleiben grünlich-gelb | Zu früh geerntet. Der Farbwechsel ist unauffällig | Warten, bis kein grüner Schimmer mehr da ist |
| Im Oktober noch alles grün | Zu spät gesät oder zu kühler Standort | Nächstes Jahr Mitte Januar säen, Tunnel nutzen |
| Viele Blüten, kein Fruchtansatz | Nachttemperatur unter 12 °C oder über 32 °C tagsüber | Später auspflanzen, im Tunnel lüften |
| Nach drei Wochen nichts gekeimt | Normal bei chinense | Bis 28 Tage abwarten, gleichmäßig 26–28 °C halten |
| Sämlinge lang und dünn | Lichtmangel in der Januar-Vorkultur | Pflanzenlampe, 12 bis 14 Stunden täglich |
Die erste Zeile betrifft alle gelb und orange abreifenden Sorten. Bei einer roten Chili sieht man den Reifepunkt sofort; bei einer gelben verläuft der Übergang von hellgrün nach goldgelb so schleichend, dass man leicht eine Woche zu früh erntet, und dann fehlt genau die Süße, für die man die Sorte angebaut hat.
Häufige Fragen
Wie scharf ist die Datil?
100.000 bis 300.000 Scoville, also im Bereich einer Habanero. Der Unterschied liegt im Verlauf: Die Süße kommt zuerst, die Schärfe baut sich über etwa eine Minute auf. In Deutschland gezogene Schoten liegen meist im unteren Drittel der Spanne.
Was unterscheidet Datil von der Habanero?
Botanisch nichts Grundlegendes. Beide sind Capsicum chinense mit ähnlicher Schärfe und ähnlichen Ansprüchen. Datil schmeckt deutlich süßer im Antritt, ist schlanker und leicht gedreht und reift gelb bis goldorange ab statt orange.
Woher kommt die Datil?
Aus St. Augustine in Florida, wo sie seit dem 18. Jahrhundert von der menorquinischen Gemeinde angebaut wird. Wie sie dorthin kam, ist nicht abschließend geklärt. Die naheliegende Annahme eines Wegs über Menorca passt schlecht dazu, dass chinense-Sorten in Spanien nie verbreitet waren.
Wann muss ich Datil aussäen?
Mitte Januar. Bei 14 bis 28 Tagen Keimdauer und 100 bis 120 Tagen Reifezeit ab dem Auspflanzen ist ein späterer Termin in Deutschland zu knapp. Dann bleibt ein großer Teil der Schoten grün.
Wächst Datil im Freiland?
In einem warmen Sommer an einer Südwand ja, mit Abstrichen beim Ertrag. Verlässlicher ist ein Folientunnel oder Gewächshaus, weil sie wie alle chinense-Sorten unter 12 °C Nachttemperatur das Wachstum einstellt.
Wann ist eine Datil reif?
Wenn kein grüner Schimmer mehr zu sehen ist und die Schote auf leichten Druck nachgibt. Bei gelb abreifenden Sorten ist der Farbwechsel unauffälliger als bei roten. Deshalb wird oft zu früh geerntet.
Wo bekomme ich Datil-Saatgut?
Im Spezialversand für Chilisaatgut. Frische Schoten gibt es außerhalb Floridas praktisch nicht, gelegentlich findet man Datil-Saucen im Import. Bei Samen aus getrockneten Schoten vorher einen Keimtest machen.
Kann ich Datil überwintern?
Botanisch ist sie wie alle Capsicum-Arten mehrjährig, Frost übersteht sie nicht. Hell und kühl bei 10 bis 15 °C funktioniert das Überwintern, mehr dazu unter Chilis überwintern.
Weiterlesen: Chilisorten im Überblick · Capsicum-Arten
