Chilis sind zäher, als die meisten Anleitungen glauben machen. Ich habe das zum ersten Mal in Alabama gesehen: ein Garten, in dem seit Wochen nichts mehr gegossen worden war, alles braun und vertrocknet, und mittendrin leuchteten rote Chilis. Ich habe eine probiert, sie war scharf, und ich habe ein paar Samen mitgenommen. In Deutschland sind daraus Pflanzen geworden, die problemlos Ertrag gebracht haben.
Meine erste eigene Chili habe ich 2007 geerntet. Seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen. Inzwischen wächst bei mir auf der Fensterbank, auf dem Balkon, im Garten und im Folientunnel etwas. Diese Seite ist der rote Faden durch das Chili-Jahr, mit Absprüngen in die Detailthemen.
Das Chili-Jahr auf einen Blick

Chilis brauchen in Deutschland einen langen Vorlauf. Wer im Mai anfängt, erntet im Oktober grüne Schoten. Der Zeitplan ist deshalb die wichtigste Entscheidung der ganzen Saison.
So sieht mein Jahr aus. Die Zeiträume sind bewusst großzügig, je nach Jahr und Standort verschiebt sich alles um zwei bis drei Wochen:
| Zeitraum | Was ich mache | Warum |
|---|---|---|
| Mitte Januar bis Anfang Februar | Aussaat der scharfen Sorten (C. chinense: Habanero, Reaper, Ghost, Scotch Bonnet) | Brauchen 100 bis 120 Tage bis zur Reife und keimen langsam |
| Mitte Februar bis Mitte März | Aussaat der milderen Sorten (C. annuum: Jalapeño, Cayenne, Serrano, Poblano, Paprika) | Schneller in Keimung und Reife, holen den Rückstand auf |
| 3 bis 4 Wochen nach der Keimung | Pikieren, sobald die ersten echten Blätter da sind | Wechsel von nährstoffarmer Anzuchterde in normale Erde |
| Ende April bis Anfang Mai | Abhärten über 10 bis 14 Tage | Ohne Gewöhnung gibt es Sonnenbrand auf den Blättern |
| Mitte Mai (nach den Eisheiligen) | Raus ins Freie | Unter 10 °C stehen Chilis still, Spätfrost killt sie |
| Ende Juli bis Mitte August | Erste Ernte der annuum-Sorten | Jalapeño und Cayenne sind bei mir immer zuerst dran |
| Ende August bis Mitte September | Erste Ernte der chinense-Sorten | Habanero und Reaper lassen sich deutlich mehr Zeit |
| September bis Oktober | Haupternte | Jetzt kommt alles auf einmal |
| Bis zum ersten Frost | Letzte Schoten abnehmen, Rest grün ernten oder nachreifen lassen | Meist Ende Oktober, manchmal erst Mitte November |
Eine Sache mache ich anders als viele: Ich überwintere nicht. Chilis sind zwar mehrjährig, aber ich ziehe jedes Jahr neu, mir fehlt schlicht der Platz, um zehn Kübel hell und frostfrei durch den Winter zu bringen. Wenn du den Platz hast, lohnt es sich: Chilis überwintern.
Schritt 1: Die richtige Sorte wählen
Der häufigste Anfängerfehler ist, mit der schärfsten Sorte zu starten, die man finden kann. Carolina Reaper und Ghost Pepper sind Capsicum chinense. Sie keimen unzuverlässig, brauchen konstant warme Temperaturen und die längste Zeit bis zur Reife. Wenn dabei etwas schiefgeht, ist die Saison vorbei.
Für den Einstieg funktionieren Capsicum annuum-Sorten deutlich besser: Jalapeño, Cayenne, Serrano. Sie keimen in ein bis zwei Wochen statt in drei bis fünf, verzeihen Temperaturschwankungen und setzen zuverlässig an.
Diese Sorten habe ich selbst angebaut
Über die Jahre sind einige zusammengekommen. Die Keimzeiten sind das, womit ich bei mir rechne, mit Puffer, weil es je nach Samenalter und Temperatur schwankt:
| Sorte | Art | Keimdauer bei mir | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Jalapeño | annuum | 7 bis 12 Tage | Die zuverlässigste Sorte im Beet |
| Cayenne | 7 bis 14 Tage | Trocknet am besten von allen | |
| Serrano | 8 bis 14 Tage | Liefert sehr reichlich | |
| Anaheim | Mild, gut zum Füllen | ||
| Poblano | 10 bis 16 Tage | Große Pflanze, braucht Platz | |
| Paprika | 8 bis 14 Tage | Läuft im Tunnel am besten | |
| Tepin / Pequin | 14 bis 28 Tage | Winzige Schoten, extrem zäh | |
| Tabasco | frutescens | 14 bis 21 Tage | Schoten stehen nach oben |
| Piri Piri | Buschig, sehr ertragreich | ||
| Orange Habanero | chinense | 14 bis 28 Tage | Fruchtig, mein Standard für Sauce |
| Chocolate Habanero | 18 bis 30 Tage | Rauchiger als die orange | |
| Scotch Bonnet | Braucht den Tunnel, sonst wird’s knapp | ||
| Ghost Pepper | 21 bis 35 Tage | Geduld, keimt sehr ungleichmäßig | |
| Carolina Reaper | Die anspruchsvollste von allen |
Zu den fünf Sorten, nach denen am häufigsten gesucht wird, gibt es ausführliche Porträts mit meinen eigenen Zahlen und Fotos: die Jalapeño für das erste Jahr, die Cayenne für den Trockenvorrat, die Habanero für Saucen und die Carolina Reaper für die Spitze der Skala. Die Pepper X steht darüber, ist aber als Saatgut nicht zu bekommen.

Eine Übersicht aller Arten findest du unter Capsicum-Arten, die einzelnen Sorten in der Sortenübersicht.
Chili-Lexikon
Sorten von A bis Z
Alle 56 Sorten durchsuchen und filtern. Karte antippen öffnet den Steckbrief.
Mild (0 bis 999 SHU)
- Gemüsepaprika (0 SHU, Capsicum annuum)
- Habanada (0 bis 100 SHU, Capsicum chinense)
- Shishito (50 bis 200 SHU, Capsicum annuum)
- Fushimi (0 bis 500 SHU, Capsicum annuum)
- Banana Pepper (0 bis 500 SHU, Capsicum annuum)
- Friggitello (100 bis 500 SHU, Capsicum annuum)
Pikant (1.000 bis 9.999 SHU)
- Padrón (500 bis 2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Anaheim (500 bis 2.500 SHU, Capsicum annuum)
- Poblano (1.000 bis 2.000 SHU, Capsicum annuum)
- Cascabel (1.000 bis 3.000 SHU, Capsicum annuum)
- Piment d’Espelette (3.000 bis 4.000 SHU, Capsicum annuum)
- Mirasol (Guajillo) (2.500 bis 5.000 SHU, Capsicum annuum)
- Jalapeño (2.500 bis 8.000 SHU, Capsicum annuum)
- Fresno (2.500 bis 10.000 SHU, Capsicum annuum)
- Ají Fantasy (5.000 bis 10.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ungarische Wachspaprika (5.000 bis 10.000 SHU, Capsicum annuum)
Mittelscharf (10.000 bis 99.999 SHU)
- Serrano (10.000 bis 23.000 SHU, Capsicum annuum)
- Peter Pepper (5.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bishop’s Crown (5.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Peperoncino Calabrese (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Chile de Árbol (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum annuum)
- Lemon Drop (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Ají Cristal (15.000 bis 30.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Cayenne (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum annuum)
- Tabasco (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Ají Charapita (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum chinense)
- Ají Amarillo (30.000 bis 50.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Pequin (30.000 bis 60.000 SHU, Capsicum annuum)
- Rocoto (30.000 bis 100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Manzano (30.000 bis 100.000 SHU, Capsicum pubescens)
- Chiltepin (Tepin) (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Bird’s Eye (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum annuum)
- Kanthari (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Sugar Rush Peach (50.000 bis 100.000 SHU, Capsicum baccatum)
- Malagueta (60.000 bis 100.000 SHU, Capsicum frutescens)
Sehr scharf (100.000 bis 999.999 SHU)
- Piri Piri (50.000 bis 175.000 SHU, Capsicum frutescens)
- Datil (100.000 bis 300.000 SHU, Capsicum chinense)
- Devil’s Tongue (125.000 bis 325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Scotch Bonnet (100.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Orange Habanero (100.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Madame Jeanette (125.000 bis 325.000 SHU, Capsicum chinense)
- Fatalii (125.000 bis 400.000 SHU, Capsicum chinense)
- White Habanero (200.000 bis 350.000 SHU, Capsicum chinense)
- Chocolate Habanero (200.000 bis 450.000 SHU, Capsicum chinense)
- Red Savina Habanero (248.556 bis 577.000 SHU, Capsicum chinense)
- Bhut Jolokia (Ghost Pepper) (800.000 bis 1.001.304 SHU, Capsicum chinense)
Extrem (ab 1 Mio. SHU)
- Naga Morich (900.000 bis 1.100.000 SHU, Capsicum chinense)
- Dorset Naga (900.000 bis 1.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Scorpion Butch T (1.200.000 bis 1.463.700 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Douglah (900.000 bis 1.850.000 SHU, Capsicum chinense)
- Naga Viper (1.382.118 SHU, Capsicum chinense)
- Trinidad Moruga Scorpion (1.207.764 bis 2.000.000 SHU, Capsicum chinense)
- 7 Pot Primo (1.469.000 bis 1.790.000 SHU, Capsicum chinense)
- Komodo Dragon (1.400.000 bis 2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Carolina Reaper (1.400.000 bis 2.200.000 SHU, Capsicum chinense)
- Pepper X (2.693.000 SHU, Capsicum chinense)
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Schritt 2: Aussaat
Chilisamen keimen bei 25 bis 28 °C. Das ist der Punkt, an dem die meisten Anzuchten scheitern. Auf einer normalen Fensterbank im Februar sind es nachts oft nur 16 °C, und dann passiert schlicht nichts oder die Keimung zieht sich über Wochen.

- Nährstoffarme Anzuchterde verwenden, in gedüngter Erde faulen die Keimlinge leicht
- Samen etwa 0,5 cm tief legen, Chilis sind Dunkelkeimer
- Gleichmäßig feucht halten, nicht nass
- Eine Heizmatte oder ein Platz über der Heizung macht den Unterschied
- Abdeckung täglich lüften, sonst kommt Schimmel

Ausführlich: Chili aussäen und Samen keimen lassen. Zum Timing: Wann Chilis anpflanzen?
Schritt 3: Meine Erdmischung
Fertige „Chili-Erde“ aus dem Handel funktioniert, ist aber teuer für das, was drin ist. Ich mische seit Jahren selbst. Das hier ist meine Mischung für die Pflanzen nach dem Pikieren. Die Anteile sind Richtwerte, ich wiege nichts ab:
| Anteil | Bestandteil | Wofür |
|---|---|---|
| ca. 50 % | Gute Gemüse- oder Blumenerde, torfreduziert | Grundlage und Nährstoffe |
| ca. 20 % | Kokoshumus | Lockert auf, hält Feuchtigkeit ohne zu verdichten |
| ca. 20 % | Perlite oder feiner Blähton | Drainage, der wichtigste Punkt der ganzen Mischung |
| ca. 10 % | Reifer Kompost | Bodenleben und Puffer |
| 1 Handvoll je 10 Liter | Hornspäne | Langsam wirkender Stickstoff für die Wachstumsphase |

Für die Anzucht nehme ich das nicht. Keimlinge kommen in nährstoffarme Anzuchterde oder Quelltöpfe, in gedüngter Erde faulen sie mir zu leicht weg. Erst beim Pikieren wechsle ich auf die Mischung oben.
Mehr dazu: Chili-Erde · Chili-Erde selbst mischen
Schritt 4: Licht
Wenn Keimlinge lang und dünn werden und umkippen, liegt das fast immer am Licht. Am Gießen liegt es dabei selten. Im Februar reicht deutsches Fensterlicht nicht aus. Die Pflanze streckt sich zum Fenster, bildet einen instabilen Stängel und kippt irgendwann um.
Eine einfache LED-Pflanzenlampe für 12 bis 14 Stunden am Tag löst das Problem vollständig. Mehr dazu: Wie viel Licht brauchen Chilipflanzen?
Schritt 5: Topf und Standort

Chilis wurzeln tiefer, als man denkt. Ein zu kleiner Topf begrenzt den Ertrag direkt: Die Pflanze bleibt klein und wirft bei Trockenheit sofort Blüten ab.
| Pflanzengröße | Topfvolumen |
|---|---|
| Kleine Sorten (Tepin, Pequin, Piri Piri) | 5 bis 7 Liter |
| Mittlere Sorten (Jalapeño, Serrano, Cayenne) | 10 bis 12 Liter |
| Große Sorten (Habanero, Reaper, Ghost Pepper) | 15 bis 20 Liter |
Details unter Topfgröße für Chilipflanzen und Umtopfen.
Der Standort sollte vollsonnig und windgeschützt sein. Eine Südwand, die nachts Wärme abgibt, ist ideal. Chilis stammen aus deutlich wärmeren Regionen und honorieren jedes zusätzliche Grad. Die chinense-Sorten stelle ich inzwischen fast nur noch in den Folientunnel, weil sie draußen in kühlen Sommern kaum durchreifen.

Einige Jahre habe ich auf einem Südbalkon vor einer Glasfront angebaut. Die Reflexion macht den Platz wärmer als jeden Garten, und die Pflanzen sind dort schnell gewachsen. Zwei Dinge gehören dazu: das langsame Gewöhnen an die Sonne, sonst gibt es Sonnenbrand auf den Blättern, und tägliches Gießen, weil Tontöpfe in dieser Lage an einem Tag austrocknen. Mehr dazu unter Chilis auf dem Balkon.
Schritt 6: Gießen und Düngen
Chilis sind empfindlicher gegen Staunässe als gegen Trockenheit. Genau das war meine Lehre aus Alabama: Die Pflanzen dort hatten wochenlang kaum Wasser und brachten trotzdem Ertrag. Ertrunkene Chilis habe ich dagegen schon einige gesehen.
- Erst gießen, wenn die oberen 2 bis 3 cm Erde trocken sind
- Abzugsloch im Topf ist Pflicht, Untersetzer nach 20 Minuten leeren
- Ab der ersten Blüte kaliumbetont düngen. Stickstoff bringt Blätter statt Schoten
Mehr: Wann und wie oft Chili gießen · Chilipflanzen richtig düngen · Alles zur Pflege
Wenn etwas schiefgeht
| Symptom | Häufigste Ursache | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Gelbe Blätter | Staunässe oder Stickstoffmangel | Gelbe Blattspitzen |
| Blüten fallen ab | Hitze über 32 °C, Trockenstress | Blütenabwurf |
| Blattverlust | Kälteschock oder Wurzelfäule | Blattverlust |
| Weißer Belag auf der Erde | Zu feucht, zu wenig Luft | Schimmel in der Anzucht |
| Klebrige Blätter, kleine Tiere | Blattläuse, Spinnmilben | Schädlinge |
Die vollständige Symptom-Übersicht steht unter Chili-Probleme.
Ernte und danach
Geerntet wird, wenn die Schote ihre sortentypische Farbe hat und sich fest anfühlt. Wichtig: Regelmäßiges Ernten steigert den Ertrag deutlich, weil die Pflanze weiter Früchte ansetzt, solange keine ausreifen darf.
Weiter zu Ernten und haltbar machen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es von der Aussaat bis zur Ernte?
Bei Capsicum annuum etwa 4 bis 5 Monate, bei Capsicum chinense 5 bis 6 Monate. Deshalb die frühe Aussaat im Januar oder Februar.
Sind Chilipflanzen mehrjährig?
Ja. Chilis sind mehrjährige Stauden, sie sind bei uns nur nicht winterhart. Überwinterte Pflanzen treiben im Frühjahr früher aus und bringen im zweiten Jahr oft deutlich mehr Ertrag. Ich selbst ziehe trotzdem jedes Jahr neu, aus Platzgründen.
Kann ich Chilis auf dem Balkon anbauen?
Sehr gut sogar. Ein Südbalkon ist oft besser als ein Beet, weil die Wand nachts Wärme abgibt. Siehe Chilis auf dem Balkon.
Kann ich Samen aus einer gekauften Chili verwenden?
Oft ja, aber unzuverlässig. Supermarkt-Chilis sind meist unreif geerntet, dann sind die Samen nicht keimfähig. Bei vollreifen und bei getrockneten Schoten funktioniert es deutlich besser. Ein Keimtest vorher zeigt, ob sich das Aussäen lohnt. Siehe Getrocknete Chilisamen einpflanzen. Was Gewächshaus und Folientunnel bringen, steht unter Chilis im Gewächshaus.
