Pequin (oder Piquin)

Pequin und Piquin sind dieselbe Chili. Es sind zwei Schreibweisen desselben Namens, und dahinter steckt keine botanische Unterscheidung. Beide meinen die kleine, längliche Wildform mit 30.000 bis 60.000 Scoville.

Verwechselt wird sie dagegen regelmäßig mit der Chiltepin. Die einfache Merkregel: rund heißt Tepin, länglich heißt Pequin. Beide gehören zur selben wilden Ausgangsform, und beide keimen entsprechend zäh.

Vergleich der Wildchili-Formen Tepin, Pequin und Piquin mit Bird's Eye und Malagueta nach Typ, Form und Schärfe
Rund heißt Tepin, länglich heißt Pequin. Beide sind Wildformen.

Alle Informationen auf einen Blick

CHILI-LEXIKON

56 Sorten nach Schärfegrad: Sorte antippen für den Steckbrief.

Mild (0 bis 999 SHU)

  • Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
  • Habanada (0 bis 100 SHU, Capsicum chinense)
  • Shishito (50 bis 200 SHU, Capsicum annuum)
  • Fushimi (0 bis 500 SHU, Capsicum annuum)
  • Banana Pepper (0 bis 500 SHU, Capsicum annuum)
  • Friggitello (100 bis 500 SHU, Capsicum annuum)

Pikant (1.000 bis 9.999 SHU)

  • Padrón (500 bis 2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Anaheim (500 bis 2.500 SHU, Capsicum annuum)
  • Poblano (1.000 bis 2.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Cascabel (1.000 bis 3.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Piment d’Espelette (3.000 bis 4.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Mirasol (Guajillo) (2.500 bis 5.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Jalapeño (2.500 bis 8.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Fresno (2.500 bis 10.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Ají Fantasy (5.000 bis 10.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ungarische Wachspaprika (5.000 bis 10.000 SHU, Capsicum annuum)

Mittelscharf (10.000 bis 99.999 SHU)

  • Serrano (10.000 bis 23.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Peter Pepper (5.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bishop’s Crown (5.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Peperoncino Calabrese (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Chile de Árbol (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Lemon Drop (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Ají Cristal (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Cayenne (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Tabasco (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Ají Charapita (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Ají Amarillo (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Pequin (30.000 bis 60.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Rocoto (30.000 bis 100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Manzano (30.000 bis 100.000 SHU, Capsicum pubescens)
  • Chiltepin (Tepin) (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Bird’s Eye (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum annuum)
  • Kanthari (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Sugar Rush Peach (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum baccatum)
  • Malagueta (60.000 bis 100.000 SHU, Capsicum frutescens)

Sehr scharf (100.000 bis 999.999 SHU)

  • Piri Piri (50.000 bis 175.000 SHU, Capsicum frutescens)
  • Datil (100.000 bis 300.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Devil’s Tongue (125.000 bis 325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Scotch Bonnet (100.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Orange Habanero (100.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Madame Jeanette (125.000 bis 325.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Fatalii (125.000 bis 400.000 SHU, Capsicum chinense)
  • White Habanero (200.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Chocolate Habanero (200.000 bis 450.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Red Savina Habanero (248.556 bis 577.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000 bis 1.001.304 SHU, Capsicum chinense)

Extrem (ab 1 Mio. SHU)

  • Naga Morich (900.000 bis 1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Dorset Naga (900.000 bis 1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000 bis 1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Douglah (900.000 bis 1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
  • Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764 bis 2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
  • 7 Pot Primo (1.469.000 bis 1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Komodo Dragon (1.400.000 bis 2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Carolina Reaper (1.400.000 bis 2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
  • Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)

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Steckbrief

ArtCapsicum annuum var. glabriusculum
Schärfe30.000 bis 60.000 SHU
SchreibweisenPequin, Piquin, Pequín: identisch
HerkunftMexiko, Südwesten der USA
Fruchtgröße1 bis 2 cm, länglich-oval, aufrecht stehend
Farbe reifLeuchtend rot
Keimdauer3 bis 6 Wochen
AussaatAnfang Januar
Wuchshöhe60 bis 120 cm, buschig
Topfvolumen7 bis 10 l
LebensdauerMehrjährig; bringt ab dem zweiten Jahr mehr Ertrag

Der Unterschied zur Chiltepin

Beide sind Wildformen derselben Varietät, und in ihrem Verbreitungsgebiet gehen sie ineinander über. Die Unterscheidung im Handel läuft deshalb über die Fruchtform.

Chiltepin / TepinPequin / Piquin
FormRund, 5 bis 8 mmLänglich-oval, 1 bis 2 cm
Schärfe50.000 bis 100.000 SHU30.000 bis 60.000 SHU
Keimung4 bis 8 Wochen, ausgeprägte Keimruhe3 bis 6 Wochen, etwas williger
Reifezeitetwa 200 Tage150 bis 180 Tage
GeschmackRauchig-nussig, sehr direktZitrisch, etwas milder im Antritt

Praktisch heißt das: Pequin ist die einsteigerfreundlichere der beiden Wildformen. Sie keimt williger, ist früher reif und liefert schon im ersten Jahr eine brauchbare Ernte. Was für Chiltepin nicht gilt.

Anbau

Die Keimung ist auch bei Pequin der Engpass. Wie alle Wildformen hat sie eine Keimruhe. In der Natur werden die Samen von Vögeln verbreitet, und die Darmpassage weicht die harte Schale auf. Ohne diesen Reiz keimt ein Teil der Samen erst nach Wochen.

  • Aussaat Anfang Januar. Bei 3 bis 6 Wochen Keimdauer und 150 bis 180 Tagen Reifezeit ist alles Spätere knapp.
  • Gleichmäßig 25 bis 28 °C. Eine Heizmatte mit Thermostat macht bei Wildformen den größten Unterschied.
  • Nicht zu früh aufgeben. Die Schale sechs Wochen stehen lassen, auch wenn nach zwei nichts passiert.
  • Mehr aussäen als nötig, weil die Keimrate niedriger liegt als bei Kultursorten.
  • 7 bis 10 Liter Topf. Sie bleibt kompakt und braucht wenig Volumen.

Beim Substrat gilt dasselbe wie bei allen Wildformen: eher mager als reich. Zu viel Stickstoff treibt das Laub und bremst den Fruchtansatz. Die Mischung, die ich verwende, steht unter Chili-Erde selbst mischen.

Ist sie einmal da, ist die Pflanze robust. Wildformen kommen aus Umgebungen, in denen niemand gießt. Trockenheit steckt sie besser weg als jede Kultursorte, Staunässe dagegen schlecht. Details zur Keimung stehen unter Chilisamen keimen lassen.

Bei mir wächst Pequin seit mehreren Jahren, jedes Jahr neu gezogen. Der Ertrag im ersten Jahr ist überschaubar, aber anders als bei Chiltepin lohnt sich der Aufwand schon in der ersten Saison.

Was bei Pequin schiefgeht

BeobachtungUrsacheWas hilft
Keimung zieht sich über WochenReste der Keimruhe, wie bei allen halbwilden LinienVorquellen, 26 bis 28 °C, bis zu fünf Wochen einplanen
Erste Saison bleibt ertragsarmLange Kulturdauer, die Pflanze investiert in WurzelnÜberwintern. Ab dem zweiten Jahr liefert sie deutlich mehr
Pflanze wird sparrig und fällt auseinanderAufrechter Wildwuchs ohne kompakte KroneSpitze früh einkürzen, ab Juli stäben
Reife Beeren fallen abVogelverbreitung, die Beeren lösen sich von selbstSchale unterhalten, regelmäßig abstreifen
Schärfe fällt milder aus als erwartetKühler Sommer oder Saatgut aus unklarer QuelleVollsonnig stellen, Saatgut mit Herkunftsangabe kaufen

Geschmack und Verwendung

Die Schärfe setzt sofort ein, ist heftig und klingt nach ein bis zwei Minuten wieder ab, typisch für annuum-Wildformen. Geschmacklich ist Pequin zitrisch-frisch, mit deutlich mehr Eigencharakter als die Größe vermuten lässt.

  • Getrocknet und zerrieben: Die klassische mexikanische Verwendung. Die winzigen Schoten trocknen in wenigen Tagen durch.
  • In Salsa Macha: In Öl frittiert, mit Nüssen und Knoblauch.
  • Eingelegt: Ganz, in Essig mit Oregano.
  • In Chiliöl: Nur getrocknet verwenden, nie frisch.
  • Als Ziersorte: Die aufrecht stehenden roten Schoten an einer kompakten Pflanze sehen gut aus.
  • Gemahlen: Ergibt ein sehr scharfes Pulver mit zitrischer Note. Deutlich eigenständiger als Cayennepulver.

Zum Trocknen ist Pequin ideal, so klein und dünnwandig, dass an der Luft nach wenigen Tagen nichts mehr feucht ist. Das ist auch die schonendste Methode, wenn du später eigene Samen daraus ziehen willst.

Saatgut und Sortenreinheit

Beim Kauf ist die Bezeichnung wenig aussagekräftig. Unter „Pequin“ laufen im Handel sowohl echte Wildformen als auch kultivierte Auslesen, die deutlich williger keimen und größere Früchte bilden. Beides ist brauchbar. Man sollte nur wissen, was man bekommt.

Ein Hinweis auf eine echte Wildform ist die Angabe Capsicum annuum var. glabriusculum. Fehlt sie, handelt es sich meist um eine Kulturform. Wer beides nebeneinander zieht, sieht den Unterschied spätestens bei der Keimung: Die Wildform läuft über Wochen verteilt auf, die Kulturform innerhalb weniger Tage.

Samen aus eigenen Schoten bleiben nur dann sortenrein, wenn keine andere Chilisorte in Insektenreichweite stand. Capsicum wird von Bienen und Hummeln bestäubt. Wer sichergehen will, tütet einzelne Blüten vor dem Öffnen ein. Mehr dazu unter Chilis kreuzen.

Lohnt sich die Sorte?

Als Einstieg in die Wildformen: ja. Pequin ist die vernünftigere Wahl als Chiltepin. Sie keimt williger, ist früher reif und setzt schon im ersten Jahr Früchte an. Wer die Wildformen kennenlernen will, fängt hier an.

Als erste Chilipflanze: nein. Die Keimruhe frustriert, und eine Cayenne liefert bei einem Bruchteil des Aufwands ein Vielfaches an Ertrag. Wildformen baut man an, weil man sie interessant findet. Die Menge liefern die Kultursorten. Wer trotzdem einsteigen will, sät im ersten Jahr beides nebeneinander: eine Wildform zum Ausprobieren und eine Kultursorte, damit die Saison nicht an einer leeren Anzuchtschale hängt.

Was Wildformen im Anbau anders machen

PunktWildformKultursorte
Keimdauer3 bis 8 Wochen, unregelmäßig7 bis 14 Tage, gleichmäßig
KeimrateOft unter 50 %80 bis 95 %
AussaatDezember bis Anfang JanuarFebruar bis März
WasserbedarfNiedrig, trockenheitstolerantHoch, gleichmäßig
StaunässeSehr empfindlichEmpfindlich
Fruchtgröße1 bis 2 cm5 bis 15 cm
Ertrag Jahr 1GeringVoll

Die untere Zeile ist der Punkt, der am meisten überrascht. Wildformen wachsen langsamer und stecken im ersten Jahr mehr Kraft in Wurzeln und Verzweigung als in Früchte. Wer den Ertrag einer Cayenne erwartet, wird enttäuscht. Wer den Ertrag einer Wildform erwartet, bekommt genau das.

Verwandte Sorten: Chiltepin (50.000 bis 100.000 SHU, die wilde Ausgangsform) · Bird’s Eye (50.000 bis 100.000 SHU, kleine aufrechte Schoten, Piri Piri und Thai) · Cayenne (30.000 bis 50.000 SHU, dünnwandig, die Sorte zum Trocknen) · Tabasco (30.000 bis 50.000 SHU, frutescens mit aufrechten Schoten). Passende Anleitungen: Chilis trocknen · Chilisamen keimen lassen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pequin und Piquin?

Keiner. Es sind zwei Schreibweisen desselben Namens, gelegentlich auch Pequín geschrieben. Dahinter steckt dieselbe Pflanze. Eine kleine, längliche Wildform der Art Capsicum annuum.

Was unterscheidet Pequin von Chiltepin?

Vor allem die Form: Chiltepin ist rund und 5 bis 8 mm groß, Pequin länglich-oval und 1 bis 2 cm lang. Chiltepin ist außerdem schärfer, keimt zäher und braucht rund 200 Tage bis zur Reife. Pequin ist die einsteigerfreundlichere der beiden.

Wie scharf ist Pequin?

30.000 bis 60.000 Scoville, vergleichbar mit einer Cayenne, aber mit anderem Verlauf. Die Schärfe setzt sofort ein und klingt nach ein bis zwei Minuten wieder ab, statt wie bei chinense-Sorten langsam aufzubauen.

Warum keimen meine Pequin-Samen so schlecht?

Wildformen haben eine Keimruhe. In der Natur werden die Samen von Vögeln verbreitet, und erst die Darmpassage weicht die harte Schale auf. Drei bis sechs Wochen sind normal. Der häufigste Fehler ist, die Anzuchtschale zu früh auszuräumen.

Wann muss ich Pequin aussäen?

Anfang Januar. Bei drei bis sechs Wochen Keimdauer und 150 bis 180 Tagen Reifezeit reicht ein späterer Termin in Deutschland nicht mehr für eine volle Ernte.

Setzt Pequin im ersten Jahr Früchte an?

Ja, anders als Chiltepin. Der Ertrag ist überschaubar, aber brauchbar. Im zweiten Jahr bringt die Pflanze deutlich mehr. Wer den Platz zum Überwintern hat, sollte es bei Wildformen versuchen.

Wie viel Wasser braucht Pequin?

Weniger als Kultursorten. Sie stammt aus halbtrockenen Gebieten und verträgt kurze Trockenphasen gut. Staunässe schadet ihr dagegen schnell. Im Zweifel lieber zu wenig gießen als zu viel.

Eignet sich Pequin zum Trocknen?

Sehr gut. Die Schoten sind so klein und dünnwandig, dass sie an der Luft in wenigen Tagen durchtrocknen. Weil sie dabei nie über Zimmertemperatur kommen, bleiben die Samen keimfähig. Man bekommt Gewürz und Saatgut aus derselben Ernte.

Weiterlesen: Capsicum-Arten · Chilisorten im Überblick · Chili aussäen

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